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Elbe – Sonderausstellung in der Albrechtsburg und im Kunstverein Meißen e.V.

Fluss im Wandel – Wandel im Fluss Elbe – Sonderausstellung in der Albrechtsburg und im Kunstverein Meißen e.V.

Die Elbe ist seit alters her für ihre Anwohner ein lebenswichtiger Fluss gewesen und prägt bis heute ihr Leben wie keine andere elementare Kraft. Eine Ausstellung von 38 Künstlerinnen und Künstler in der Albrechtsburg Meißen und im Benno-Haus (Kunstverein Meißen e.V.) beschäftigt sich mit dem Fluss und reagiert mit ganz eigenen Antworten auf das Phänomen Elbe.

Jens Küster. Spiegelung. Fahnenstoff montiert, 2016
 

Quelle: Heinz Weißflog

Dresden..  Eine altes griechisches Sprichwort besagt: „Man kann nicht zweimal in denselben Fluss steigen“. „Alles fließt“, panta rhei, philosophierte Heraklit und machte den Fluss zum Gleichnis für ein universales Grundgesetz. Flüsse sind seit jeher Orte der Zivilisation. An ihren Ufern haben die Menschen ihre Städte und Dörfer errichtet. Von ihm leben sie. Auch an der Elbe. Die Elbe ist seit alters her für ihre Anwohner ein lebenswichtiger Fluss gewesen und prägt bis heute ihr Leben wie keine andere elementare Kraft. Wohlstand und Notstand in einem. Eine Ausstellung von 38 Künstlerinnen und Künstler in der Albrechtsburg Meißen und im Benno-Haus (Kunstverein Meißen e.V.) beschäftigt sich mit dem Fluss und reagiert mit ganz eigenen Antworten auf das Phänomen Elbe. Auch und besonders auf den Wandel durch Menschenhand, die zunehmende Industrialisierung und ihre Eingriffe in die Natur. Alle Künstler haben einen biografischen Bezug zum Oberelberaum, leben hier oder in der Nähe und sind mit dem Fluss auf ganz ureigene Weise verbunden.

Der dominante Ausstellungspart in der Albrechtsburg fällt durch seine Übersichtlichkeit und die sparsame Hängung der Bilder und die günstige Anordnung der Objekte auf. So hakt sich jede Arbeit im Gedächtnis fest, weil das Auge nicht überfordert wird. Erfrischend ist auch der Einstieg in die Ausstellung mit Katrin Süss’ hintergründigen Rund-Objekten aus Papier, Klaus Dennhardts großer Leinwand „Flussufer“ (Kreide, 2010) und Ulrike Mundts kleinen Tafelbildern mit Farbfeldmalerei („Signalflaggen“, 2015/16). Gruselig wie angeschwemmte Überreste wirken dagegen die Objekte „fibula“ und „talus“ aus Silikon, Kautschuk und Elchhaar von Manuel Frolik. Gegenüber tritt man vor die beiden Ölbilder von Maria Mednikowa („Elblandschaft im Herbst“, 2014) und Olaf Ambergs „Boote an der Elbe“ (2014), sehr belebende, teils gegenständlich betonte, stimmungsvolle Panoramen vom Elbhang, sowie Ina Abuschenko-Matwejewas Elbe-Impression. Bianca Seidels Objekt „Atoll“ (2014) spielt mit der Inselsituation, einem Konstrukt aus Blech und Glas, in die trockene Äste gelegt wurden. Jörg Mais „Pappeln“ (2014) und Rita Geißlers Dresden Panorama („An der Elbe“) spielen mit atmosphärischen Erscheinungen und Spiegelungen am Ufer des Flusses. Richaaards Acryl-Trio spielt auf die kulinarischen Genüsse entlang der deutsch-böhmischen Grenzregion wie Knödel, Apfelstrudel und Dresdner Christstollen an.

