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Ein Licht ist erloschen - Gedenkausstellung für Christiane Just bei "Rahmen & Bild"

Ein Licht ist erloschen - Gedenkausstellung für Christiane Just bei "Rahmen & Bild"

September 2011 hat die Kunststadt Dresden eine besondere Farbe verloren, als Christiane Justs offensiver mehrjähriger Kampf gegen ihre schlimme Krankheit endete (die DNN haben damals einen Nachruf veröffentlicht).

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Ausschnitt aus einer Illustration des Buches "Die Kirschzeit", Aquatinta 2011. Repro: J. Schieferdecker

Am 6. Man kommt angesichts dessen in Konflikt mit der platt-geläufigen Trostformel, wonach angeblich keiner unersetzlich sei. Abgesehen davon, dass früher Tod in jeden Lebenskreis schmerzhafte Lücken reißt, macht die Tragik im Schicksal der 51-Jährigen, die eine der wesentlichen Dresdner Künstlerinnen ihrer Generation war und in ihrem Werk bleiben wird, bis zur Fassungslosigkeit betroffen, wenn man weiß, dass Christiane Just ziemlich genau um den Zeitraum Leben wusste, der ihr noch beschieden sein sollte. Und sie hat gearbeitet, bis ihr ein ungnädiges Fatum Pinsel, Stift oder Radiernadel aus den Händen schlug. In der Ausstellung bei "Rahmen & Bild" erinnern an sie verschiedene Arbeiten, darunter solche, denen nichts fehlt als die Signatur, die die Autorin nicht mehr leisten konnte.

Das Malwerk, für das hier neben den subtilen Aquarellen explizit das in der Tiefe des Raumes postierte Ölbild "Madonna mit Katze" von 2011, also ebenfalls ein Opus aus letzter Hand, steht, entwickelte sich im Laufe der Zeit von einem sensibel-expressiven Realismus in Landschaft, Tier- und Menschenbild zu immer freierer poetischer Formensprache, die gelegentlich in die Nähe der Abstraktion, aber nie der Inhaltslosigkeit gerät und insgesamt unter dem Themen-Oberbegriff "Lebensmythen" subsumiert werden könnte.

Gerade in den farbigen Arbeiten drückt sich eine tiefe Musikalität der Empfindung aus. Es ist in diesem Zusammenhang interessant zu wissen, dass Christiane Just von 1982 bis 1992 in der Leipziger "Rennbahnband" als Percussionistin musizierte. Unmittelbar bildnerisch direkt wird die Assonanz der Geschwisterkünste, als 2003 unter dem Titel "Thriphon" gemeinsam mit Andreas Hegewald und Peter Harnisch in der Dreikönigskirche Bilder zu Orgelkompositionen von J. S. Bach, Ch. M. Widor und Oliver Messiaen entstehen.

Die Grafik der Künstlerin, per definitionem also neben Zeichnungen und farbigen Blättern insbesondere Druckgrafik verschiedener Techniken, hat neben dem malerischen Œuvre durchaus spezifischen Charakter, namentlich dann, wenn sie sich in den Künstlerbüchern an großer Literatur misst oder auch reibt. Neben der Algrafie wird die Radierung immer wichtiger, in deren schwierigster Variante, der Aquatinta, Christiane Just eine stupende Meisterschaft erreichte.

Das wiesen nicht nur die mit stufenweiser Ätzung zu fast monumentaler Tonspannung gesteigerten Schwarzweiß-Blätter aus, sondern auch ihre Farbaquatinten, deren aquarellhafte Transparenz bezaubert. Ich denke dabei an die Folge "Stein im Meer", die 2007 mit 21 Aquatinten eine "Insel-Dichtung" von Andreas Hegewald bildnerisch paraphrasierte. Hegewald, auch auf literarischem Gebiet nicht bloß Irgendeiner, war aus naheliegenden Gründen auch hier ihr Nächster, der den Vergleich mit großen Namen aushalten muss. Von Dante Alighieri über Friedrich v. Schiller, Ingeborg Bachmann bis zu Herta Müller reicht die Phalanx der Dichter-

Allein deren je eigene Prägung setzt eine weitere Differenzierung der bildnerischen Antworten voraus. Just reagierte darauf mit einer grafischen Spannweite, die von lyrischer Zartheit bis zu energetischer Aufgeladenheit den jeweiligen Vorwürfen gerecht zu werden weiß.

Natürlich setzt die Gestaltung von Künstlerbüchern vom Einband über die Schrifttype und ihre Bildverträglichkeit etc. p.p. die Bewältigung eines ganzen Kriterienkomplexes voraus. Möglicherweise war das ein Grund für Christiane Just, 2003 ein Webdesign-Fernstudium aufzunehmen und 2005 mit dem Diplom abzuschließen, um im Interesse dessen ihre gebrauchsgrafischen Valenzen auf das aktuelle technische Höchstniveau zu qualifizieren. Die Ausstellung zeigt von ihrer Buchkunst nur ein Beispiel, als ihr letztes freilich gleichsam vermächtnishaft, zeitnah zu ihrer Ausstellung im Druck fertiggestellt: "Die Kirschzeit", ein Liebeschanson von Jean Baptiste Clement, das 1871 in Paris als vielbesungenes Volkslied schließlich zur Hymne der Pariser Commune wurde und Christiane Just bis zuletzt beschäftigte, eine Art Faltbuch mit dem Liedtext und einer großen farbigen Aquatinta - mehr als das: ein Lebensruf im Angesicht des Todes-

Die Ausstellung kann nur einen Abglanz eines imponierenden Lebenswerkes vermitteln. Immerhin wird die bildnerische Universalität der Künstlerin auch aus dieser kleinen Suite, die Andreas Hegewald bereitstellte, in allen Werkbereichen erfahrbar. Es darf gehofft werden, dass dieser Schatz bald eine angemessene öffentliche Würdigung erfährt, die das Originäre ihrer Leistung für die Dresdner Kunstszene deutlich werden lässt.

Bis zum 18. März ist außerdem eine Ausstellung mit dem Titel "Art Erie - umrundetes Auge" mit Werken von Christiane Just und Andreas Hegewald in der Alten Feuerwache Loschwitz, Fidelio-F.-Finke-Straße 4, zu sehen.

Bis 16. März, Rahmen & Bild, Bautzner Landstraße 28, Di-Fr 10-13 und 15-18 Uhr, Do bis 19 Uhr

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 01.03.2012

Jürgen Schieferdecker

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