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Ein Vierteljahrhundert nach der Wende sind originale Stasi-Devotionalien in Dresden rar geworden

Ein Vierteljahrhundert nach der Wende sind originale Stasi-Devotionalien in Dresden rar geworden

25 Jahre nach der Erstürmung der Dresdner MfS-Bezirksverwaltung zählen Stasi-Devotionalien und -Equipment zu beliebten Ausstellungs-Exponaten. Allerdings sind sie auch rar geworden: Die Stücke aus dem stasi-eigenen Traditionskabinett an der Fischhausstraße sind verschollen.

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Quelle: @Ralf U.Heinrich

Auch ein Aufruf der Gedenkstätte "Bautzner Straße" an ehemalige Demonstranten, mitgenommene MfS-"Souvenirs" im Museum abzuliefern, hatte wenig Erfolg. Die verbliebenen Stücke aus dem Stasi-Fundus hütet Konrad Felber, der Dresdner Außenstellenleiter der Stasi-Unterlagenbehörde, nun wie seinen Aufapfel.

Wie zu DDR-Zeiten üblich, reichte es selbst für den Gründer des sowjetischen Geheimdienstes nur für ein Surrogat: Feliks Edmundowitsch Dzierzynski blickt wachsam-finster vom Stahlregal herunter auf die unbefugten Besucher, die in das tschekistische Aktenlager an der Riesaer Straße eingedrungen sind. Der Staatsterrorist von bolschewistischen Gnaden wirkt verstimmt, dass seine Büste nur nach Kupfer aussieht, in Wirklichkeit lediglich schnöder Kunststoff ist - was man sich unter Stasi-Generälen vor 1989 eben so gegenseitig als Andenkenkitsch geschenkt hat. Gleich daneben sinniert Lenin in Gips. Ein Fach tiefer intonieren zackig uniformierte Musiktschekisten auf einer ollen Langspielplatte "Unser Singen muss ein Kämpfen sein". Dazwischen finden sich Stasi-Wimpel, ein vergessener Stahlhelm, Abhör-Wanzen und Tontechnik, von der man nur erahnen kann, bei welchen Verhören sie wohl verwendet wurden.

"Viel ist nicht übrig geblieben", räumt Felber ein, der die Dresdner Außenstelle des Bundesbeauftragten für Stasi-Unterlagen (BStU) leitet. Ein paar Dutzend Exponate sind aus der stürmischen Wendezeit bis in die BStU-Archive gelangt, vom Dezember 1989, als erboste Dresdner die Stasi-Zentrale oben an der Bautzner Straße stürmten und dabei mutmaßlich viele Devotionalien mitgehen ließen. Auf die wäre auch die jetzt dort etablierte Gedenkstätte scharf, will sie doch nach Um- und Ausbau eine ständige Ausstellung in den früheren MfS-Büros etablieren und auch das frühere Büro des Dresdner Stasi-Generalmajors Horst Böhm nachbauen. Möglichst originalgetreu, um neben die "Opferperspektive" des Hafthauses die "Täterperspektive" im ostdeutschen Unterdrückungsapparat stellen zu können.

Nach mehreren Verschiebungen wird die erneuerte Gedenkstätte wohl im Mai Wiedereröffnung feiern. Doch der Aufruf von Ex-Oberbürgermeister und Trägervereins-Chef Herbert Wagner, der im vergangenen Herbst an die Dresdner appellierte, den Stasi-Kram zurückzugeben (DNN berichteten), verlief weitgehend im Sande. "Wir haben einige Sachen bekommen, zum Beispiel einen ganzen Karton mit DDR-Literatur und eine Replik der Lampe aus Böhms Büro, doch Originalstücke leider nicht", teilte Zeitzeugen-Betreuerin Katrin Thiel von der Gedenkstätte mit.

Felber zeigte sich zwar bereit, dem Museum einige Doubletten zur Verfügung zu stellen. Aber viele sind Einzelstücke, die untrennbar zu den Akten gehören. Gegenstände zum Beispiel, die die Tschekisten seinerzeit von aufsässigen Bürgern beschlagnahmt hatten: Das selbst gebastelte Plakat eines Fußball-Fans mit der Aufschrift "Scheiß BFC!"zum Beispiel landete in der MfS-Asservatenkammer, ebenso eine selbst genähte USA-Fahne.

Ein Großteil des Stasi-Kitsches hingegen, an dem sich die Geheimdienstler einst weideten, ist verschollen: Laut der Dresdner BStU-Archivverantwortlichen Ilona Rau hatte die Dresdner MfS-Bezirksverwaltung ein eigenes "Traditionskabinett" an der nahen Fischhausstraße, durch das die Schlapphüte ausgewählte Pioniere gelegentlich führten. Als recht sicher gilt, dass dort auch das selbst ge- baute Flugzeug deponiert war, mit dem der Dresdner Michael Schlosser 1983 in den Westen abhauen wollte, bis er durch Verrat aufflog (DNN berichteten). Nach einem Einbruchs- versuch seien die Exponate aus die-sem Traditionskabinett Ende Februar oder Anfang März 1990 von Peter Schröter vom Dresdner Bürgerkomitee an einen Herrn Turra im damaligen Armeemuseum übergeben worden, so Rau und Felber. Doch als der BStU 1994 später die Stücke zurück ha- ben wollte, konnte sich niemand mehr daran erinnern. Den Verbleib heute noch zu ermitteln, dürfte schwierig sein: "Wir haben überall herumgefragt, aber uns liegen keine Erkenntnisse vor, dass wir diesen Bestand jemals übernommen haben", teilte Major Alexander Georgi, Sprecher des Militärhistorischen Museums, auf Anfrage mit.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 20.01.2014

hw

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