Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 7 ° Regenschauer

Navigation:
Google+
Einblicke in Künstlerreiche: etwa 3000 bis 4000 Besucher beim 14. Tag des offenen Ateliers in Dresden

Einblicke in Künstlerreiche: etwa 3000 bis 4000 Besucher beim 14. Tag des offenen Ateliers in Dresden

Ein Tälchen, an seinen Hängen dichter Wald. Buntes Laub hängt an den alten Bäumen. Mächtige Stämme pflanzen sich nach oben bis in die kleinste Verästelung fort.

Der herbstliche Tharandter Wald, wie man ihn kennt. Genau so konnten Interessierte ihn gestern auch mitten in der Johannstadt betrachten - an einer Wand im Ausstellungsraum des Dresdner Architektur- und Landschaftsfotografen Johannes Berger in der Schokoladenfabrik. Dort und andernorts in der Landeshauptstadt luden an die 80 Künstler in ihre Werkstätten. Viele Kunstfreunde nutzten die Gelegenheit, sahen sich in den Räumlichkeiten um, ließen die Plastiken und Bilder auf sich wirken und atmeten den Geruch von Farbe, Holz und allen möglichen Arbeitsmaterialien.

Auch ohne nach Holz zu riechen, ist Bergers großformatiges Waldfoto faszinierend. Denn es besticht durch seine Schärfe. Selbst dünne Zweige sind detailliert erkennbar. Der Trick: Das Bild besteht aus rund 300 Einzelfotos. "Damit sie sich zusammenfügen lassen, arbeite ich mit einem Nodalpunktadapter", verrät Berger. So lässt sich die Kamera auf dem Stativ auf einer Achse drehen, die durch die Eintrittslinse führt; Verzerrungen an den Bildgrenzen bleiben aus. Die Aufnahmezeit für die vielen Einzelbilder braucht rund eine Stunde, die Nachbearbeitung dauert drei Tage. Die Resultate können sich sehen lassen, befanden die Besucher in Bergers Atelier.

Ein Stockwerk tiefer empfing Katharina Probst die Kunstfreunde in ihrem Atelier. Auch dort fällt ein Baum ins Auge. Hinter seinen kahlen Zweigen spielte die Malerin mit verschiedenen Blautönen. "Genau so habe ich das auch gesehen", erzählt sie. Daneben ein Ölgemälde eines Pesterwitzer Gartens und Porträts von Kindern, eines davon unter dem Titel "Erinnerung" ganz in Grau. "Das ist eine Grisaille, eine sehr alte Maltechnik", erklärt Probst. Das Mädchen mit den Zöpfen, das sie darauf anlacht, ist ihre Mutter. Ein zentrales Thema in den Werken von Katharina Probst ist der Kreislauf der Lebenszeit. Gleich nebenan, bei Anke Ewers, sind Zeichnungen, Malerei und Objekte zu sehen. Ein rot-blaues Gesicht scheint etwas unzufrieden auf einige Modelle von Händen und Füßen aus Gips zu schauen. Doch trotz der kritischen Blicke: Die Ateliers in der Schokoladenfabrik Johannstadt waren gut besucht.

"Heute waren viele Leute da, ich bin zufrieden. Ist ja auch schnell voll hier", sagt auch Eva Backofen in ihrem kleinen Atelier An der Schleife im Industriegelände. Ihr Reich liegt in einem lichtdurchfluteten Nebenraum einer alten Industriehalle, die einem mit historischen Baustoffen arbeitenden Handwerker als Lager dient. Mit dicken Holzbalken hat der auch eine Zwischendecke eingezogen. "Früher wurden hier drin Autobusse lackiert", erzählt sie. Spuren davon kann man an manchen Stellen noch sehen. Oben lagern weit ausladende Skulpturen, aber auch ein Löwenkopf und weitere eigens gefertigte Gipsmodelle für die Figuren eines Bronzebrunnens am Lingnerschloss. Unten konnten Besucher Einblick nehmen in Skizzen, die Eva Backofen auf Reisen gefertigt hat und nach deren Vorlage sie Reliefs erstellt. Mittendrin zwischen ihren Gästen stehen einige "Wolken", eine davon braun mit dunklem Überzug, wie eine Schokowolke. In einer anderen Wolke stecken Teile einer Eisenbewehrung, die Eva Backofen an den benachbarten Bahngleisen gefunden hat.

Ebenfalls Fundstücke zu Kunst verarbeitet hat Alexandra Wegbahn, die mit vier weiteren Künstlerinnen ein Atelier in einem Haus an der Grimmaischen Straße, ganz im Norden Pieschens. "Nach dem Hochwasser 2002 haben viele Leute alte Dias weggeworfen, die sie in überfluteten Kellern gelagert hatten", erinnert sie sich. Sie machte daraus bunte Bilder, auf denen man aber die vom Wasser verursachten Schäden in Form kleiner Risse und Muster erkennen kann. "Bei uns war durchweg gutes Begängnis, das hätte ich nicht gedacht", freut sich Wegbahn.

Deutlich anders fiel das Fazit des Künstlerbundes Dresden aus, der die Gesamtbesucherzahl auf 3000 bis 4000 schätzte - "deutlich weniger im Vergleich zum Vorjahr", bilanzierte Stefanie Wahrenberg. Als einen Grund führte sie das eingeschränkte Werbebudget an, weshalb es diesmal kein Faltblatt mit Stadtplan zur Orientierung gab. Dennoch wertete sie die gestrige 14. Auflage des Tages des offenen Ateliers als Erfolg.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 19.11.2012

Stefan Schramm

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr