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Einauge im Zweikampf: Vertontes Heldenepos hat in Dresden Premiere

Einauge im Zweikampf: Vertontes Heldenepos hat in Dresden Premiere

Die Story ist an Dramatik kaum zu überbieten: Ein Hirte vom Volk der Oghusen in Zentralasien vergewaltigt eine Nymphe, die daraufhin ein einäugiges Kind zur Welt bringt.

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Die Oghusisch-türkische Handschrift "Kitab-i Dede Korkut" auf Papier aus dem 16. Jahrhundert in der Schatzkammer der Sächsischen Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek (SLUB) in Dresden

Quelle: dpa

Ein Ritter erzieht den verfluchten Balg gemeinsam mit seinem Sohn Bassat. Aber Tepegöz - so der Name des Zyklopen - lässt sich nicht erziehen und wird in die Steppe gejagt. Der Ausgestoßene entwickelt einen ungesunden Appetit und sich selbst zu einer Gefahr für die Oghusen. Täglich lässt er sich zwei Menschen und 500 Schafe braten. Schließlich wird Einauge mit List von Bassat geblendet. Am Ende erfährt Tepegöz, dass er von der Hand seines Bruders sterben wird.

Die Geschichte, vom weisen Lautenspieler Dede Korkut aufgeschrieben, erinnert an den Kampf des Odysseus mit dem Zyklopen. In Zentralasien genießen die Erzählungen des Dede Korkut einen Stellenwert wie hierzulande das Nibelungenlied. Seit dem 15. Jahrhundert wird der Stoff mündlich überliefert. In Dresden, in der Sächsischen Landesbibliothek, lagert eine von zwei erhaltenen Abschriften der Heldenerzählungen. Die andere befindet sich im Vatikan, ist aber im Gegensatz zur Dresdner weder so alt noch vollständig.

Dass die Dresdner Abschrift entdeckt wurde, ist dem ehemalige preußischen Gesandten am Hof von Istanbul, Heinrich Friedrich von Diez, zu verdanken. Er stieß 1814 auf die Handschrift aus dem 16. Jahrhundert. Im zweiten Buch seiner „Denkwürdigkeiten von Asien“ berichtete er von dem Fund. Der Orientalist übersetzte die achte von zwölf darin überlieferten Erzählungen, in der von einen Riesen mit einem „Auge am Scheitel“ die Rede ist. Diez war überzeugt, mit der Sage von Tepegöz auf Ursprünge des Zyklopenmythos‘ gestoßen zu sein. Die Sächsische Landesbibliothek hat die Handschrift, die zur Zeit im Buchmuseum des Hauses zu bewundern ist, vor fünfzehn Jahren im Zuge des „Dede-Korkut-Jahres“ der Unesco digitalisiert und ins Internet gestellt. Jetzt liefert die „Kunde von Tepegöz“ den Stoff für ein Musiktheater.

Komponist Marc Sinan hat dafür Videos zentralasiatischer Musiker, die er gemeinsam mit dem Musiker Markus Rindt auf Reisen durch Aserbaidschan, Usbekistan und Kasachstan drehte, in eine zeitgenössische musikalische Hülle eingebettet. Rindt, Chef der Dresdner Sinfoniker, besitzt genau wie Sinan ein Faible für diese Region. Beide lieferten 2010 mit „Hasretim - eine anatolische Reise“ bereits ein tönendes Zeugnis dafür. Die Produktion erhielt 2011 den Unesco-Preis „Welthorizont“.

„Dede Korkut“ wird von Rindt nun als „Gesamtwerk aus Musik, Bild, Text, Körper und Stimme“ angekündigt. „Oghusische Erzähltradition verbindet sich mit Mitteln modernen Theaters, traditionelle Musik mit zeitgenössischer Komposition und lässt so den mittelalterlichen Stoff mit der Gegenwart in Dialog treten“, sagt Rindt und hat noch eine Überraschung parat. Die aus Zentralasien angereisten Musiker, die im Ensemble der international besetzten Dresdner Sinfoniker Platz nehmen, können für private Hauskonzerte gebucht werden. Und auch anderswo soll das Publikum die „Kunde von Tepegöz“ erfahren.

Noch im Februar sind Aufführungen in Berlin geplant, im Herbst geht es auf Tour nach Zentralasien. Rindt hatte sich bereits 2012 ein Werk in der Dresdner Landesbibliothek „ausgeliehen“ und zum Ausgangspunkt für ein Konzert gemacht: Der „Codex Dresdensis“ gilt als die am besten erhaltene Maya-Handschrift der Welt. 39 Blätter aus Feigenbaumrinde, beschrieben mit Hieroglyphen, Götterbildnissen und einem Kalender. Am 21. Dezember 2012 endete ein Maya-Zeitalter. Während mancherorts der Weltuntergang erwartet wurde, feierte man in Dresden mit dem „Konzert zum Ende der Zeit“ die Zukunft und ließ sich beim Auftritt in der Landesbibliothek mit Maya-Musikern aus Mexiko und Guatemala via Internet verbinden.

Martin Morgenstern und Jörg Schurig, dpa

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