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Ein Spanier in Dresden - Rafael Frühbeck de Burgos, sieben Jahre Chefdirigent der Philharmonie, wird 80

Ein Spanier in Dresden - Rafael Frühbeck de Burgos, sieben Jahre Chefdirigent der Philharmonie, wird 80

Seitdem sich Maestro Frühbeck de Burgos am 11. und 12. Juni 2011 mit zwei Konzerten aus dem Amt des Chefdirigenten und Künstlerischen Leiters der Dresdner Philharmonie verabschiedet hatte, ist er alljährlich als Gast an das Pult des Orchesters zurückgekehrt.

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Der spanische Dirigent Rafael Frühbeck de Burgos 2007 bei einem Konzert mit der Dresdner Philharmonie im russischen St. Petersburg.

Quelle: Tass Kurov Alexander/dpa

Und das kündigte er auch für die neue Spielzeit wieder an - Ausdruck seiner großen Verbundenheit mit dem Dresdner Publikum und dem Klangkörper vor allem, an den ihn noch Intendant Olivier von Winterstein nach Juri Temirkanow 2003 zunächst als Ersten Gastdirigenten verpflichtete. Im Jahr darauf wurde er Nachfolger Marek Janowskis. Die väterliche Ausstrahlung des Dirigenten, seine langjährige große Erfahrung im Job, das internationale Renommee und die erworbene berufliche Routine in vielen Belangen, nicht zuletzt im Repertoire, erinnerte in manchem, bei aller Unterschiedlichkeit der Persönlichkeiten, an den späteren Heinz Bongartz der 70er Jahre.

Zusammen mit dem seit Jahresbeginn 2005 amtierenden Intendanten Anselm Rose hat Rafael Frühbeck de Burgos ein weiteres Kapitel der Orchestergeschichte geprägt, das durch Internationalität und Prominenz verpflichteter Gastdirigenten wie Solisten, aber auch durch eine gesteigerte, höchst erfolgreiche Tourneetätigkeit in vielen Musikzentren Europas, Amerikas und Asiens gekennzeichnet ist. Schon in seinem ersten Chefjahr führte der Künstler die Philharmoniker nach Spanien und in die USA, zwei Länder, in denen in der Folgezeit wiederholt konzertiert wurde. Auch die mehrwöchige Südamerika-Tournee 2005, die Gastspiele in der Schweiz 2006, die Tournee nach Korea und Japan 2008, nach China zum Jahreswechsel 2009/2010 wurden überwältigende Erfolge, um nur einige der zahlreichen Konzertreisen unter Frühbeck zu erwähnen. Dass aber das Orchester vor seinem Wirken "im Ausland keinen großen Namen besessen habe", wie er jüngst in einem Interview erklärte, ist eine Behauptung, die nicht unwidersprochen bleiben kann, denn höchstens auf ganz wenige Länder, die von den Philharmonikern vordem noch nicht besucht worden waren, trifft sie möglicherweise zu.

Die in der Amtszeit Janowskis leider unterbrochene Plattentätigkeit des Klangkörpers fand bei seinem Nachfolger erfreuliche Fortsetzung in der "CD-Edition der Dresdner Philharmonie" mit Schwerpunkten seines Repertoires, Werken von Richard Strauss ("Don Quixote", "Don Juan", "Till Eulenspiegel", "Alpensinfonie", "Rosenkavalier-Suite"), Brahms (1. und 3. Sinfonie), Wagner (Orchesterausschnitte aus "Meistersinger von Nürnberg", "Tristan und Isolde" und "Götterdämmerung") und Bruckner (3. Sinfonie). Auch ein Mitschnitt der Silvester- und Neujahrskonzerte 2006/2007 unter dem Titel "Encore" wurde auf diese Weise festgehalten. Frühbeck hatte vor seinen Dresdner Jahren bereits mehr als 100 Schallplatten mit verschiedenen Klangkörpern aufgenommen, darunter das Gesamtwerk von Manuel de Falla.

