Volltextsuche über das Angebot:

21 ° / 11 ° wolkig

Navigation:
Google+
Eine Kupferhaube für die Hofkirche Dresden

Eine Kupferhaube für die Hofkirche Dresden

Es ist brütend heiß auf dem Dach der Hofkirche. Mit gebeugtem Rücken steht Ulf Walter über zwei frisch verlegten Kupferplatten, die er mit der Falzzange so bearbeitet, dass sie aneinander haften.

Voriger Artikel
"Krieg hat immer kriminelle Energie" - Günter Baby Sommers "Songs for Kommeno"
Nächster Artikel
Marcel Beyer las in Meißen aus seinem Essayband "Putins Briefkasten"

Die wahrscheinlich schönste Baustelle Dresdens: Auf der Hofkirche verlegen Ulf Walter (vorn) und Enrico Börner ein neues Kupferdach. Die 270 000 Euro teure Reparatur war nötig geworden, weil die alte Abdeckung rissig geworden war, was im vergangenen Jahr zu einem Wasserschaden geführt hatte.

Quelle: Dietrich Flechtner

Von Uwe Hofmann

Die Sonne spiegelt sich in dem blanken Kupfer, so dass das Thermometer schnell 50 Grad und mehr anzeigt. "Da muss man halt viel trinken", sagt der 40-jährige Dachklempner achselzuckend. Er weiß, dass er mutmaßlich auf der schönsten Baustelle Dresdens steht.

Allerdings ist vom Fuß der Kirche wenig von der Aktivität in 24 Metern Höhe zu sehen. Bei der 270 000 Euro teuren Sanierung geht es vor allem um die tiefer liegenden Dachbereiche, die anders als das mit Blei gedeckte Stufendach von außen weniger einzusehen sind. Wichtig sind die Arbeiten dennoch. Denn das neue Kupferblech erstreckt sich genau über den Dachteil, durch den im Winter 2010/11 Wasser eindrang. Eine Steinrosette war damals durch den Wasserschaden im Kircheninneren ins Rutschen gekommen, leicht hätten Menschen zu Schaden kommen können, erinnert sich Norbert Seidel. Der Bauleiter ist beim "Sächsischen Immobilienmanagement" (SIB) für die Brühlsche Terrasse, das Albertinum und die Hofkirche zuständig. Der 50-Jährige hat im Vorjahr auch die kurzfristige Schadensbeseitigung dirigiert. So wurden damals alle Rosetten neu verdübelt und eine Heizung in die Dachrinne verlegt. Auf diese Weise soll verhindert werden, dass erneut der Regenablauf einfriert und sich Tauwasser in der Dachkehle sammelt.

Dort ist die Dachhaut zerschlissen, wie eine anschließende Untersuchung ergab. "Man sieht es meist nicht, aber besonders an den Falzen gibt es überall kleine Risse", sagt Dachklempner Walter. Das habe mit dem Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg zu tun, wie Bauleiter Seidel sagt. "Wie das damals so war", haben die Arbeiter dafür genommen, was sie kriegen konnten. So ist das Dach teils aus Ziegeln, teils aus Beton aufgebaut. Die schützenden Kupferplatten wurden wiederverwertet, stammen vermutlich vom Erlwein-Speicher. Das erklärt ihre geringe Lebensdauer von 50 Jahren. 150 sind eigentlich üblich.

Schon 1993/94 wurde ein etwa 900 Quadratmeter großer Teil des Kupferdachs ausgetauscht. "Das hat damals mein vor acht Jahren verstorbener Vater gemacht, deshalb bedeutet mir dieser Auftrag so viel", sagt Matthias Mühlhaus, der die gleichnamige Firma leitet. "Hier kann ich die Arbeit meines Vaters zu Ende führen", ergänzt der 31-Jährige. Insgesamt etwa zehn Tonnen Kupfer werden seine Leute auf etwa 1500 Quadratmetern verlegen. Besonders in der Dachkehle muss dabei häufig zur Blechschere gegriffen werden, um die vorgefertigten 52 Zentimeter breiten Metallteile in die passende Form zu bringen. Da Mühlhaus mit 0,7 Millimeter dickem Blech sehr starkes Material gewählt hat, ist diese Arbeit besonders mühsam. Am Ende wird in der Dachkehle alles verschweißt, damit Regenwasser künftig nirgendwo eindringen kann.

Im Oktober sollen die Arbeiten fertig sein. Für den seit 1999 für die Hofkirche zuständigen Bauleiter ist damit so langsam das Ende der Sanierungsarbeiten an dem Barockbau in Sicht. "Im nächsten Jahr müssen wir noch im Seitenschiff und den Kapellen die Fenster mit Isolierglas bestücken", sagt er. Dann sei eigentlich alles getan. "Natürlich müssen wir regelmäßig die 78 Figuren und das Mauerwerk kontrollieren", ergänzt er. So ganz zur Ruhe kommen wird die Kirche aus dem 18. Jahrhundert wohl nicht. So werden im September Bauleute mit Bergsteigerausrüstung den Kirchturm überprüfen. Das dürfte dann weithin sichtbar sein.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 15.08.2012

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr