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Ein abgespeckter, aber überzeugender "Rosenkavalier" in der Semperoper

Ein abgespeckter, aber überzeugender "Rosenkavalier" in der Semperoper

Der Abend beginnt mit einem Goethezitat. "Das Unzulängliche ist produktiv" hatte der Dichter im Hinblick auf die eigene Vorbereitung zu seiner "Iphigenie" geschrieben.

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Anne Schwanewilms als Marschallin und Elina Garanca als Octavian.

Quelle: Klaus Gigga

Björn Peters, Chefdisponent der Sächsischen Staatsoper, bezieht sich in seiner Ansage auf die dem Hochwasser geschuldete unzulängliche Situation der Szene, denn eine Anlieferung des Bühnenbildes war nicht möglich.

Wenn sich der Vorhang wenig später zum "Rosenkavalier" öffnet, dann sieht man, das Personal der Staatsoper und Abendspielleiterin Angela Brandt haben ihr Möglichstes getan und in einer Variante der Konzertbühne der Semperoper, deren Rückwand oberhalb von drei Schwingtüren weit nach vorn gestellt ist, einen praktikablen Spielraum geschaffen. Diese "Unzulänglichkeit" wird mitunter zur produktiven Herausforderung, befördert das Spiel und vor allem die gestische Musikalität des Abends, dessen dreieinhalb Stunden wie im Flug vergehen.

Christian Thielemann am Pult der Sächsischen Staatskapelle ist in seinem Element und dem Orchester bereitet dies hörbare Freude, sich so lustvoll hinzugeben, etwa beim furiosen knappen Vorspiel. Zu so erotischer Aufgeladenheit der Musik fällt es der Marschallin und ihrem jungen Liebhaber Octavian nicht so ganz leicht, unter der Bettdecke mitzuhalten.

Aber dann, wenn Elina Garanca mit ihrem warmen, sinnlichen Timbre als Octavian singt "...wie du bist, wie du warst...", breitet sich hochkonzentrierte Stimmung aus im voll besetzten Opernhaus und wenig später, wenn Anne Schwanewilms mit der kostbaren Klarheit ihres edlen Soprans den ersten Wehmutsgedanken Töne gibt, "....du bist mein Schatz, du bist mein Bub', dich hab' ich lieb...", dann weiß man, die Zeit, die wir an diesem Abend in der Oper verbringen werden, ist nicht nur "ein sonderbar Ding", sie ist kostbar.

Anne Schwanewilms gestaltet die Partie der Marschallin frei von Pathos und Sentimentalität. Ihrem Wissen und Fühlen um die Vergänglichkeit der Dinge vermag sie mit einer großen Auswahl an wunderbaren, zarten Tönen Ausdruck zu geben, bei denen noch das fast gehauchte Piano klingend bleibt und der dramatische Aufbruch lyrisch.

Im Ansatz ähnlich, anders im Klang, die dunkle Grundierung bei Elina Garanca als Octavian. Hell, jugendlich, ungestüm können die Höhen klingen, wieder anders der Klang des Trotzes, als Gestaltungselement der Ausbruch mit exakt kontrolliertem Vibrato, flirrende Sinnlichkeit des Gesanges. Spätestens nach dem Monolog der Marschallin, nach dem darauf folgenden Dialog und dem einsamen Finale des ersten Aufzuges wartet man gespannt auf die Überreichung der silbernen Rose im zweiten, das Terzett und Schlussduett im dritten Aufzug. Und man wird nicht enttäuscht, Daniela Fally als Sophie hat genau jene Klarheit der hohen Soprantöne, die hier vonnöten ist, frei von jedem Ansatz von Schärfe und in der Gestaltung frei von unnötiger Naivität. Ihr Gesang wird sich steigern, im Terzett und im Duett im Finale bringt sie die unverzichtbare Stimmfarbe ein, wenn sich die Klänge vereinen und doch nicht miteinander unter Aufgabe der Individualität vermischen. Es ist der große Abend der Soprane, und somit ein großer Abend für Richard Strauss und sein Klangideal vom "Rosenkavalier" in Dresden.

Die Herren des Abends können da nicht so ganz mithalten, Peter Rose gibt den Baron Ochs mit herrlich ungezügelter, verschmitzter Spiellaune, der Herr von Faninal des Martin Gantner bleibt ein wenig angestrengt, und beim Intrigantenpaar ist es auch Helene Schneidermann, die als Annina ihren Partner Thomas Ebenstein als Valzacchi in den Schatten stellt.

Irmgard Vilsmaier als Jungfer Marianne ist eh nicht zu übersehen und zu überhören. An den kurzen Auftritt des Bassisten Peter Lobert als Polizeikommissar erinnert man sich gern, ebenso an den Tenor Dan Karlström als Wirt. Eine ausgesprochen erfreuliche Überraschung ist der Tenor Bryan Hymel als italienischer Sänger.

Christian Thielemann wird an diesem Abend zum wahren Pultkavalier, in den knappen Vorspielen lässt er es schon mal richtig aufbrausen, und die Freude beim Zuhören ist groß. Dann, wenn es gilt, Text und Ton zu präsentieren, genießen er und die Musiker die Feinheiten der Partitur. Manche Pause erhöht die Spannung, mitunter mag sie sehr persönlich sein, der Abend in seiner zunächst angekündigten "Unzulänglichkeit" besticht durch seine so wunderbare, authentische Lebendigkeit.

Morgen wird noch einmal in der beschriebenen Fassung gespielt, für den 16. Juni ist wieder die komplette Inszenierung geplant.

www.semperoper.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 11.06.2013

Boris Michael Gruhl

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