Überall wo der Künstler neben weltweiten Gastverpflichtungen in seiner bemerkenswerten internationalen Karriere Cheffunktionen ausübte - beim Spanischen Nationalorchester Madrid (1962-1978), bei den Düsseldorfer Symphonikern (1966-1971), beim Orchestre Symphonique Montreal (1975-1977), bei dem Yomiuri Nippon Symphony Orchestra Tokyo (1980-1983), den Wiener Symphonikern (1991-1996), an der Deutschen Oper (1992-1997) und beim Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin (1994-2000) sowie beim Orchestra Sinfonica Nazionale della RAI Turin (2001-2007) hat er intensiv an der Verbesserung von Technik und Spielkultur der ihm anvertrauten Klangkörper gefeilt. So auch bei der Dresdner Philharmonie, deren "kollektive Persönlichkeit" er hoch schätzt und deren "schönen, dunklen, weichen Klang" er weiterzuentwickeln bestrebt war. Im Januar 2011 erhielt Frühbeck die Ernennung zum Direktor der Meisterkonzerte des Cincinnati Symphony Orchestra sowie im Monat darauf - ungeachtet seines fortgeschrittenen Alters - die Verpflichtung zum Chefdirigenten des Dänischen Nationalorchesters Kopenhagen für die Spielzeiten 2012 bis 2015.

Wenn man Rückschau hält auf die Programme seiner Dresdner Ära, sind es neben der Klassik vor allem sinfonische Werke der Spätromantik zwischen Brahms und R. Strauss, die er, meistens auswendig, bevorzugt dirigierte (er besitzt nach eigener Aussage ein fast fotografisches Gedächtnis). Doch auch konzertanter Operndarbietungen (von de Fallas "La vida breve" und "Don Pedros Puppenspiel") und oratorischer Aufführungen - größtenteils mit den Philharmonischen Chören - erinnert man sich gern, u.a. von Haydns "Schöpfung", Mendelssohns "Elias", Berlioz' "L'enfance du Christ", Rossinis "Stabat mater", Verdis "Te Deum", Orffs "Carmina burana", S. Matthus' "Te Deum" - Werke, die das traditionelle Repertoire wohltuend bereicherten. Das gilt ebenso für imposante Mahler-Interpretationen (3. und 8. Sinfonie) oder für das besondere Engagement des Dirigenten für spanische Komponisten, nicht nur de Falla, auch Isaac Albéniz, Antoni José und andere mehr.

Letzteres deutet zugleich auf sein Heimatland hin, denn er wurde am 15. September 1933 in der nordspanischen Stadt Burgos als Sohn deutschstämmiger Eltern geboren. In Barcelona und Bilbao besuchte er deutsche Schulen, ehe er in Burgos an einem spanischen Gymnasium das Abitur ablegte. Sein Studium, in den Fächern Violine und Klavier an den Konservatorien von Bilbao und Madrid begonnen, schloss er an der Münchner Musikhochschule ab. Die wichtigsten Lehrer waren hier Kurt Eichhorn, Gotthold Ephraim Lessing (Dirigieren) und Harald Genzmer (Komposition). Als Auszeichnung erhielt er den R.-Strauss-Preis.

1951 bis 1953 wirkte er zunächst als Theaterkapellmeister in Madrid, darauf eine Zeit lang als Militärkapellmeister, ehe er 1958 bis 1962 die Leitung des Sinfonieorchesters von Bilbao übernahm. Die anschließende 16-jährige Tätigkeit an der Spitze des Madrider Nationalorchesters, das ihn 1988 zum Ehrendirigenten ernannte, begründete seinen Ruf als einen der bedeutendsten spanischen Dirigenten der Gegenwart, der vielfältige Ehrungen erfuhr, Ehrendoktor der Universitäten Navarra und Burgos ist. Seinem Namen fügte der Künstler später den seiner Geburtsstadt hinzu, in die er auch die Dresdner Philharmoniker mehrfach führte, gründete er doch dort ein internationales Musikfestival, bei dem er u.a. gern als Interpret spanischer Musik und auch als Komponist eigener Werke hervortritt.

Die künstlerische Entwicklung Frühbecks fand übrigens tatkräftige Förderung durch viele Gastspiele beim Philharmonia Orchestra London und beim Philadelphia Orchestra in den USA, bei dem er 1967 sein Amerika-Debüt hatte und seitdem ständig gastiert, wie auch unlängst wieder, außerdem bei weiteren führenden amerikanischen Orchestern (New York, Boston und Los Angeles). 1980 hatte ihn das National Orchestra Washington zum ständigen Gastdirigenten ernannt. Hier brachte er 1986 als Weltpremiere Gian Carlo Menottis Oper "Goya" zur Uraufführung.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 14.09.2013

Dieter Härtwig

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