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Ein kluger Abend mit dem Ring-Trio und Norbert Leisegang im Festspielhaus Dresden-Hellerau

Ein kluger Abend mit dem Ring-Trio und Norbert Leisegang im Festspielhaus Dresden-Hellerau

Norbert Leisegang im Festspielhaus Hellerau. Diese Kombination hätte wohl zu allen Vorzeiten Verwunderung ausgelöst. Seit Montag ist das anders. Denn der besonnen-charismatische Keimzeit-Frontmann nahm die Einladung des jazzbegabten Dresdner Ring-Trios an und bastelte mit den Musikhochschulabsolventen ein gemeinsames Konzertexperiment, das einen eigenartigen Besuchermix an einen außergewöhnlichen Spielort lockte und alle belohnte.

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Frontmann Norbert Leisegang gab am Montag eine auserwählte Keimzeit-Songauswahl in Hellerau zum Besten.

Quelle: Peter Fiebig

Mit rund 140 Besuchern fand die monatliche Reihe, bei der Simon Slowik (Klavier, Keyboard, Akkordeon), Demian Kappenstein (Schlagwerk aller Art) und Felix Otto Jacobi (Kontrabass, Bassgitarre) sich seit sieben Jahren jeweils einen internationalen Gast einladen und zielstrebig vom Studentenklub Aquarium über Scheune, Tonne, Wettbüro gen Norden zogen, den zweitgrößten Zuspruch in der neuen Heimat. Nur der Hellerauer Start im Februar 2012 mit Alin Coen samt Quartett war noch besser besucht.

Nach zwei halben Tagen gemeinsamen Probens gestand Leisegang, dem 53 Lenze scheinbar nichts anhaben, dass die Titelauswahl aus dem 30-jährigen Keimzeit-Universum zur Hälfte von Felix stamme. Der Start geriet gewöhnungsbedürftig. Vielleicht lag es nur an der angestammten Hörgewohnheit, vielleicht vertragen nicht alle Songs entschlackte Arrangements und anderes Tempo. Auch entfalten die beiden Titel des jüngsten Albums ("Kolumbus" und "Das gute Beispiel"), an dritter und vierter Stelle eingebaut, ebenso wie die gesamte Scheibe weder das frühere Wohlgefühl noch erinnern sie an die spannende Schrammelphase rings um die Jahrtausendwende.

Das Ambiente, die abgehangene und optisch wie akustisch gut ausgeleuchtete Hinterbühne, bedarf der Ruhe und ist somit für tanzaffine Rumzappler eine Herausforderung. Einerseits wäre eine verrauchte Bar mit Bier vom Hahn vielleicht der bessere Ort. Andererseits atmet der nun auserwählte Ort eine Art Feierlichkeit, in der eine musikalische Enttäuschung undenkbar scheint. Nach sechs Songs und einer halben Stunde Spiel ist ebenso lange Pause - für sechs Euro, soviel Kosten die Festspielhauskarten für junge Experimente, scheint nicht mehr erwartbar.

Doch nach der Pause wandelt sich die legere Stimmung und der Abend mausert sich aufgrund des besseren Zusammenspiels zu einer Musikperle, in der Sänger und Band zu großen Momenten zusammenfinden, was so weit geht, dass Leisegang vor Tastengott Slowik niederkniet, was der in Emphase aber gar nicht bemerkt. Eingeleitet wird dieser zweite, doppelt so lange Teil von einem zehnminütigen Interview, in dem Demian Kappenstein leicht launig den Sänger vorstellt, der aber die Situation souverän zum Dialog wendet und dabei mehr verrät, als wenn ihn ein Journalist kitzelt.

Jetzt stimmt plötzlich auch die Balance zwischen Relevanz und Qualität, selbst wenn die Auswahl samt und sonders melancholisch bleibt und gipfelt - nach energischen Trampelovationen der immer noch sitzenden Gemeinde - in einer herrlichen, ungestöpselten Lagerfeuerversion von "Singapur". Einer jener herrlichen weisen Fernwehtrosttitel, für die man Keimzeit mag und die nun per Veredlung mittels Adaption endgültig in die Annalen eingehen.

Eine andere Hellerauer Eigenart: Es gibt mangels Abendkassenaufschlag eine Art Last-Minute-Rabatt. Denn der Vorverkauf wäre nur vor Ort in Hellerau ohne Gebühr. Da trotz treuem Stammpublikums beim Feature-Ring auch aufgrund der Hausgestaltung die Gefahr der Überfülle nicht besteht, kann getrost auf die Iranerin Cymin Samawatie verwiesen werden, die nun am 7. Oktober statt mit Bobby Mc Ferrin mal mit dem Ring-Trio zwischen persischer Lyrik und zeitgemäßem Jazz wandeln wird.

Dort wird wohl wieder ein solch kluger Abend entstehen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 11.09.2013

Andreas Herrmann

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