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Ein Leben für die Oper: Christine Mielitz wird 65

Ein Leben für die Oper: Christine Mielitz wird 65

Christine Mielitz, ein Leben für die Oper? Das klingt beinahe plakativ - und trifft den sprichwörtlichen Nagel doch direkt auf den Kopf. Christine Mielitz hat ihr Leben dem Musiktheater gewidmet.

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Christine Mielitz

Quelle: Bernd Thissen dpa

Aufgrund ihrer Herkunft konnnte sie vermutlich gar nicht anders. Ihr Vater war Konzertmeister in Chemnitz, sie ist mit Musik aufgewachsen.

Für ihre Karriere hat Christine Mielitz die sächsische Heimat alsbald verlassen und studierte ab 1968 Opernregie an der Berliner Hochschule für Musik Hanns Eisler, wo Koryphäen wie Götz Friedrich und Harry Kupfer ihre wichtigsten und prägendsten Lehrmeister wurden. Ersterer verließ wenige Jahre danach das Land gen Westen und wurde später Generalintendant der Deutschen Oper Berlin. Letzterer, der noch immer zu den bemerkenswertesten Opernregisseuren Deutschlands zählt und in den 60er Jahren Oberspielleiter im damaligen Karl-Marx-Stadt war, holte die junge Frau erst zu einem Praktikum, dann als seine feste Assistentin an die Dresdner Oper, wo er von 1972 bis 1981 als Operndirektor tätig war.

Hier durfte Christine Mielitz das Musiktheater-Handwerk als Oberspielleiterin gründlich kennenlernen und inszenierte unter anderem die Uraufführung "Abu Said" von Eberhard Eyser sowie Repertoirestücke von Dvorák, Gluck und Mozart. Noch immer im Spielplan ist ihr 1983 herausgekommener Publikumsrenner "La Bohème" von Giacomo Puccini. Aus demselben Jahr stammt Mielietz' erstaunlich aktuell gebliebene Sicht auf "Lohengrin" von Richard Wagner, den das Publikum im vergangenen Jahr zum 200. Geburtstag des Dichter-Komponisten wieder erleben durfte. Und selbstredend gehört ihre just im Oktober 1989 atemraubende Inszenierung des "Fidelio" zum bleibenden Erbe ihrer Dresdner Jahre. Eine solch mutige Umsetzung der einzigen Oper von Ludwig van Beethoven - in der Kerkerszene ein Gefängnishof mit Stacheldraht, Suchscheinwerfern und Betonmauern wie ein Abbild grausiger Realität - war damals ein beklemmender Aufschrei, der noch heute wirkungsvoll ist.

Im selben Jahr ging Christine Mielitz an die Komische Oper Berlin und kehrte erst in diesem Jahr mit Schostakowitschs Kammerstück "Moskau, Tscherjomuschki" mal wieder nach Dresden zurück. Als Gastregisseurin ist sie heute an den Staatsopern von München und Wien (wo sie 1991 mit Schostakowitschs "Lady Macbeth von Mzensk" an der Volksoper debütierte) ebenso gefragt wie auch außerhalb von Europa.

Wichtige Stationen der Opernfrau sind Meinigen (1998-2002) und Dortmund (2002-2010) gewesen, wo sie jeweils erfolgreich als Intendantin gewirkt hat. Unvergessen ist ihr von Alfred Hrdlicka ausgestatteter "Ring", der 2001 in Meiningen herauskam und dort (wie einst von Wagner gewünscht) an vier aufeinanderfolgenden Abenden aufgeführt wurde. Wagner spielte auch in Dortmund eine große Rolle, ebenso kam dort die Moderne von Alban Berg bis hin zu Hans Werner Henze zu ihrem Recht. Auch die für Dresden geplante Uraufführung "Das Treffen in Telgte" von Eckehard Mayer nach der gleichnamigen Novelle von Günter Grass wurde in der Ruhr-Metropole realisiert.

"La Bohème" in der Bielitz-Inszenierung wird am 30.12. sowie im Januar, Februar und März wieder in der Semperoper gezeigt.

Michael Ernst

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