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Eine Ausstellung zum 70. Geburtstag von Reinhold Herrmann im Kulturrathaus Dresden

Eine Ausstellung zum 70. Geburtstag von Reinhold Herrmann im Kulturrathaus Dresden

Im Zentrum der gegenwärtigen Ausstellung von Reinhold Herrmann im Kunstfoyer des Kulturrathauses steht die Musik von Gustav Mahler - unter dem Titel "Und Welt und Traum", der wie ein Credo oder Lebensprogramm das Schaffen des Wachwitzer Künstlers umschreibt.

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Reinhold Herrmann: "Abschied". Collage.Repro: Heinz Weißflog

Am 1. November begeht er seinen 70. Geburtstag. In einem Ölbild offenbart Herrmann seine Lebens-und Kunsthaltung: Sie zeigt ihn in demütiger Pose beim Malen vor seiner Muse (auf dem Kopf eine Kaffeekanne balancierend) und einem spielenden Kind mit einem chinesischen Reisstrohhut. Diese kleine melodische Szene folgt einer Chinoiserie auf den Wandkehlen des Pillnitzer Schlosses, die Herrmann in den vergangenen Jahren restaurierte. Sein Schaffen ist ausgespannt zwischen Nähe und Ferne, Fremde und Vertrautheit, Heimat und Welt, Tradition und Moderne. Sein Wirkkreis bewegt sich zwischen intensiven Reisen, dem Restaurieren und der Arbeit im Atelier, das wie ein Schwalbennest am Wachwitzer Hang klebt.

Im Jahr 1962 begann Reinhold Herrmann seine künstlerische Arbeit. Der gelernte Elektroinstallateur, Elektriker und Formenbauer entwickelte früh eine starke Neigung zur Kunst und beschäftigte sich bereits ab 1975 intensiv mit dem Holzschnitt. Diese Technik bot den Einstieg in eine kontinuierliche künstlerische Entwicklung durch Selbstunterricht und bei gutem Erfahrungsaustausch mit guten Freunden. Zwei große Themenkomplexe bilden den Kern dieser Ausstellung: Das sind die 2005 in einer Mappe von vier Radierungen zusammengefassten Interpretationen von Gustav Mahlers vertonten, zum Teil selbst verfassten Gedichten unter dem Titel "Lieder eines fahrenden Gesellen". Den zweiten Teil bildet die aus sechs Collagen bestehende Mappe zum "Lied von der Erde", das 2012 nach über 100 Jahren seiner Uraufführung von Reinhold Hermann ins Bild gesetzt wurde. Im "Mahler-Jahr" 2011 machte sich Herrmann mit dem Komponisten und seinem Werk vertraut. Nach einer chinesischen Vorlage aus dem 8. Jahrhundert (von Li Tai Bo, nimmt man an) entstand ein Text, den Mahler ergänzte und schließlich 1910 vertonte. Die aus sechs Liedern bestehende letzte Sinfonie Mahlers (ein spätromantisches Werk) basiert auf dem im 19. Jahrhundert allgemein in Europa bekannten, weit verbreiteten Urtext, "Die chinesische Flöte", als Bestseller von Hans Bethge ins Deutsche übertragen. Die Liedinterpretationen von Reinhold Herrmann sind kongenial, mit großer Einfühlung geformt und schwingen im Rhythmus der Musik.

Der Künstler favorisiert die Collage als eigenständige Technik, aber auch als Schaltstelle zwischen Grafik und Malerei. Der in Perioden Schaffende arbeitet, ohne zuerst eine genaue Vorstellung vom Ergebnis zu haben, bis sich eine stimmige Komposition ergibt. Oft fällt ihm während der Arbeit oder danach ein skurriler Titel ein, eine Liedzeile, ein Vers, eine philosophische Sentenz, die dem Bild eine neue Bedeutungsebene hinzufügen. Zeitungspapier, auf dem der Pinsel abgestrichen oder die Druckfarbe ausgewalzt wurde, dient ihm als Bildträger. Darauf erscheinen Versatzstücke von Holzschnittresten oder Radierungen, die er zu Akt, Mond, Booten oder Kopf zurechtschneidet und Texte von privaten Papieren und Teilen von Zeitschriftabbildungen oder aus Journalen integriert. Dazu kommen malerische Akzente.

Reinhold Herrmann ist jedes Jahr auf ausgiebigen Reisen unterwegs. Ölbilder, Collagen und Holzschnitte erzählen davon. Im Jahr 2003 war er in Australien bei den Aborigines, 2007 segelte er auf einem Boot nach Rhodos und umschiffte die Kykladen. Syrien, Jordanien und Ägypten besuchte er auf einer Rundreise 2009. In Palmyra, Aleppo, Amman, Akkaba und Kairo erlebte er den Orient. Im Jahr 2010 brach er zu einer Bergreise nach Kirgistan auf, wo er zusammen mit den Nomaden in den Bergen lebte und weite Strecken auf dem Rücken eines Pferdes zurücklegte. Viele Eindrücke sind auch in Ölbildern festgehalten, die sich in dieser Ausstellung befinden.

Reinhold Herrmann ist ein Meister der Bildpoesie. Bereits mit seinen Holzschnitten zu Franz Schuberts "Winterreise" mit jeweils 24 Blättern hat er in Dresden mit einigen Ausstellungen auf sich aufmerksam gemacht. Die große einfühlende Nähe zur Musik und die perfekte Beherrschung der künstlerischen Mittel sind frappierend. Jedes Blatt atmet durch seine sehr sinnliche Auffassung von Farbe und Form wie ein lebendiger Organismus. Zur Todesmelancholie Schuberts ist die Kraft der Natur bei Mahler gekommen, die sich besonders in den "Liedern eines fahrenden Gesellen" als mögliche Erlösung der liebestrunkenen Seele erweist. Selbst immer als Wanderer und Naturfreund unterwegs, schätzt Reinhold Hermann das Leben in der freien Natur und die Schönheit des Elbhangs. Aus dem kleinen Atelier bahnt sich der Blick in die blaue Ferne nach dem Sehnsuchtsland Welt. Im kleinen Garten am Hang aber steht immer noch die Zeit still, sind Ahnung und Gegenwart. "Unter dem Lindenbaum der hat/seine Blumen über mich geschneit/da wusst ich nicht, wie das Leben tut/war alles, ach alles wieder gut!/Alles, alles Lieb und Leid!/Und Welt und Traum!"

bis 19. Oktober. Kunstfoyer im Kulturrathaus, Königstraße 15, geöffnet: Mo-Do 9-18, Fr 9-17 Uhr, Kontakt: Tel. 0351/4888933

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 09.10.2012

Heinz Weißflog

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