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Ein Schauspieler mit vielen Facetten

Dieter Mann 75 Ein Schauspieler mit vielen Facetten

Dieter Mann zählt zur ersten Schauspielergilde des Landes. In Dresden war er Wallenstein, Nathan oder König Lear. In Berlin führte er das Deutsche Theater über die Wende. Und nun, zu seinem 75. Geburtstag, gibt es auch eine Autobiografie Manns.

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Dieter Mann in der Titelrolle der „Wallenstein II“-Inszenierung am Dresdner Staatsschauspiel 1999.

Quelle: HL Böhme

Dresden.

Die Fotografien sind Teil der Biographie „Schöne Vorstellung“, entstanden im Gespräch mit dem Journalisten Hans-Dieter Schütt. „Allem Theater liegt eine schöne Vorstellung zugrunde“, schreibt Mann selbst in seiner Einleitung. Und mit schön meint er: „Alles, was uns freudig und friedlich macht, aber auch frech und fragend. Dafür frei zu werden in Gedanken und Gemüt, das ist überhaupt der Grund, Theater zu spielen und ins Theater zu gehen. Frei zu werden für ein paar Momente oder gar Stunden. Nein: für länger!“ Dabei war die Wirkung des Theaters in den DDR-Jahren verhinderter Öffentlichkeit gewiss eine andere als heute, da verstärkt „nur jene eine Theaterkarten kaufen, die auch sonst ganz gute Karten im Leben haben“. Vielleicht werde das dann anders, wenn der Druck auch scheinbar sichere Schichten erfasst.

Es geht natürlich viel, jedoch nicht nur um die Bühne in diesem Buch. Das Biographische beinhaltet unbedingt auch den Blick auf die Welt. „Ich bin in einem Alter, in dem die Grenzen zwischen Toleranz und Gleichgültigkeit fließend werden“, räumt Dieter Mann ein und betont, dies weder harsch zu sagen noch zynisch. Er könne sich in Interviews kaum herausnehmen aus der politischen, sozialen Realität – „und da fallen mir positive Reflexe zunehmend schwer“. In Reaktion auf die Realität zu wirken – das sieht er nicht als Aufgabe des Theaters. „Wir Theatermenschen sind nicht die Entertainer der Konsumgesellschaft, aber auch nicht die moralischen Richter des Gemeinwesens. Wir sind nicht die Zweifelzerstreuer vom Dienst, und noch weniger sind wir die Retter der Verzweifelten (da wir selbst nicht zu retten sind). Nein, wir bleiben blinde Wanderer auf den steinigen Feldern der Sehnsüchte – aber manchmal ertasten wir etwas, was sich nach Glanz anfühlt.“

Geboren wird Dieter Mann am 20. Juni 1941 in Berlin-Tiergarten. Nach einer Lehre als Dreher arbeitet er bis 1957 im VEB Kühlaggregat Berlin und besucht die Arbeiter-und-Bauern-Fakultät. Von 1962 bis ’64 studiert er an der staatlichen Schauspielschule in Berlin-Schöneweide, es folgt das erste Engagement am Deutschen Theater, dessen Ensemblemitglied er bis 2006 bleibt. Er war zunächst in vielen Inszenierungen Friedo Solters zu sehen, von dem er gelernt habe: „Nie eine neue Arbeit beginnen, als habe man bereits Erfolg gehabt.“

1984 übernahm er die Leitung am Deutschen Theater, auf Wunsch des Ensembles. Mann engagierte zum Beispiel die von der Kulturbürokratie der DDR ungeliebten Regisseure Frank Castorf, Thomas Langhoff und Heiner Müller. Rückblickend meint er dazu lakonisch: „Da klopfe ich mir nicht auf die Schultern. Aber ich bin froh, dass ich mich künstlerisch nicht geirrt habe.“ Außerdem arbeitete er mit Regisseuren wie Adolf Dresen, Alexander Lang oder Johanna Schall.

Castorf gelang unter Manns Intendanz der überregionale Durchbruch, Heiner Müller inszenierte bei ihm „Lohndrücker“ und „Hamlet/Hamletmaschine“. Zuletzt stand Dieter Mann am Staatsschauspiel Dresden als König Lear und Graf von Moor in den „Räubern“ auf der Bühne sowie 2015 am Theater Basel in Ibsens „Die Wildente“. Lang ist die Liste der Filme, in denen er gespielt hat, darunter „Ich war neunzehn“ (1967, Regie: Konrad Wolf), „Leben mit Uwe“ (1973, Lothar Warneke), „Das Versteck“ (1978, Frank Beyer), „Levins Mühle“ (1979/80, Horst Seemann), „Pause für Wanzka“ (1989/90, Vera Loebner), „Der Untergang“ (2003/2005, Oliver Hirschbiegel), er war in Dokumentarfilmen von Winfried Junge zu sehen und in Episodenrollen in Serien wie „Polizeiruf 110“, „Tatort“ oder „Der letzte Zeuge“. Hinzu kommen etliche Hörspiele und Hörbücher. So markant seine Stimme und sein Auftreten, so zurückgenommen sind Sprechkunst und Spiel.

In „Schöne Vorstellung“ spricht Dieter Mann über seine Kindheit, über Gefühle oder die Umstände, auch den Zauber seiner Arbeit als Intendant und als Schauspieler, er erzählt von Kollegen, von den Anständigen und den anderen, von seinem Verhältnis zu den Verhältnissen und zum Erfolg, seinem „Misstrauen gegenüber unglaublich idyllischen Situationen“, von Erwartungen und Enttäuschen. Vor wenigen Wochen hat Dieter Mann erklärt, an Parkinson erkrankt zu sein. Es ist ein Buch über Zeit, Beruf und Kunst, vor allem über Menschen, Menschen, Menschen. Wer ihm gern zuschaut auf Bühne oder Leinwand, der wird ihm gern zuhören in diesem, seinem Lebensbuch.

Von Janina Fleischer

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