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Eine Frage der Farbe - Deutsche Erstaufführung von David Mamets "Race" im Kleinen Haus

Eine Frage der Farbe - Deutsche Erstaufführung von David Mamets "Race" im Kleinen Haus

Die erste Begegnung der Dresdner Theatergänger mit dem amerikanischen Autor David Mamet datiert aus dem Jahr 1994. Irmgard Lange inszenierte "Oleanna", die gezielte Attacke einer Studentin auf ihren Professor mit der in den USA schnellen Erfolg versprechenden Waffe des Vorwurfs sexueller Belästigung.

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Ein Anwaltskampf der besonderen Art: Larissa Aimée Breidbach, Tom Quaas, Falilou Seck und Fabian Gerhardt (v.l.).

Quelle: Matthias Horn

Wenn morgen Mamets jüngstes Stück "Race" seine deutsche Erstaufführung im Kleinen Haus des Staatsschauspiels erleben wird, kommt zu einer angeblichen Vergewaltigung noch der Konflikt zwischen Weißen und Schwarzafrikanern hinzu. Und im Hintergrund lauert sogar die soziale Frage, denn das Portemonnaie von Charles, der eine ihm längst vertraute junge Afrikanerin vergewaltigt haben soll, gilt als unerschöpflich.

Was vor 18 Jahren noch neu und amerikanisch durchgeknallt erschien, ist mit den Hypersensibilitäten politischer und sexueller Korrektheit längst auch bei uns angekommen. "Da hinken wir nur einige Jahre den Amerikanern hinterher", sagt Regisseur Burkhard C. Kosminski. Der Schauspieldirektor des Nationaltheaters Mannheim kann als der kompetenteste Mann für eine solche Regieaufgabe gelten. Er hat sein Handwerk in New York gelernt, kennt die Sprache Mamets wie auch die Eigenheiten des US-amerikanischen Justizsystems. Das hat viel mit Entertainment zu tun, Court TV zum Beispiel überträgt Verhandlungen im Fernsehen. "Egal, was passiert ist, aber die Partei gewinnt, die die bessere Show abzieht", sagt Kosminski. Es gehe um den Sieg, nicht um die Wahrheit, formuliert Autor Mamet selbst.

Zu welchen Absurditäten solche Einstellungen führen und wie sie tatsächlichen Opfern sexueller Über- griffe eher schaden, hat der Prozess gegen den ehemaligen IWF-Chef Strauss-Kahn in New York gezeigt. Und Regisseur Kosminski hat in Mannheim das Verfahren gegen den Wetterpropheten Jörg Kachelmann sozusagen vor der Haustür erlebt. Auch deshalb sei der Text hochaktuell, sagt er.

Der nach wie vor latente Rassismus in den USA findet auch bei uns seine Entsprechung. Mamet, den Kosminski für einen brillanten Zyniker hält, kehrt allerdings wie schon in "Oleanna" die Perspektive um. Der "historische Kalender" wirke sich aus, anders als vor 50 Jahren gelte nun das Prinzip "Schuldig, weil weiß". Susan, die junge schwarze Assistenzanwältin einer Kanzlei, geht nach dieser Vorverurteilung konsequent und intrigant gegen den eigenen Mandanten vor. Wer die Vorgänge am Rande der Prozesse um den Feuertod des Afrikaners Oury Jalloh in einer Dessauer Polizeizelle verfolgt, wird auch bei uns Parallelen entdecken. Von Anfang an unterstellten afrikanische Organisationen eine Mordabsicht.

Ein "Spiel mit Vorurteilen" nennt Regisseur Burkhard C. Kosminski Mamets "Race" und spricht von einem "bösen guten Stück". Typisch für das kommerziell orientierte amerikanische Theater seien in sich sehr gut funktionierende Stücke, herausragend dabei der "Wirkungsmechaniker" David Mamet. Den könne man auch nicht sentimental auf die Bühne bringen.

Entsprechend temporeich, ironisch gebrochen und offen in Richtung Zuschauerraum gehe es zu, verrät der Regisseur schon vorab. Die beiden farbigen Rollen sind auch mit farbigen Schauspielern besetzt, ein Blackfacing gehe bei diesem Thema schon gar nicht. Kosminski inszeniert nach der "Möwe" und "Des Teufels General" zum dritten Mal in Dresden, spricht von einem "sehr aufgeklärten Publikum" und ist dennoch sehr gespannt auf die Reaktionen in einer Stadt, deren geringer Ausländeranteil ihm erneut auffällt. Wie das Stück zur persönlichen Positionierung heraus-fordere, habe eine Voraufführung vor allem bei jungen Besuchern gezeigt.

Michael Bartsch

Premiere: morgen, 19.30 Uhr, Kleines Haus

www.staatsschauspiel-dresden.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 16.03.2012

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