Markus Lange

Markus Lange. Lost. Öl. 2011

Quelle: Heinz Weißflog

Zwei farbige Zeichnungen von Sylvia Pasztor („Elbe im Blick“, 2012) und Maja Nagel „Morgenspaziergang“ (2015) widmen sich auf eher fantastisch-versponnene Weise dem Thema Fluss und Stadt, bei dem Alltag und Poesie keine Gegensätze sind. Das Ölbild „Baake“ (2014) von Matthias Schroller nimmt einen kleinen Landschaftsausschnitt (ein Schifffahrtssignal) in den Focus und vergrößert ihn überdimensional, während Frank Schauseil mit seinem Objekt „Rückenstück“ aus Gips und Styropor Assoziationen an urzeitliche Relikte heraufbeschwört. Christa Donner liebt es eher filigran. Ihre durchbrochenen Porzellane „Reihung“ und „Wintersonne“ (2014/16) entlocken dem Material poetische Stimmungen. An der Treppe zum nächsten Raum befindet sich Antje Krohns Fotografik „Im Nebel an der Elbe“ (2015), eine dunkle Szene von Elbedämmerung mit dem hölzernen Gebälk von Schifffahrtszeichen.

Den Elbbogen hat Petra Kasten in freier, abstrakter Auffassung als Farbschwung ins Visier genommen. Susan Donath präsentiert den „Letzten Stör“ auf einem festlich gedeckten Tisch mit fatalen Kostbarkeiten aus täuschend echt wirkender, bemalter Keramik. Raster und konstruktive Elemente (Tore) konfrontiert Anke Peters in ihrer Acrylarbeit mit Lack und Marker in einer Flusslandschaft („Selbstaktivierung am Fluss I,II“, 2015) Eine poetisches Elbdetail zeigt Christa Jura mit ihrem Aquarell „Elb-Niedrigstand“ von 2014. Mit seinen Farbfeldern aus montiertem Fahnenstoff erzeugt Jens Küster seine „Spiegelung“ (2016) am Fluss. Eher magisch geht es dagegen bei Franziska Kunath zu, die von den „Tränen am Fluss“ (2008) erzählt. In ihrer Reihe „ZEIT-Linien“ stellt die Dresdner Malerin Kerstin Quandt ihre Auseinandersetzung mit dem Fluss der Zeit vor. In ihrer Arbeit „fern-sehen“ sind wie auf einem Zeitstrahl diverse Schichtungen als Ablagerungen aufgetragen, die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in sich tragen. Originell ist Frank Herrmanns sich wellenförmig und periodisch bewegendes kinetisches Objekt „Wasseralbum“ (2003) mit historischen Fotos und Einzeichnungen von mixed media. Gudrun Trendafilov steuerte die Mischtechnik „Alle Wetter“ bei, eine Strandszene mit badender Frau. Elbeansichten beschäftigten Sylvia Frank, Thomas Hellinger, Gabi Keil und Anne Dubbe sowie Markus Lange mit einem Ölbild von einem schönen alten Schiffswrack („Lost“, 2011).

Die lyrisch gestimmten Elblandschaften von Ulla Andersson (Acryl, Kreide) mit auf- und abfahrenden Schiffen geben eine lyrische Einstimmung in die fast stoisch wirkende Ausstellung im Benno Haus. Mari Emily Boley stellte ein klappbares, mehrteiliges Treibholzobjekt aus, das sie „Raureif“ nannte. Hartmut Traches Radierungen auf Kupferdruckpapier vom „Elbland“ (2011) überzeugen durch ihre lineare Dichte und lichte Atmosphäre, während Petra Graupner unter dem Titel „Wasserwege“ eine mythische Figur aus Gips in den Raum gibt, die eine Allegorie auf die Elbe darstellen könnte. Neben den Schwarz-Weiß Fotografien von Luc Saalfeld (er wählte drei Arbeiten aus einem über 100 Blatt starken Konvolut aus seinem Zyklus „Elbspiegelung“ von 1998 aus), die die Loschwitzer Brücke und Nahaufnahmen vom Treibeis zeigen, hat Frank Zadnicek mehrere digital bearbeitete Polaroids über Pillnitz und das „Erbe“ in die Ausstellung gebracht, die sich mit dem Bau der Waldschlösschenbrücke auseinandersetzen. Die abstrakte Kaltnadel „Am Ufer“ (2014) von Sylvia Frank schließt die sehr dichte und stimmige Präsentation ab.

Bis 22. Mai. Albrechtsburg Meißen, Domplatz 1. täglich 10-18 Uhr. Kunstverein Meißen e.V. Am Markt. Di-Fr 11-18 Uhr, Sa 10-15 Uhr. Tel. 03521/362147 07-0.
Finissage mit Lesung am 22. Mai, 11 Uhr auf der Albrechtsburg Meißen mit den Autorinnen Jayne-Ann Igel, Undine Materni (Dresden) und Renate Sattler (Magdeburg).

www.albrechtsburg-meissen.de

Von Heinz Weißflog

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