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EinschaffensreicherZeitgenosse

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"Lieber Krzysztof, ich gratuliere Ihnen zum ersten Konzert. Ich wünsche große schöpferische Erfolge." Als der polnische Komponist Krzysztof Meyer diese Zeilen von Dmitri Schostakowitsch erhielt, war er selbst noch ein Schüler, gerade im Begriff, seine musikalische Laufbahn einzuschlagen.

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Krzysztof Meyer

Quelle: Boehme

Vorbereitet hatte er sich darauf durch intensiven Klavierunterricht, den er bereits mit fünf Jahren begann. Der am 11. August 1943 im polnischen Krakau geborene Künstler studierte später Komposition unter anderem bei Krzysztof Penderecki und konnte seine Ausbildung in den 1960-er Jahren bei Nadja Boulanger in Paris fortsetzen.

Den frühen "Ritterschlag" seines schon beizeiten großen Vorbildes Schostakowitsch erhielt Meyer, nachdem er allen Mut zusammennahm und ein Jugendwerk zur Begutachtung nach Moskau sandte. Auf eine persönliche Antwort hätte er gar nicht zu hoffen gewagt, erinnert er sich. Und doch war damit der Beginn für eine bis heute, 38 Jahre nach Schostakowitschs Tod währende Beziehung zwischen Krzysztof Meyer und dem wohl bedeutendsten russischen Komponisten des 20. Jahrhunderts gelegt. Sie haben sich in der Folgezeit nicht nur rege über ihre Musik ausgetauscht, Meyer hat Schostakowitsch wohl auch zu dessen letztem Werk angeregt und vollendete später die Oper "Die Spieler" nach Nikolai Gogol.

Vor allem aber hat Krzysztof Meyer mit der Biografie "Schostakowitsch - Sein Leben, sein Werk, seine Zeit" (1995, überarbeitete Neuausgabe 2008) in der internationalen Musikwelt für Aufsehen gesorgt und eine genaue Analyse des Schaffens und Wirkens dieses Künstlerkollegen vollzogen. Kein Wunder also, dass der heute im rheinland-pfälzischen Westerwald lebende Jubilar auf Dauer mit seinem Idol in Verbindung gebracht wird. 2010 etwa wurden die ersten Internationalen Schostakowitsch Tage Gohrisch mit einem fundierten Einführungsvortrag Meyers und der Uraufführung seines 13. Streichquartetts op. 113 eröffnet, als Gast blieb er dem Festival weiter verbunden. Ende September steht die Musik von Krzysztof Meyer gar als dritter Schwerpunkt neben der von Schostakowitsch und Benjamin Britten.

Dennoch wäre es grundfalsch, diesen Künstler auf seinen Bezug zu Schostakowitsch zu reduzieren. Denn Krzysztof Meyer hat sich in seinem enorm schaffensreichen Leben einen Namen als herausragender Schöpfer eines eigenständigen Klangkosmos erarbeitet. Begann er in seinen Studentenjahren mit der teils experimentellen Suche nach dem bisher Ungehörten, absolut Neuem, so verknüpfte er später die Moderne bewusst mit der polnischen Tradition. Dies drückt sich in zahlreichen seiner Sinfonien und Konzertstücke aus, insbesondere aber auch in seiner 1970 vollendeten (und 1985 revidierten) Oper "Kyberiade" nach der gleichnamigen Erzählung von Stanislaw Lem. Meyer, der Ende der 80-er auch eine Oper nach Jewgeni Schwarz ("Die verzauberten Brüder") und zehn Jahre später sein Oratorium "Schöpfung" komponierte, schrieb und schreibt aber auch Kammermusik, Solostücke und Vokalwerke, fühlt sich dieser Form von jeher besonders eng verbunden. Zum Ausdruck kommt dies einmal mehr im Herbst in Gohrisch, wenn neben dem Streichquartett op. 89 (das unter dem Eindruck von Skizzen eines unvollendeten Spätwerks von Schostakowitsch entstand) eine weitere Uraufführung erwartet werden darf.

Gemeinhin erklingen die Werke von Krzysztof Meyer in aller Welt, das Dresdner Zentrum für zeitgenössische Musik pflegte schon zeitig einen engen Austausch mit dem Nachbarn aus Polen, der 1987-2008 eine Professur an der Musikhochschule Köln innehatte und die Meisterklasse Komposition leitete. Preise und Ehrungen überall auf der Welt würdigten sein immenses Schaffen, hinter dem der Mensch Krzysztof Meyer stets ein bescheiden geblieben ist.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 10.08.2013

Michael Ernst

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