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Ein Hörkontakt der besonderen Art - 2Cellos mit Konzert in der Lukaskirche Dresden

Ein Hörkontakt der besonderen Art - 2Cellos mit Konzert in der Lukaskirche Dresden

Die Verlockung war schon ziemlich groß, einmal den "Highway to Hell" in der Lukaskirche zu betreten. Im Gepäck nichts anderes als 2Cellos und zwei Kroaten, die ihre Instrumente zersägen, und man selbst sollte durchaus geneigt sein, alle blasphemischen Gedanken auszuschalten und das Wohlergehen des Abendlandes nicht unbedingt an die Allüren einer Coverband zu koppeln.

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Stjepan Hauser und Luka Šulic (v.l.) sägten, klopften und stampften als 2Cellos auf ihren Instrumenten.

Quelle: Martin Förster

Gut, 2Cellos haben sich in den letzten Monaten zu den angesagtesten Klassikduetts gemausert, ihre Onlineauftritte quittieren die klickwilligen Fans mit tausenden Zugriffen auf Youtube und verhelfen dem Duett zu einer Ehre, die ihm wohl ohne die weltweite Verbreitung von Musikclips via Netz kaum widerfahren wäre.

Luka Šulic und Stjepan Hauser sind ohnehin nicht ganz normal, im positiven Sinne des Hörers. Sie besuchten die besten Hochschulen, die Royal Academy of Music in London bzw. das Royal Northern College of Music in Manchester, und tragen somit die Klassikkronen auf ihren Häuptern, schütteln diese während ihrer Konzerte derartig, das sämtliche Kronjuwelen die Fassung verlieren müssten und das Publikum ordentlich durchgerüttelt wird. Das Duett hat mit einer klassischen Konzertkultur so wenig am Hut wie die Sex Pistols mit Wagner. Trotzdem hielten sie Einzug in den Olymp der Mainstreamakteure. Eine Tatsache, die durchaus verwundert und Fragen aufwirft.

2Cellos sprechen ein Publikum an, welches wohl kaum zu einem Konzert mit Kurt Cobain gegangen wäre, solange er in den 90ern "Smells like Teen Spirit" einer verwirrt dreinschauenden Masse entgegenbrüllte. Nehmen sich die 2Cellos das entsprechende Stück 20 Jahre später vor, dann taugt es dazu, die große Kunst zu erklären. Das sind dann immer die schmerzhaften Momente, denn Hit folgte auf Hit, ob da Bonos U2-Klassiker "With or Without You" abgefeiert oder die Popschublade weit aufgerissen wurde - es spielt bei einer Coverband kaum eine Rolle. Mit künstlerischer Distanz knöpften die beiden Cellisten sich alles vor, was bei drei nicht vom Notenständer gesprungen war oder ihnen ein verlockendes Angebot unterbreitet hatte. So unterstrichen sie den Klassikpop von Lang Lang ebenso wie die Feuerzeugnummer Elton Johns, mit beiden Gastspielen sind sie berühmt geworden, und wer mit Šulic und Hauser etwas anfangen kann, der schöpft seine Erfahrungen in erster Linie aus diesem Potpourri.

All diese Eindrücke schwangen bei dem Konzert permanent mit, das machte es nicht gerade leicht, um sich den Charme zu erschließen, aber mit etwas Mühe sollte es funktionieren. Die beiden Protagonisten waren in jedem Falle gewillt, etwas Besonderes zu vollbringen und den Musikhorizont zu erweitern. Dieses Anliegen gelang ihnen, um ehrlich zu sein, bereits mit dem ersten Anstrich. Um sich herum bauten sie keine sonderliche Staffage auf, betraten fast schon schüchtern die Bühne und tasteten sich langsam an ihr Publikum heran.

Erst im zweiten Teil des Konzerts, als das Eis tatsächlich geschmolzen war, provozierten sie mit geübter Hand und befuhren tatsächlich den "Highway to Hell", den Altar im Rücken, die Kerzen an der Seite und über ihnen das Kirchenfenster. Das Ganze ließ eine gewisse Situationskomik aufkommen, entbehrte aber nicht der nötigen Achtung und der erforderlichen künstlerischen Raffinesse, wenn beide Musiker sich durch ihre Celli sägten, trommelten, klopften, zupften, stampften und bogen. Für manche Arrangements half der Drummer Dušan Kranjc den Songs auf die Sprünge, nicht vordergründig, sondern dezent und gefällig, und so gelang es, dass die Streicher permanent Herren des Geschehens waren und ihr Publikum verzaubern konnten.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 19.03.2013

Stephan Wiegand

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