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Ein Künstlerleben hat sich in Dresden vollendet: Zum Gedenken an Werner Wittig

Ein Künstlerleben hat sich in Dresden vollendet: Zum Gedenken an Werner Wittig

Nun ist es doch so gekommen: Werner Wittig - der von so vielen geschätzte Grafiker und Maler - hat in der Nacht vor Silvester Stichel und Pinsel für immer "aus der Hand gelegt".

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Die Zeichnung Ute Wittigs von ihrem Mann Werner Wittig trägt den Titel "Werner lesend" und stammt aus dem Jahr 1998.

Quelle: Repro: Katalog

Denkt man zurück, scheint die heitere Ausstellungseröffnung in der dem Künstler seit gut vier Jahr- zehnten vertrauten Kunstausstellung Kühl im Februar 2013 wie gestern gewesen. Wittig schlug dort einen Bogen von den realistisch gehalte- nen Stadtsujets aus den 1950ern zu den imaginierten malerischen Kompositionen der späten Jahre. Und natürlich zeigte er eine größere Anzahl der für ihn typischen Holzrisse, aber auch zahlreiche jüngste Übermalungen und Überzeichnungen älterer Algrafien (eine Technik, die er besonders in den 1980er Jahren verfolgte).

Kein Mann der großen Formate

Wie immer beeindruckten die gleichermaßen den einfachen Dingen des Lebens verpflichteten Arbeiten mit ihren mitunter etwas surreal anmutenden Kompositionen zwischen Landschaft und Stillleben. Man spürte die mit dem Alter offensichtlich wachsende spielerische Freude des Künstlers, immer wieder neue Arrangements aus Feldsteinen, Häusern, überdimensionalen Äpfeln, Birnen, Schnecken, Kästchen, Zitronen, manchmal Blumen, Gläsern und wehenden Blättern zu schaffen. Gleichwohl: Jedes dieser Arrangements, egal ob in Holz gerissen oder gemalt, ist auf seine Art ein Gleichnis für das Leben, das Gewordensein und das Vergehen - ein Welt-Bild. In der Summe ist mit den Jahren ein äußerlich zurückhaltendes - das große Format etwa war Wittigs Sache nicht -, sehr wohl aber ansehnliches und anerkanntes Lebenswerk entstanden. Sein spezifisches Gepräge erhält es durch die markant schwarz-weißen (die ersten entstanden 1969), ab Mitte der 1970er Jahre häufig auch farbigen, oft zart-"japanisch" anmutenden Holzrisse.

In zahlreichen Werken glaubt man sogar, eine mediterrane Aura zu spüren. Die dürfte ihre Grundlage nicht nur in einer 1985 möglich gewordenen Italienreise haben, sondern ebenso in der sanft-sonnigen Weinberglandschaft der Lößnitz. Hier hatte der am 25. Oktober 1930 in Chemnitz geborene Künstler seit 1961 in einem aufgegebenen Steinbruch zusammen mit seiner Frau, der Künstlerin Ute Wittig, sein Zuhause. Wer einmal mit Werner Wittig die vielen Stufen hinauf zum kleinen Atelier am Berghang gestiegen ist, dürfte ein Gefühl dafür bekommen haben, wie "große" Landschaft und nahe Natur an diesem Ort den Künstler berührten und sich schließlich in seinen Holzrissen - die entstanden vor allem dort oben - zu welthaltigen Bildern formten.

Aber nicht nur die Landschaft, sondern auch frühe Begegnungen mit den Radebeuler Malerkollegen Paul Wilhelm und Karl Kröner sowie dem Alt-Trachauer Theodor Rosenhauer befruchteten ihn. Von diesen kamen Impulse der gerühmten Dresdner Malkultur. Im Grafischen schöpfte Werner Wittig zunächst aus der Klassik Hans Theo Richters, nahm allerdings bald von der Figur Abschied. Zudem hatte er wohl schon sehr früh ein exzellentes Gespür für Material, besonders Holz. Jede Maserung, jedes "Astauge" wurde mit zum Element der Bildgestaltung.

Seine ersten künstlerischen Schritte hatte Werner Wittig, der - für die Nachkriegszeit gut nachvollziehbar - erst einmal das nahrhafte Bäckerhandwerk lernte, durch einen Arbeitsunfall aber einen bleibenden Schaden an den Händen erlitt, Ende der 1940er/50er Jahre in Chemnitz unternommen. Damals war auch der verdienstvolle, nach 1945 wieder in sein Amt eingesetzte Direktor der Kunstsammlungen der Stadt Friedrich Schreiber-Weigand auf ihn aufmerksam geworden, hatte ihn wohl zum Kunststudium in Dresden (1952-1957) ermutigt. Neben dem bereits erwähnten Hans Theo Richter waren hier Erich Fraaß und Max Schwimmer seine Lehrer. Freunde fand er in Dieter Goltzsche und Claus Weidensdorfer.

Bei vielen Grafik-Biennalen in Europa und Japan

Erste Anerkennung wurde Werner Wittig 1958 mit der Verleihung des Max-Pechstein-Preises der Stadt Zwickau zuteil. Mehr als 40 Jahre und einige Preise später sollte der von der Sächsischen Akademie der Künste verliehene Hans-Theo-Richter-Preis folgen. Ausstellungen an vielen Orten, darunter in bekannten Galerien wie der schon erwähnten Kunstausstellung Kühl und erstmals 1981 bei Döbele in Ravensburg, in Museen wie der Städtischen Galerie Dresden oder dem Museum Morsbroich (Leverkusen) sind ebenso zu verzeichnen wie die Teilnahme an zahlreichen Grafik-Biennalen in Europa und Japan. Viele der bedeutenden deutschen grafischen Sammlungen, darunter in Berlin, Dresden und Stuttgart, sowie Museen und städtische Galerien etwa in Albstadt, Chemnitz, Regensburg, Zwickau sowie im polnischen Krakau besitzen aussagefähige Zeugnisse des grafischen Schaffens Werner Wittigs. Nicht zu vergessen sind zugleich die vielen Wände in Wohnungen, wo Werke des Künstlers zur alltäglichen Freude der Bewohner ihren Platz haben.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 07.01.2014

Lisa Werner-Art

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