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Elektro-Swing-Pionier Parov Stelar zeigt, warum er zu den ganz Großen gehört

„Booty Swing“ in der Garde Elektro-Swing-Pionier Parov Stelar zeigt, warum er zu den ganz Großen gehört

Das Publikum, eher der Studenten-, Schüler und jüngeren Generation zuzuordnen, jubelte bereits lautstark, als der Österreicher Marcus Füreder alias Parov Stelar sein gut drei Meter hohes DJ-Pult betrat und mit „Booty Swing“ gleich richtig loslegte. Der unvergleichliche und Sex-Appeal verströmende Swing der 20er und 30er Jahre.

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Kult hinterm Pult: Parov Stelar hat den Swing ins dritte Jahrtausend geholt. Und das Publikum tanzte trotz Regens.

Quelle: Anja Schneider

Dresden. Elektronik und Wasser – das passt eigentlich ganz und gar nicht zusammen. Man stelle sich nur vor, ein altes Kofferradio aus den 20er, 30er Jahren, aus dem gerade herrlicher Swing-Sound tönt, fällt in eine Badewanne. Ein kurzer Knall und Ruhe kehrt ein. So läuft das halt normalerweise… Ganz anders am Freitagabend in der Jungen Garde. Nun gut, das „Kofferradio“ war in diesem Fall die große Bühne, auf der Österreichs derzeit international erfolgreichster Live-Act Parov Stelar gemeinsam mit seiner sechsköpfigen Band die Soundmaschinen an ihre Grenzen brachte, und die nicht ganz ausverkaufte Tribüne der Garde sollte an diesem Abend die Funktion der „Badewanne“ einnehmen – geschuldet dem immer wiederkehrenden Nass von oben, mal war es Dauer-Niesel, mal stärkerer Regen.

Doch die etwa 3000 Tanzbegeisterten – gut ausgestattet mit Regenjacken und kostenlos verteilten Plastiküberzügen – ignorierten Feuchtigkeit und Nässe, so elektrifiziert war jeder einzelne von der künstlerischen Darbietung Parov Stelars und seiner Begleiter. Bereits während der Vorband, den Placebo Flamingos, die sonst im Blue Note zu Hause sind, wippten die Regenschirme auf der halbrunden Tanzfläche vor der Bühne zu souligem Jazz im Takt. Kurz vor halb neun verabschiedeten sich die drei Dresdner mit dem Titel „Donkey Bridge“ (zu Deutsch „Eselsbrücke) – eine Hommage an die Waldschlößchenbrücke.

Und dann war es soweit. Das Publikum, eher der Studenten-, Schüler und jüngeren Generation zuzuordnen, jubelte bereits lautstark, als der Österreicher Marcus Füreder alias Parov Stelar sein gut drei Meter hohes DJ-Pult betrat und mit „Booty Swing“ gleich richtig loslegte. Der unvergleichliche und Sex-Appeal verströmende Swing der 20er und 30er Jahre, unterlegt mit harten elektronischen Beats und Bässen, verwandelte die Garde in einen Retro-Elektro-Club. Schaukelnde Köpfe, dumpfe Handbewegungen nach oben und unten und plötzlich wieder lebhaftes Zappeln. Parov Stelars Musik glich einer Achterbahnfahrt, doch aussteigen musste so schnell niemand.

Gleich drei Bläser hatte der österreichische DJ mitgebracht, der selbst ganz cool mit Zigarette im Mund und einem Handtuch über der Schulter in alter DJ-Tradition mitfeierte und ständig die Arme in den Himmel riss. Trompete, Saxophon und Posaune verschmolzen vor seinen Füßen gemeinsam mit Schlagzeug und Bass, Sängerin Cleo Panther und seinen eigenen Rhythmen zu einer Einheit – dem viel zitierten Elektro-Swing, der einfach jedem bekommt. Besonders eine Kuriosität deutete auf die fesselnde Wirkung der Musik hin. Denn selbst am späteren Abend, als sich die Regenwolken bereits verzogen hatten, vermisste man auffällig die Smartphone-Wand im Publikum, die bei nahezu jedem Konzert der jüngeren Vergangenheit genreübergreifend zu sehen ist. Wahrscheinlich war jeder einzelne Konzertgast zu sehr gefangen im Stelar’schen Tunnel, zu beeindruckt von der Wucht dieser Musik, zu beschäftigt mit dem Tanzen...

Dabei wäre die ein oder andere Filmaufnahme durchaus nachvollziehbar gewesen. Beeindruckende Effekte und Grafiken flitzten über die Leinwände auf der Bühne, abgerundet von einer eleganten Lichtshow. Mal verwandelte sich die Garde dank einer psychedelisch angehauchten Diashow in ein Tollhaus der 20er Jahre, in dem damals schon der Elektro-Swing anwesend gewesen sein musste, mal sorgten starke Farben, Muster und Grafiken für eine niveau- und geschmackvolle Atmosphäre, für die der Elektro-Swing von Parov Stelar nun auch einmal steht.

Niveau- und geschmacksvoll war auch die Darbietung von Cleo Panther. Die Sängerin verlieh der Kombination das nötige internationale Flair, setzte ihren zarten Körper immer wieder gekonnt in Szene und reihte sich mit ihrem erfahrenen und stabilen Gesang nahtlos in das Ensemble starker Musiker an diesem Abend ein. Immer wieder legten sich die Bläser geschmeidig auf die harten Beats, gaben der Musik ihren unverwechselbaren Charme. Das Publikum quittierte das mit frenetischem Applaus zwischen den Titeln und zeigte seine Begeisterung auch während der Darbietungen mit teilweise exzessiven Tanzeinlagen und nach oben gerissenen Armen.

Einziger Wermutstropfen an diesem Abend: Obwohl Parov Stelar mit vielen Titeln der neuen Platte „The Demon Diaries“, so beispielsweise „Clap Your Hands“, das die Garde nur einmal mehr in Ekstase versetzte, daher kam und auch viele bekannte Songs wie „Catgroove“ oder „All Night“ spielte, war schon nach gut 90 Minuten Schluss. Am Ende herrschte dennoch durchweg positive und begeisterte Stimmung, denn der österreichische Elektro-Swing-Meister hatte mit seiner Band sehr ordentlich geliefert und einen perfekten Abend beschert – und das trotz Dauerregens bis 21.30 Uhr.

Von Sebastian Burkhardt

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