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Eine für viele(s): Eleni Mandell spielte im kuscheligen Beatpol in Dresden

Eine für viele(s): Eleni Mandell spielte im kuscheligen Beatpol in Dresden

Man hört zunehmend von griechischen Verhältnissen in der Unterhaltungsmusikbranche. Fürs Studio werden die letzten "Drachmen" zusammengekratzt, für eine Tourband reicht es aber nicht in jedem Falle.

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Eleni Mandell hat jene großartige Rampenpräsenz, der man nicht ausweichen kann.

Quelle: Dietrich Flechtner

Auch Eleni Mandell, so war zu vernehmen, musste schweren Herzens ihrer angestammten Männertruppe um Fitzgerald/Feves/Grange kündigen. Auch, dass ausgerechnet im bissigen europäischen Winter gereist wird, dürfte für die sonnenverwöhnte Kalifornierin kein Zufall, sondern Notlösung sein.

Egal, oder wie der gemeine Ami sagt, anyway: Für die Stammgäste im Beatpol, die, als er noch Star Club hieß, Eleni Mandell schon drei Mal begrüßen konnten, war dieser Umstand überhaupt kein Problem. Im Gegenteil. Dass sich die jetzt 42-Jährige im Bandkontext ohne jegliches Problem behaupten kann, dass sie Folk und Country hin zum Rock'n'Roll authentisch dehnt und zieht und treibt, gehört zu den nachhaltigen Erinnerungen an die Konzerte. Und natürlich waren sie damit den Platten näher, wenngleich sich Überraschungen in Grenzen hielten.

Die erste Überraschung erlebte diesmal aber schon Beatpol-Bucher Carsten Becker, als er vorab die "technischen Anforderungen" bekam: Zwei Frauen, zwei Kinder wären zu versorgen, zwei Barhocker auf der Bühne würden reichen. Eleni Mandell kam mit Kollegin Sylvie Lewis, einer in Rom lebenden Britin, die - nach eigenen Aussagen - von ihrem Psychotherapeuten auf Eleni gestoßen wurde, besser, auf ihre Platten. Vor fünf Jahren sei das gewesen. Ein echtes Miteinander auf der Bühne, das sich demgemäß anfühlt, hat es trotzdem nicht gegeben. Für drei, vier Stücke sang die Lewis zweite Stimme, bei "Magic Summertime" ging es sogar gut, beim Rest eher weniger. Lewis hat einfach zu wenig Bühnenpräsenz, ihre eigenen Songs, die sie im Vorprogramm vorstellte, sind viel zu brav, zu passiv, als dass man sie und ihre Interpretin in Erinnerung behalten könnte. Hier reichen Stimme und Akustikgitarre einfach nicht. Die Storys zwischendrin aber, die waren nett. Besonders der Dank ans reichlich gekommene Publikum für dessen "unbelievable" Ruhe während der Darbietung. In Italien gehe das gar nicht, die Italiener wären immer am Brabbeln. Woraufhin zwei Damen dicht am Mixer ins Diskutieren kamen, so seien sie eben, die Italiener, das hätten sie auch schon oft erlebt, damals in Milano, weißt du noch. Sie sagten sich das frech und laut, während das nächste leise Lied der Lewis längst lief -

Ansonsten war die auf Stühlen und an Bartischen platzierte Besucherschar zwar seltsam durchmischt - Männer gingen schnurstracks aufs Frauenklo, weil sie das erste Mal im Beatpol waren -, aber es ist ja grundsätzlich egal, wie und von wem man auf die wunderbare Eleni Mandell gestoßen wurde. Hier in Europa schätzt man diese umfassenden Künstlerpersönlichkeiten, die es in den USA eher schwer haben, sehr. Die Mandell ist viel zu sperrig, als dass sie sich von irgendwem auf Passung biegen ließe. Sie biegt selbst, hat sich selbst im Griff (auch, dass sie jetzt ohne feste Beziehung Mutter geworden ist und ihr Ex nicht der Kindsvater, sondern nur der Babysitter). Eine akustische Gitarre reicht ihr, denn die Songs aus Vergangenheit und Gegenwart sind stark genug, ihr angenehmer Alt ist fest und sicher, wandelbar und meistert ohne Anstrengung das Material, das sich auch solo nie nur im engen Folk-Zirkel bewegt. Wäre sie ein Mann, würde man sie "Crooner" nennen, denn mit und in ihr erstehen für geblitzte Momente ganze Heerscharen traditioneller Sängerinnen auf, die Jazz, Latin, Balladen, Country, Pop, Rock'n'Roll beherrschten. Nichts von alledem ist ausgestellt, alles fließt unangestrengt ineinander und formt sich zu einem zwingenden Personalstil. Eleni Mandell hat jene großartige Rampenpräsenz, der man nicht ausweichen kann. Für "Artificial Fire" zieht sie einfach an, um dem Druck des elektrischen Originals auch akustisch beizukommen, "Afternoon" behält seinen koketten Charme, "Salt Truck" ruht wie ihr Kind im nahen Hotel.

Eleni Mandell, so viel scheint noch einmal sicherer denn je, ist eine für viele(s) und damit alles andere als ihr eigener Gemischtwarenladen. Es hat mit Größe zu tun. Und Wahrhaftigkeit.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 21.01.2013

Andreas Körner

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