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Ein Glücksspiel? - "Goldene 20er" ist das Motto der Dresdner Musikfestspiele 2014

Ein Glücksspiel? - "Goldene 20er" ist das Motto der Dresdner Musikfestspiele 2014

Alles neu für den Mai! Für den Mai 2014. Die Dresdner Musikfestspiele sind gestern mit einem neuen Auftritt im Internet gestartet, haben ihr Programm fürs kommende Jahr vorgestellt und setzen mit dem neuen Motiv zum Thema "Goldene 20er" mehr denn je auf das Glück.

Reales Programmheft ebenso wie die virtuelle Präsenz und wohl bald die Plakate und Anzeigen werden von Ausschnitt eines Roulettespiels geziert.

Zielsicher ist die weiße Kugel vor der schwarzen 20 platziert - ob dies ein Glückstreffer ist, wird das 1978 gegründete Musikfestival im kommenden Frühjahr beweisen müssen. In der Zeit vom 23. Mai bis zum 10. Juni zur 37. Saison. Geht es nach Intendant Jan Vogler, dann sollte schon jetzt alles gewonnen sein, denn er präsentierte glückstrahlend ein Programm, von dem er augenscheinlich bis in die letzte Haarspitze überzeugt zu sein scheint. Was ja eine wichtige - und seine Mitstreiter sowie diverse Partner aus Wirtschaft und Politik durchaus mitreißende - Voraussetzung für den Erfolg ist. Wiewohl der Cellist mit dem Blick aufs gewagte Bild vom Roulette einräumte, Inspiration lasse sich nicht vorhersagen. Muss sie auch nicht, wenn sie nahezu einem Perpetuum Mobile gleich beständig erzeugt wird.

Mit drei weiteren Blicken zurück und einem ganz weit nach vorn wusste Vogler das nur vordergründig festgelegt scheinende Motto "Goldene 20er" zu erklären. Man sollte in der Tat nicht nur an die oft verklärten Zwanziger Jahre des vorigen Jahrhunderts denken, denn wie aus einer Laune Fortunas hat sie um 1620 Claudio Monteverdi das Genre Oper in die Welt bringen lassen, einhundert Jahre später stand Johann Sebastian Bach im Zenit seines Schaffens, um 1820 schufen Beethoven und Schubert unsterbliche Werke.

Die Musikfestspiele 2014 sollen diese Stationen inhaltlich reflektieren und zugleich schon mal vorausschauen, was wohl die 2020er Jahre künstlerisch hervorbringen mögen? "Wir hoffen auf 2020!" postulierte Jan Vogler am gestrigen Tag. Und er meinte für die möglicherweise nächste Eruption einer Hochzeit der Kunst in den 20ern gewiss keine gesellschaftlichen Zerrüttungen, wie sie vor 1920 dem Willen zu Neuanfang und Zerstreuung vorausgegangen sind. Sein Satz "Inspiration lässt sich nicht vorhersagen" bekommt da einen ganz neuen Sinn.

Erstmals sollen daher mit dem Projekt "Bohème 2020" künftige kreative Prozesse schon jetzt angeregt werden. Nach einer in Bälde abgeschlossenen Auswahl werden zehn junge Künstlerinnen und Künstler unterschiedlicher Bereiche gekürt, denen die Chance eingeräumt wird, in den Musikfestspielen 2014 ein Podium zu finden. Noch in diesem Herbst sollen die Beteiligten vorgestellt werden und mit "Bohème 2020" beginnen können. Über diverse Medien und Netzwerke, so der Plan Voglers, könne das Publikum schon in der Vorbereitungsphase teilhaben, wie die Künstler sich und ihr wachsendes Werk präsentieren.

In der so gründlich überarbeiteten Netzpräsentation wäre es nun sinnvoll gewesen, das Publikum auf die programmatischen Pfeiler der jeweiligen 20er gezielt hinzuweisen. Es hätte dann freilich rasch entdecken müssen, dass dem 17. Jahrhundert lediglich ein Monteverdi-Konzert von Les Arts Florissants in der Frauenkirche gewidmet sein wird. Für die 1720er Jahre ist das Angebot wesentlich reichhaltiger. Den Schwerpunkt bildet Bach, es gibt einiges von Vivaldi (darunter eine Barocklounge sowie ein Kinderkonzert mit den "Vier Jahreszeiten") und die Würdigung zum 300. Geburtstag des heute fast vergessenen Gottfried August Homilius. In der Riege der Kreuzkantoren dürfte er wohl der bedeutendste Komponist gewesen sein. Im Kooperation mit dem Verein Mitteldeutsche Barockmusik erklingt dessen "Messias".

Der als Netzwerker bekannte Musikfestspiel-Intendant setzt natürlich auch die Kontakte mit Sächsischer Staatskapelle und Dresdner Philharmonie fort, bindet Kruzianer, Staatsoperette und Elbland Philharmonie mit ein, holt einmal mehr "The Knights" aus New York als Stammgäste nach Dresden. Orchesterkonzerte werden vom Leipziger Gewandhaus sowie vom hr-Sinfonieorchester gegeben, bereits zur Eröffnung wird die Staatskapelle Berlin unter ihrem Chef Daniel Barenboim mit Wagner und Strauss zu hören sein. Die beiden Komponisten mit dem Vornamen Richard bleiben Dresdens "Hausgötter" auch unabhängig von Jubiläen, doch da auf Wagners 200. der 150. von Strauss folgt, hält man mit dessen einaktigem Singgedicht "Feuersnot" noch eine besondere Rarität bereit. Als Koproduktion mit der Semperoper wird die halbszenische Produktion vom 2012 gegründeten Festspielorchester ausgerichtet, das bekanntlich auf historischem Instrumentarium musiziert. Originalklang für ein 1901 in Dresden uraufgeführtes Werk? Dafür hat Jan Vogler das kostbare Wort vom "Farbspektrumserweiterungsversuch" parat, mit "wir graben vor Karajan" macht er auf dieses Herangehen neugierig.

Vielversprechend bewirbt Vogler auch das Dresden-Debüt von Mark Morris und seiner 1980 gegründeten Dance Group. Der Tanz sei als Gattung ziemlich vernachlässigt worden, wenn die Festspiele in der Tanzstadt Dresden da nun etwas beisteuern wollen, dann müsse es was Besonderes sein, so Vogler. "Mark Morris ist im besten Sinne des Wortes besessen!" Wer will, könne dies bei zwei Auftritten und einem Profi-Workshop im Schauspielhaus sowie bei einem öffentlichen Warm-up im Zwinger gern überprüfen.

Die Dresdner Musikfestspiele sollen ihrem Intendanten zufolge an der Sozialisierung der Menschen mitwirken und dürfen sich dabei auf die öffentliche Unterstützung verlassen, um ein "solides und gutes Festival" zu realisieren. "Für ein wirklich herausragendes Programm brauchen wir aber die Hilfe von Sponsoren", strahlte Jan Vogler und verwies auf die feste Verbundenheit mit einer breiten Riege von Unternehmen. Möge deren kulturelle Gewogenheit anhalten und ihre Wirtschaftskraft "Goldene 20er" bescheren.

www.musikfestspiele.com

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 17.09.2013

Michael Ernst

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