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Ein Unkaputtbarer - Stefan Stoppok spielte im Uniklinikum

Ein Unkaputtbarer - Stefan Stoppok spielte im Uniklinikum

Beim Nuscheln kann ihm nur noch Udo Lindenberg das Wasser reichen. Doch der kann nicht Gitarre spielen! Stefan Stoppok aber kann beides. Am Donnerstagabend begeisterte der (nicht von seinen Fans!) oft unterschätzte Ruhrpottrocker ganz allein mit einem kleinen Arsenal an akustischen Gitarren die Besucher mit einem Auftritt im Uniklinikum.

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Umrahmt von seinen Saiteninstrumenten präsentierte Stoppok sein vorweihnachtliches Programm.

Quelle: Andreas Weihs

Umrahmt von Verstärkern, Effektgeräten und Saiteninstrumenten präsentierte Stoppok mehr als zwei Stunden lang sein vorweihnachtliches Programm mit Liedern, von denen viele so gar nicht in diese Zeit passen wollen.

Das erste Problem seines künstlerischen Rand-Daseins: Im Gegensatz zu den Grönemeyers und Westernhagens dieser Welt konnte Stoppok für sich noch nicht den großen "Durchbruch" deklarieren, gilt als ewiger "Geheimtipp". Weil er so ist, wie er ist: unangepasst. Stoppok ist kein Poser, kein Popstar, wie ihn die Medien heute gern haben wollen und den die Kiddys anhimmeln, weil er so eine tolle Frisur hat. Rein äußerlich wirkt er wie ein Übriggebliebener der Hippiebewegung, da tut die Gitarre ihr Übriges. Seine Lieder heißen "Scheiße am Schuh", "Learning by Burning" und "Ärger", er singt von den Widrigkeiten des Lebens, vom nicht-in-eine-Schublade-Passen, von der zunehmenden Gewalt in der Gesellschaft, über das Menschliche im Alltag. Natürlich auch von Liebe. Aber das passendste Statement macht er über sich selbst im Lied "Na schön": "... Ey Stoppok, du bist gedropt, von 30 Radiointerviews hast du 20 schon verpennt, und wunderst dich noch immer, dass dich kaum 'ne Sau hier kennt..."

Hier im Uniklinikum weiß Stoppok, dass er verstanden wird. Hier ist er unter seinesgleichen, die mit ihm, seinem augenzwinkernden Humor und seinen manchmal schrägen, direkten Texten etwas anfangen können. Und: Der Stoppok-Fan ist textsicher. Bei "Tanz" erklingt ein Massen-Chor über lange Passagen auch ohne den Vorsänger. Während andere Künstler oft mühsam die Zuhörer zum Mitmachen animieren müssen, scheint das bei Stoppok ganz leicht.

Keiner singt so schnoddrig wie er, keiner hat diesen schrägen Humor, keiner kann politische Inkorrektheiten so sympathisch rüberbringen. Er gibt den Fiesling, aber das nimmt ihm keiner ab. Unwirsch wird er nur, als ihm ein Zuhörer aus der ersten Reihe mit einem Hasenkostüm auf dem Kopf ständig dazwischen redet. Das stört, doch der Sänger versucht bei alldem, auch diese Situation verbal für sich zu nutzen. Später ist "Hasi" verschwunden und der ganz normale Stoppok-Wahnsinn nimmt weiter seinen geplanten Gang.

Beliebter Showteil: der Wunschblock. Eine Zuhörerin darf sich aus einer Liste drei Lieder wünschen. Keine beneidenswerte Aufgabe, auch weil sie vom Rest der Menge dabei argwöhnisch beobachtet wird. Jeder hat so seine Lieblingslieder, die er gerne hören möchte. Am Schluss des Entscheidungsprozesses machen "Nach New York geflogen", "Dumpfbacke" und Wetterprophet" das Rennen.

Erstaunlich, welche musikalische Abwechslung Stoppok aus seinen Gitarren hervorzaubern kann. Da mischen sich balladeske Klänge mit viel Blues, Folk mit ein paar Takten Jazz. Alles zusammen klingt wie ein Ein-Mann-Orchester. Es fehlt klangseitig an nichts, auch weil ja der Schlagzeuger, der - wie man erfährt - den ganzen Abend punktgenau mitspielt, in New York im Studio sitzt und dank einer schnellen DSL-Leitung im selben Moment in Dresden zu hören ist. "Aus Gründen des Umweltschutzes. Flüge machen Dreck!" Immer wieder flechtet der Sänger diese kleinen Geschichten ein, die sich im Erzählverlauf oft verselbstständigen und zu ungeahnten Verquickungen führen, aus denen sich Stoppok schlussendlich wie ein Houdini entwirrt und zu befreien vermag. Gottseidank, wegen Geld müsse er "das alles hier nicht mehr machen". Stoppok gehört zu den "Unkaputtbaren", den Beständigen, zu den Letzten, die mit einer eigenwilligen Mischung aus Folk und Blues, aus Rock und Country, die Zuhörer seit mehr als 30 Jahren in den Bann zu ziehen vermögen. Manchmal - aber nicht zu oft - streift ihn dabei das Rampenlicht...

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 03.12.2011

Andreas Weihs

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