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Eine neue Giselle und zwei Abschiede beim Semperoper Ballet in Dresden

Eine neue Giselle und zwei Abschiede beim Semperoper Ballet in Dresden

Großer Abend für das Ballett in Dresden. Die Wiederaufnahme von David Dawsons "Giselle" nach Théophile Gaultier, zur Musik von Adolphe Adam und unter der musikalischen Leitung von David Coleman, hat das Flair einer Premiere.

Die Semperoper ist ausverkauft, viele junge Zuschauer, begeisterter Szenenapplaus, Ovationen am Ende.

Dawson verzichtet in seinem Ballett auf so gut wie alle Nebenhandlungen, er holt das tragische Geschehen mit seinem neoklassisch grundierten Stil und seinen Erfahrungen als Tänzer in Frankfurt bei William Forsythe in die Gegenwart. Dennoch verzichtet er nicht auf den romantischen Gestus, den die Musik vorgibt. David Coleman hat eine Fassung erstellt, die dem Original des Komponisten so nahe wie möglich kommt, durch Klarheit und Transparenz überzeugt. Die Sächsische Staatskapelle mit den Solisten Kai Vogler, Violine, und Johanna Kubina, Bratsche, veredelt den Abend.

Einen Temporausch im ersten Akt beim "Hochzeits-Pas de cinq" kann sich der Dirigent leisten, denn mit Tänzern wie Alice Mariani und Jón Vallejo als Brautpaar, Cantelle Kerr, Arika Togawa und Claudio Cangialosi hat er ein Tänzerquintett mit so gewitztem wie gewieftem Charme. Als Giselle gibt Courtney Richardson ihr Debüt, kraftvoll und selbstbewusst, wenn sie sich durch den geliebten Albrecht getäuscht sieht, mit sensiblen Momenten der Zerbrechlichkeit. Fabien Voranger tanzt den Albrecht und bietet großartige Momente, etwa in seinen Soli des zweiten Aktes. Er beherrscht Dawsons Stil der hoch geführten Arme famos, weiß mit den gebrochenen Bewegungen umzugehen im Sinne einer Darstellung innerer Zerbrochenheit.

Es gibt noch eine Steigerung, wenn aus der ursprünglichen Korrespondenz mit der Erscheinung Giselles im Traumbild des zweiten Teiles sich ein Pas de deux der besonderen Art entwickelt, Traum und Wirklichkeit nicht mehr unterscheidbar sind.

Arne Walters Bühne mit dem hellen Halbrund für den ersten und den dunklen, verschwimmenden Begrenzungen unterm schweren Mond im zweiten Teil bieten so etwas wie den schützenden Raum für diesen am Ende so lichtvollen Abend. Zur Uraufführung vor sechs Jahren war Yumiko Takeshima die Giselle, von ihr sind auch die Kostüme dieser Inszenierung. In der Aufführung am 22. April wird sich die aus Asahikawa (Japan) Stammende in dieser Rolle von der Dresdner Bühne verabschieden. Nach ihren Jahren hier befragt, sagt sie, dass diese für sie bedeutend waren, "kreativ, herausfordernd und inspirierend zugleich".

Später übernahm Natalia Sologub die Partie in dem tragisch-romantischen Meisterwerk. Die in Sterlitamak (Baschkortostan, Russland) Geborene wird ebenfalls mit Giselle in der Vorstellung am 17. April von der Semperoper Abschied nehmen. Die Partie ist für Natalia Sologub eine ganz besondere, "Ich bin angetan von der Dramatik der Geschichte, in der etwas zu spüren ist von der Macht der Liebe, die im Stande ist, alles zu vergeben und jedes Hindernis zu überwinden", sagt sie.

Yumiko Takeshima ist glücklich, dass diese Rolle für sie kreiert wurde. Daher beinhalte sie viele persönliche Einflüsse. "Ich muss Giselle nicht spielen, eigentlich tanze ich mich selbst." Künftig werden beide Tänzerinnen andere Schwerpunkte setzen, aber an eine Abkehr vom Tanz, vom Ballett, von der Bühne ist nicht zu denken. Dazu Natalia Sologub: "Meinen Schwerpunkt möchte ich auf das Unterrichten legen und mein Wissen an die kommende Generation weitergeben, jedoch gab es auch schon Angebote für eine Rückkehr auf die Bühne." Yumiko Takeshima wird in ihrer Heimat Japan als Jurorin bei Ballettwettbewerben tätig sein und Workshops leiten.

"Ich werde mich vorwiegend auf meine Tanzbekleidungslinie ,Yumiko' konzentrieren und freue mich schon darauf, viele neue Designs vorzustellen", sagt die Japanerin. "Zudem sind schon spannende Projekte im Bereich des Kostümdesigns in Planung, unter anderem auch gemeinsam mit David Dawson." Und nicht zu vergessen, das fügt sie hinzu: "Mein wichtigster Job ist es, Mutter zu sein."

Wie zur Dresdner Uraufführung ist Raphaël Coumes-Marquet als Albrecht der Partner von Yumiko Takeshima bei ihrem Abschied; bei Natalia Sologub wird es Jirí Bubenícek sein.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 11.04.2014

Boris Gruhl

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