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Eine Ausstellung zeigt Pöppelmanns Pläne für eine Dresdner Residenz ähnlich Versailles oder Schönbrunn

Eine Ausstellung zeigt Pöppelmanns Pläne für eine Dresdner Residenz ähnlich Versailles oder Schönbrunn

Der Clou war schon vor gut zwei Monaten zu sehen: ein Blick über den Zwinger in 3D, gezeigt im Ufa-Palast auf großer Leinwand. Dieser Blick umfasste aber weit mehr als das, was zahllose Touristen täglich beim Gang durch Sachsens bekanntestes Bauwerk geboten bekommen.

Der Film stellt, nach jahrelanger Recherche, das Gebaute den unvollendeten Plänen gegenüber, die August der Starke mit dem Areal hatte. Der Sachsenfürst und Polenkönig wollte nämlich das ganz große Rad drehen, sich auch in der Ausdehnung herrschaftlicher Prunkbauten mit den führenden europäischen Höfen messen. Oder wie es der Architekturhistoriker Peter Heinrich Jahn ausdrückt: "Es ging in Dresden um die Planung eines Residenzschlosses à la Versailles oder Schönbrunn. Der Zwinger wäre davon nur ein kleiner Teil gewesen."

Eben jenen hochfliegenden, wenn auch nie umgesetzten Visionen widmet sich ab morgen die Ausstellung "Pöppelmann 3D" im Buchmuseum der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek (SLUB). Denn der Hofbaumeister Matthäus Daniel Pöppelmann war im beginnenden 18. Jahrhundert der erste Ausführende der königlichen Vorhaben.

Wären die gezeigten Pläne Realität geworden, hätte das, was heute als barockes Herz Dresdens gilt, ein gänzlich anderes Gesicht. Das beweist unter anderem eine gezeichnete Draufsicht des Areals. Semperoper, Theaterplatz, Landtag, Theaterwerkstätten - über dieses Gebiet hätte sich das erstreckt, was sich August als Schloss- und Parkanlage für seine Residenzstadt gewünscht hatte. Kein Wunder also, dass dieser dreidimensionale Hingucker nicht nur Namensgeber, sondern zweifellos auch Dreh- und Angelpunkt der bis Anfang September laufenden Ausstellung ist. Sie beinhaltet zudem Radierungen und Zeichnungen auch von Pöppelmann selbst sowie Duplikate seiner rund 80 Bücher umfassenden Privatbibliothek. "Die Originale sind in alle Winde zerstreut", sagt Kurator Jahn. Dass der Baumeister eher wenig Bücher besaß - der Gelehrte Ehrenfried Walther von Tschirnhaus soll beispielsweise rund 1350 gehabt haben -, ist für die Experten aber kaum verwunderlich. "Pöppelmann hatte unter anderem Zugang zur kurfürstlichen Bibliothek", erzählt Jahn. Das habe die Notwendigkeit aufgehoben, selbst eine umfangreiche Privatbücherei zu führen.

Doch zurück zum 3D-Zwinger: Aus 35 möglichen Planungszuständen, die sich auf umfangreiches Quellenstu-dium stützen, seien 14 "signifikant rekonstruiert" worden, wie Dirk Welich, stellvertretender Referatsleiter Museen bei den Staatlichen Schlössern, Burgen und Gärten Sachsen, formuliert. In einem etwa zehnminütigen Film können die Besucher gleich zu Beginn der Ausstellung diese Pla-nungen rund um den Zwinger bewundern - oder wahlweise auch den Kopf schütteln. Denn ein wenig erinnert das Ganze hier und da auch an Größenwahn.

Erst mit dem Tod des legendären August des Starken 1733 seien auch die umfangreichen Um- und Neubaupläne gestorben, resümiert Jahn. Aus heutiger Sicht lässt sich darüber streiten, woher der Herrscher dafür das Geld nehmen wollte, angesichts fehlenden Feldherrenglücks und logisch folgender Reparationen. "Aber so hat er einfach nicht gedacht", lautet das Fazit von Christian Striefler, Geschäftsführer des Schlösserlandes Sachsen. August habe einfach groß geplant und dann gehofft, das Geld schon irgendwie aufzutreiben. "So planen Genies", meint SLUB-Generaldirektor Thomas Bürger. Die Geschichte ist manchmal gnädig. Wer heute Ähnliches vorhätte, müsste sich Verantwortungslosigkeit vorwerfen lassen. Oder einen Rettungsschirm aufspannen.

iAusstellung "Pöppelmann 3D", Eröffnung morgen, 19 Uhr, Vortragssaal SLUB, bis 1. September im Buchmuseum, geöffnet täglich 10-18 Uhr

www.slub-dresden.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 15.05.2013

Torsten Klaus

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