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Elke Heidenreich schreibt als Kolumnistin für "semper!" und sieht sich als Gegenteil einer Diva

Elke Heidenreich schreibt als Kolumnistin für "semper!" und sieht sich als Gegenteil einer Diva

Namhafte Gäste sind an der Sächsischen Staatsoper Dresden alles andere als ungewöhnlich. Herausragende Sängerinnen und Sänger, Dirigenten und Regisseure geben sich die Klinke in die Hand und gehören zur Semperoper wie selbstverständlich mit dazu.

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Die Schriftstellerin und Moderatorin Elke Heidenreich.

Quelle: Katja Lenz/dapd

Doch eine namhafte Autorin? Seit Beginn dieser Spielzeit schreibt Elke Heidenreich die Kolumnen im Opernmagazin "semper!". Wie es dazu kam und warum sie dies tut, verrät sie im Gespräch mit Michael Ernst.

Frage: Für herausragende Aufgaben werden an der Oper oft Diven verpflichtet. Sind Sie denn eine Diva?

Elke Heidenreich: Ich glaube, ich bin das genaue Gegenteil von einer Diva! Und ich stehe ja auch nicht auf der Bühne, sondern sitze still zu Hause und versuche, schöne Texte für die Programmhefte zu schreiben, sozusagen unsichtbar und ganz und gar undivenmäßig.

Man kennt Ihren Namen in erster Linie aus der Welt der Literatur und der des Fernsehens. Spätestens seit Ihrem Engagement für die Kölner Kinderoper sind Sie auch im Musiktheater bekannt. Wie kam es zu dieser Annäherung?

Es hat schon mit den zwölf Jahren Arbeit für die Kölner Kinderoper zu tun - da wurde meine Ader zur Musik gründlich und mutig freigelegt. Von da an kamen immer mehr Aufträge - mit Musikern auf der Bühne zu sitzen und Texte zu lesen, mit Komponisten an Libretti zu arbeiten, CDs zum Thema Musik zu machen oder zum Beispiel die Salzburger Festspiele mit einer Rede zu eröffnen. Ich bin nach und nach immer mehr in das Thema hineingewachsen. Für die FAZ habe ich zum Beispiel über Jahre Sommerfestivals besucht und darüber geschrieben, von Glyndebourne bis Bayreuth.

Ihre erste Oper soll, wie bei so vielen anderen auch, "Die Zauberflöte" von Mozart gewesen sein?

Ja, Mitte der 50er Jahre in Essen. Aber das Wichtige für mich bei diesem ersten Opernbesuch war weniger die Geschichte als vielmehr das faszinierende Gesamtkunstwerk Oper - es wird musiziert, gesungen, gespielt, man sah ein schönes Bühnenbild, Kostüme - es war einfach ganz großes Gefühlstheater. Was etwa Sarastro in den Heil'gen Hallen wollte, habe ich damals gar nicht richtig begriffen. Aber dass das Ganze kostbar war, das habe ich sofort verstanden.

Was macht denn die "Zauberflöte" besonders für junges Publikum so attraktiv?

Wenn man nur ganz einfach draufguckt, die Geschichte der zornigen Mutter, die ihre Tochter zurück haben will. Oder der Prinz, der sich in ein Bild verliebt und auf die Suche geht, wie im Märchen. Und für Kinder ist natürlich der Papageno eine herrliche Figur, über die man lachen kann und die man besser begreift als den ernsten Priester Sarastro. Aber was uns unter der Oberfläche all dieser Handlungen ja letztlich unauslöschlich bis ins Herz erreicht, das ist Mozarts Musik. Die vergisst man im Leben nie mehr.

Und wo liegt der Grund dafür, dass diese Oper auch im Laufe des weiteren Lebens an Wert nicht verliert, sondern eher gewinnt?

Ganz ehrlich: ich habe inzwischen so viele "Zauberflöten" gesehen und gehört, ich kann das nicht mehr beantworten. Was mich heute auch mehr erreicht, ist das Requiem, sind die Klavierkonzerte, ist "Don Giovanni" - um bei Mozart zu bleiben. Aber die "Zauberflöte" hat den Sonderplatz als eben allererste Oper, die ich sah, das war die Initialzündung für meine lebenslange Opernliebe.

Was war denn die erste Produktion, die Sie an der Semperoper sahen?

Ich habe noch keine Oper dort gesehen, will aber unbedingt den "Rosenkavalier" hören, von Thielemann dirigiert und in der wunderschönen Inszenierung von Uwe Eric Laufenberg, der ja die Kölner Oper so großartig nach vorn gebracht hat und im Streit mit der Stadt ging. Köln vertreibt alle, die gut sind. Köln vertreibt nun auch mich als Opernliebhaberin, also weiche ich aus, beispielsweise nach Dresden. Ich habe aber in der Semperoper Christian Thielemanns Antrittskonzert gehört mit Bruckners 7., bei der man den Atem anhalten musste, so schön war das. Eine Sternstunde.

Als Kolumnistin des "semper!"-Magazins verbinden Sie offenbar ihre Liebe zum Musiktheater und die Berufung als Autorin?

Ja, ich schreibe, was mein Beruf ist, und ich schreibe über Musik, was meine Liebe ist. Das ist ein schöner Auftrag, er dauert leider nur eine Spielzeit. Aber ich bin gleichzeitig auch Kolumnistin für die Münchner Philharmoniker! Ein Zufall, das begann jetzt mit Lorin Maazels Antritt dort. Und da in München vorher Thielemann war, schließt sich für mich ein Kreis.

Für jedes Opernhaus, vermute ich, hätten Sie das nicht getan. Wieso für Dresden?

Einmal, weil ich die leider so schnell und früh verstorbene Ulrike Hessler noch aus München kannte. Sie hatte mich geholt, als Kent Nagano dort anfing - ich habe einen Text zu Schuberts "Rosamunde" geschrieben und mit Nagano und dem Bayerischen Staatsorchester aufgeführt. Und dann ging sie nach Dresden und diese Anfrage kam - ich habe gleich zugesagt. Da wusste ich ja auch, dass Thielemann kommt. Und ich bin ein glühender Thielemann-Verehrer, das hat mich sofort interessiert. Dazu kam, dass ich im Sommer in Bayreuth lange Gespräche für einen Film mit ihm über Wagners "Ring" geführt habe, wir haben uns kennengelernt und ich war noch glücklicher, für "sein" Haus schreiben zu dürfen und irgendwie ganz am Rande dazuzugehören. In Köln ist derzeit nämlich nur Wüste, und da tröstet mich das.

Welche Termine sollte man in der laufenden Saison hier keinesfalls verpassen?

Ganz spannend ist Krenek "Das geheime Königreich", das haben wir in Köln auch als Kinderoper gemacht, mit erklärenden Zwischentexten. Aber es ist furchtbar, jetzt was rauszusuchen - es sind so wunderbare Konzerte und Opern auf dem Programm, Händel, Mozart, Puccini, die Beschäftigung mit Henze - da kann doch eigentlich gar nichts schief gehen. 2013 ist außerdem Wagner- und Verdi-Jahr, da wird auch viel Großartiges gegeben, die Dresdner können sich wirklich glücklich schätzen mit ihrem Haus.

Und wann kommen Sie mal wieder in die Semperoper?

Wahrscheinlich zu "Manon Lescaut", und ein paar Konzerte versuche ich auch mitzukriegen. Es ist halt immer eine elende Reiserei von Köln nach Dresden!

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 16.02.2013

Michael Ernst

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