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Ein durch DNN-Recherchen gefundenes Anatomie-Kabinett steht ab Oktober im Hygiene-Museum Dresden

Ein durch DNN-Recherchen gefundenes Anatomie-Kabinett steht ab Oktober im Hygiene-Museum Dresden

Vorn im Saal verlöscht das Licht, hinten geht es an. Das war's dann auch schon an Inszenierung. Mit einer Mischung aus berechtigtem Stolz und Understatement wurde gestern im Hygiene-Museum der Öffentlichkeit ein erster kurzer Blick auf das gewährt, was ab 11. Oktober in einer Sonderausstellung dem Publikum so ziemlich komplett zugänglich sein soll: ein mehr als 100 Jahre altes Kabinett anatomischer Wachsmodelle, die eine missglückte Abtreibung ebenso zeigen wie eine "zerlegbare Venus", den nachgebildeten Körper einer jungen Frau mit herausnehmbaren Organen, ein Körper wie hingegossen.

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Ihre Recherchen brachten die Sammlung ans Licht: Heidrun Hannusch.

Quelle: Carola Fritzsche

Mit der Vorstellung einer Handvoll dieser Modelle gestern im Großen Saal des Museums vollendete sich auch eine Rückkehr. Sie war wiederum möglich geworden durch die DNN-Journalistin Heidrun Hannusch. Sie hatte vor sieben Jahren, damals als Redakteurin, die wächsernen Unikate in Finnland aufgespürt, wohin sie auf verschlungenen Wegen gelangt waren. Hannusch, die zum Pressetermin vom Museum eingeladen worden war, bekam von Direktor Klaus Vogel zu diesem Anlass ein äußerst passendes Kompliment: "Ihr Spürsinn ist bemerkenswert", sagte er mit Blick auf ihre Recherche von 2007.

Ungewöhnlich war ebenfalls, dass das Hygiene-Museum schon Monate vor einer neuen Ausstellung Blicke hinter die kommenden Kulissen anbot. Die Dresdner fragten sich, wann die Modelle denn endlich zu sehen sein würden, begründete Vogel diese Art von Vorab-Werkstattbericht.

Die geplante Präsentation der 84 Schaukästen mit rund 200 Wachsmodellen wird aber kein Nachbau der originalen Ausstellung sein. "Wir glauben, das würde nicht funktionieren", fügte Vogel an. Was ab Herbst für ein reichliches halbes Jahr unter dem Titel "Blicke! Körper! Sensationen!" zu sehen sein wird, gruppiert sich zwar um die zentralen Wachsmodelle, wird aber in den Kontext zeitgenössischer Kunst gestellt. Die Namen derer, die die Schau mit Werken bereichern, liest sich dabei durchaus wie ein Who is who bekannter Künstler: Alexandra Bircken, Paul McCarthy, Cindy Sherman, Pipilotti Rist, Damien Hirst, Bruce Nauman, Steve McQueen - um nur einige zu nennen.

Die Kuratorin Eva Meyer-Hermann nennt im Kontext des Wachskabinetts, mit dem die Schausteller einst vor allem über die Jahrmärkte zogen, auch den Begriff Voyeurismus. Die zu großen Teilen aus der Werkstatt des Dresdner Anatomen Rudolph Pohl stammenden Nachbildungen widmen sich tatsächlich oft dem weiblichen Körper, spiegeln aber auch Krankheitsbilder (wie aus der Dauerausstellung im Hygiene-Museum bekannt) oder den Fortschritt medizinischer Behandlungen. Für die Sammlungsleiterin Susanne Roeßiger ist das Ganze "ein Spagat zwischen Spektakel und Wissenschaftlichkeit". Sie prognostizierte den Exponaten "eine spannende Museumskarriere".

Seitdem die Sammlung 2009 nach Dresden kam, war sie Teil von Forschungs- und Restaurierungsarbeiten. Nur wenige Einzelteile könnten wegen ihres fragilen Zustandes nicht gezeigt werden, sagte Museumsdirektor Vogel.

Vor dem finalen Umzug der Sammlung aus einer Hütte in Finnland in die Räume des Hygiene-Museums stand noch eins: das Geld. Ursprünglich war offenbar der Preis von einer Million Euro gefordert worden, der dann gezahlte lag aber wesentlich niedriger. Und auch wenn die Beteiligten keine Details nennen, ist wohl eine sechsstellige Summe geflossen. Von den beiden Besitzern Wäino Hamari und Esa Karttunen wollte am Ende nur Kartunen seinen Teil verkaufen. Der andere reist möglicherweise immer noch durch nordische Gefilde.

Für Heidrun Hannusch trägt das alles Züge von Einmaligkeit. Wenn ein Journalist etwas aufdecke, sei das in der Regel nichts Gutes, sagte sie. "Aber hier haben wir etwas retten können."

Ausstellung ab 11. Oktober, Hygiene-Museum

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 12.06.2014

Torsten Klaus

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