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Ein Seltener: Der frisch gekürte Hölderlinpreisträger Klaus Merz kommt am Mittwoch ins Dresdner Stadtmuseum Dresden

Ein Seltener: Der frisch gekürte Hölderlinpreisträger Klaus Merz kommt am Mittwoch ins Dresdner Stadtmuseum Dresden

Nur wenige Schriftsteller bekommen zu Lebzeiten eine Werkausgabe. Der Schweizer Autor Klaus Merz schon. Denn in seiner Heimat gehört der heute 66-Jährige längst zu den Bedeutenden seiner Zunft.

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Ein genauer Wort-Setzer: Klaus Merz.

Quelle: PR

Und spätestens mit seiner Novelle "Der Argentinier" wurde Klaus Merz auch über die Landesgrenzen hinaus ein sehr bekannter Autor. In der Novelle wird die Geschichte eines Lehrers erzählt, der nach Argentinien auswandert, nach wenigen Jahren wieder zurückkehrt, aber in seiner Heimat zeitlebens von der Sehnsucht nach der Ferne heimgesucht wird. In einem Gedicht von Klaus Merz lesen wir: "Die Sterne eintauschen / gegen eine Stube / ein- oder heimkehren / sich zu einem Tisch setzen / darüber Mandarinenduft / Lichtkreise / Rauch. / Das ist gefährlich..."

Klaus Merz ist ein Schriftsteller, für den sich nichts von selbst versteht. Sein gesamtes literarisches Werk weist diesen Autor als einen Fragenden aus. Klaus Merz ist einer, der die Welt beim Wort nimmt. Nicht viele Worte sind das. Denn Merz ist ein Meister der Reduktion. In einem Gedicht von vier Zeilen kann bei ihm eine ganze Lebensgeschichte aufgehoben sein. So erinnern manche seiner Gedichte an japanische Tuschezeichnungen, so leicht, so durchlässig sind die Worte gesetzt: "Unter wärmenden Decken / ruhen im Garten zwei / Lesende, reifen." (Jura) "Schreiben heißt", so Klaus Merz, "den Dingen Namen geben und sich dadurch weniger fremd in der Welt fühlen." Dieser Dichter will uns nicht die Welt erklären, er will nur warnen vor denen, die auf alles gleich eine Antwort haben.

Ein genauer Blick auf den Alltag verknüpft sich in der Poesie des Klaus Merz mit den alten, ewigen Fragen. Eines seiner vielleicht schönsten Gedichte heißt so, "Alte Fragen": "Kann man das Leben / kann man die Liebe // das Herz schlagen / das Blut fliessen // den Teig gären / Schnee fallen / lernen?" Wenige Zeilen, die nicht erklärt werden müssen. Denn man kann auch Gedichte nicht lernen. Sie treiben auf uns zu, sie rühren uns, sie gehen uns an - oder eben nicht.

1967 erschien unter dem Titel "Mit gesammelter Blindheit" die erste Gedichtsammlung von Klaus Merz. "Aus dem Staub" heißt sein jüngster, 2010 erschienener Gedichtband, in dem der Autor einmal mehr aus der Ruhe und Einfachheit seine ganz eigene lakonische Tonspur entwickelt. Neben Gedichten entstehen immer wieder Prosawerke, 2005 der Roman "Los" über einen 50-jährigen arbeitslosen Lehrer; desweiteren Erzählungen und Prosaminiaturen. In vielen seiner Texte denkt der Autor über Fotografie, über Malerei und Bildende Kunst nach. Das geht so weit, dass Museen ihm ganze Ausstellungen widmen, wie 2007 das Museum Strauhof mit der Ausstellung "Der gestillte Blick - Der Schriftsteller Klaus Merz und die Bilder", die Zeugnis ablegte von einer wunderbaren Arbeitsbeziehung: "Bootsvermietung" hieß das erste gemeinsame Buch, in dem der Maler Heinz Egger mit Bildern auf ihm vorliegende Texte von Klaus Merz reagierte und Paraphrasen in Tusche oder Öl dazu schuf.

Aber auch Bezugspunkte zu ande- ren Dichtern finden sich immer wie- der im Werk von Klaus Merz. In dem Gedicht "Die Brünner Mädchen" erweist er dem tschechischen Lyriker Ivan Blatny seine Referenz, ein anderer Text ruft uns den japanischen Haikudichter Basho ins Bewusstsein - in seinem Gedicht "Feldzug" zitiert Klaus Merz den Mann, der eigentlich Matsuo Munefusa hiess, in einer eigenen Nachdichtung: "Gräser des Sommers / von allen stolzen Kriegern / die Reste des Traums."

Klaus Merz, der wenige Tage nach seiner Dresdner Lesung den renommierten Friedrich-Hölderlin-Preis der Stadt Bad Homburg entgegennehmen wird, ist ein Seltener. Aus der Ruhe und Einfachheit entwickelt er sein wortgenaues, sprachlich hochkonzentriertes Werk - und gibt uns damit den Glauben an jedes einzelne Wort zurück. Volker Sielaff

Lesung und Gespräch mit Klaus Merz morgen, 20 Uhr im Stadtmuseum Dresden. Literaturforum Dresden in Kooperation mit den Museen der Stadt Dresden (gefördert von der Pro Helvetia - Schweizer Kulturstiftung, der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, der Kulturstiftung Dresden der Dresdner Bank und der Landeshauptstadt Dresden, Amt für Kultur und Denkmalschutz)

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 08.05.2012

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