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Ein "Lexicon" und anderes - Sächsische Landesärztekammer zeigt Werke von Frank Voigt

Ein "Lexicon" und anderes - Sächsische Landesärztekammer zeigt Werke von Frank Voigt

Der Name Frank Voigt (geb. 1946 in Dresden, Diplom der HGB Leipzig 1974) ist mit Werktiteln wie "HomoGen", "Android" oder "de.formation" verbunden. Und bei den "100 sächsischen Grafiken" 2012 widmete er sich modernen "Argonauten".

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Frank Voigt: Aus der Folge Lexicon, 2013; Digitaldruck auf Collage, 40 x 56 cm.

Quelle: Repro

Der Künstler arbeitet mit Grafik beziehungsweise Computergrafik, ausgeführt auf unterschiedlichen Materialien, Video- oder (seit 1995) Computerinstallation und auch plastischen Formen. Sein Thema ist der existenziell gefährdete Mensch in unterschiedlichen, oft erst im Ergebnis sichtbaren Bedrohungssituationen. Mögliche Deformationen durch technische Entwicklungen werden ebenso thematisiert wie machtgesteuerte Beeinflussungen des Individuums oder ganzer Menschengruppen. Sichtbar gemacht werden die Themenstellungen oft an "Köpfen", die an Kontur und menschlichem Ausdruck verlieren, künstlich erscheinen. Mit Arbeiten wie diesen erweist sich Frank Voigt als ein in der Zeit stehender, kritisch die Entwicklungen verfolgender und sich dazu positionierender Beobachter.

Schon in den 1980er Jahren hatte er das mittels der klassischen Medien Malerei und Grafik getan - seit 1982 oft auch in Partnerschaft mit Wolfgang Petrovsky. Zusammen gefunden hatten sie über die Auseinandersetzung mit der jüngeren deutschen Geschichte - besonders der Nazidiktatur - bis hinein in die Familienerzählungen. Es ging um Geschichtsvergessenheit, Machtbesessenheit, Massenbeeinflussung und existenzielle Bedrohung. In zahlreichen Arbeiten verband sich zudem das Gedenken an die Zerstörung Dresdens am 13. Februar 1945 mit den durch die Hochrüstung verursachten neuen Bedrohungen der 1980er Jahre - etwa in dem von beiden geschaffenen, expressiven Gemälde "Höllenfahrt" (1983/84), das in seiner Zeitlosigkeit bis heute wirkt. Ebenfalls in diesem Kontext entstandene Collagen und Montagen "verraten" formale Impulse durch Schwitters oder Heartfield. Aber auch eine Serie Harlekin-Bilder Voigts, die um 1986 entstand und malerisch einen Bezug zu Rouault zeigt, beeindruckt noch heute. In ihr mag die eigene Befindlichkeit, das Lebensgefühl der DDR-Endzeit, auf eine verallgemeinerte Ebene gehoben sein.

In jüngerer Zeit - dies spiegelt die Ausstellung "Collagen + Montagen" in der Sächsischen Landesärztekammer - ist in Frank Voigts Schaffen ein höheres Maß an spielerischen Momenten eingezogen, sichtbar etwa in Serien wie "ROSA" oder den "Versteinerungen". Eine interessante Übergangsform bilden als Computercollagen entstandene "Köpfe", die mit Form und Farbe jonglieren. Der Kopf ist zugleich auch Gegenstand herkömmlicher Collagen, die aus den unterschiedlichsten Papiermaterialien zusammengesetzt sind und sich farblich im Spektrum Schwarz-Rot-Gelb-Ocker-Weiß bewegen.

Derzeit scheint nun die "Lexicon"-Folge zu einem großen Projekt zu werden. Aus unterschiedlichsten älteren Nachschlagewerken und illustrierten Büchern werden mehr oder weniger nach dem Zufallsprinzip und ästhetischen Gesichtspunkten Motive zu einem Bild zusammengestellt. Es wird konventionell und digital montiert, collagiert, gedruckt. Ergebnis sind zum genauen Hinschauen reizende Arbeiten, die teils skurril, aber sehr ästhetisch wirken. Hier ist sie wieder - die Freude am spielerischen Moment. Frank Voigt genießt eine neue künstlerische Freiheit durch die Verbindung aller ihm zur Verfügung stehenden Möglichkeiten: des Computers, der traditionellen Collage, des freien Spiels mit der Farbe oder mit Schriftelementen. Auslöser der Arbeit am "Lexicon" war einer der Frank Voigt immer wieder beschäftigenden Wettbewerbe oder Aufträge für Kunst am Bau, in diesem Fall des Wissenschaftsministeriums. Auf der Suche nach etwas Adäquatem kam er auf die Idee, Motive aus verschiedenen Wissensgebieten zu verbinden. Inspiriert zu diesem freien Umgang, der nicht unbedingt auf einen Zusammenhang aus ist, sondern vom Motiv ausgeht, hat ihn der "Atlas" von Gerhard Richter. Auch zu frühen Arbeiten eines Einheimischen, jenen von Anton Paul Kammerer, sieht er Bezüge.

Gleichwohl - auch in der aktuellen Ausstellung ist der sich politisch positionierende Künstler Frank Voigt nicht total ausgespart. Mehrere größere Arbeiten, teils im Computer generiert, collagiert, partiell übermalt, tragen den Titel "Big Brother" (2006). Von ihnen geht etwas Bedrohliches aus, wirken die zentral platzierten Köpfe, teils auf muskulösem Oberkörper, doch einerseits gewaltvoll und andererseits sehr anonym, nicht menschlich. Es ist eine geheimnisvolle Kraft dargestellt, deren Gestaltform durchaus die inhaltliche Dimension eines "Big Brother" erfüllt.

Waren diese Arbeiten eigentlich eine nachträgliche Reminiszenz auf die Staatssicherheit und ihre Praktiken der Ausspähung, so eröffnet die wie immer zeitunabhängige, aber nicht positionslose Darstellung weitere Dimensionen. Frank Voigts "Big Brother" kann ebenso die NSA meinen. Positionierung, wo es notwendig ist, aber auch Freude an den Dingen an sich, eben Spiel, zeigen sich als wesentliche Determinanten im Schaffen des Künstlers.

iBis 18. Mai, Mo bis Fr 9 bis 18 Uhr,

www.slaek.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 08.05.2014

Lisa Werner-Art

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