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Ein Gesamtkunstwerk: Helene Fischer war zwei Mal im Stadion Dresden zu Gast

Ein Gesamtkunstwerk: Helene Fischer war zwei Mal im Stadion Dresden zu Gast

„Atemlos“ klang es immer noch „durch die Nacht“ – lauthals in den Abend geschleudert von zahlreichen vorbeiziehenden und ganz offensichtlich glücklichen Menschen - als Helene Fischer eine Stunde vor Mitternacht mit Polizei- und Securitybegleitung durch einige am Backstageausgang des Stadions wartenden Fans in die Dresdner Nacht fuhr. Knapp zweieinhalb Stunden lang begeisterte die Sängerin zuvor ein erstes von zwei jeweils 25 000 Fans zählendes Publikum mit ihren eigenen und auch fremden Hits.

Und falls es einen Wettergott gibt, war der dieses Mal der Künstlerin wohlgesonnen, denn erst nach Ende ihres umjubelten Auftritts zog das vorhergesagte Unwetter und Regen auf.

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Helene Fischer sang im Stadion Dresden. 25.000 Fans feierten ihre Show, Glasperlenspiel trat als Vorband auf.

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Wird Dresden jetzt zur „Schlager-Hauptstadt“? In diesem Jahr gibt’s am Elbufer gleich vier Mal Roland Kaiser zu erleben – und vorher doppelt im Stadion „unsere“ Helene. Rund 100 000 Tickets für den Schlager allein in dieser Stadt!

Und wenn Helene Fischer von einem „Phänomen“ singt, dann geht es (vielleicht unbewusst, aber definitiv) auch um sie selbst. Was die 30-Jährige in den vergangenen Jahren erreicht hat, ist in Deutschland beispiellos. Der beste Beweis dafür ist ihr Auftritt am vorgestrigen Abend in Dresden. Hier wird geklotzt, kleckern überlässt sie anderen. Eine Armee an Mitarbeitern und Technikern sorgt dafür, dass es ordentlich kracht, dass Papierschlangen fliegen, Feuerfontänen hoch schießen, Funken fliegen, Nebelschwaden wabern, es donnert und kracht, sich eine gigantische Lichtorgie in Szene setzt und auch noch das Publikum mit einbezogen wird.

Mehr geht nicht. Die Bühne selbst strotzt vor Gigantomanie, mit ihrer mehr als 50 Meter Breite und fast 20 Meter Höhe beherbergt sie auch mehrere Videoprojektionsflächen, auf denen jedes Geschehen auf der Bühne in Großaufnahme zu sehen ist. Ein ringförmiger Laufsteg zu einer kleinen Plattform ermöglicht Nähe zum Publikum und wird reichlich genutzt.

Was hier geboten wird, ist schon lange nicht mehr allein mit dem Begriff „Schlager“ zu bezeichnen. Den Fans der Sängerin ist das eh egal. Helene Fischer wird eher als Gesamtkunstwerk wahrgenommen, das nicht mehr nur in der Schlagerecke beheimatet ist, sondern sich auch Ausflüge in Rock und Pop, in Disco und sogar Klassik leisten kann. Ihr gelingt es an diesem Abend mühelos, die Generationen ebenso zu einen wie den Akademiker und die Hausfrau. Neben ihren eigenen Liedern wie „Und morgen früh küss ich dich wach“ und „Ein kleines Glück“ streut die Sängerin immer wieder geschickt Coverversionen unterschiedlichster Couleur ein. Egal ob sie singt „Ich wollte nie erwachsen sein“, sich im Jeansanzug bei Westernhagens „Sexy“ lasziv auf einem roten Sofa räkelt, provozierend zu Grönemeyers „Männer“ um den Laufsteg läuft, oder zu „Simply The Best“ rockt – ihre Fans sind bei ihr, singen mit, tanzen, klatschen und johlen. Ganze Chöre hallen textsicher durch das Stadionrund, woher können die nur alle Texte? Wirklich bis in den hintersten Winkel setzt sich die Stimmung fort – und die Energie, die von der Bühne kommt. Ihre stilistische Offenheit lässt die Band nicht einmal vor rockigen Zitaten aus Led Zeppelins „Kashmir“ zurückschrecken, während die Sängerin wieder einmal in der Umkleide ist. Als sie wiederkehrt, geht sie in die Lüfte, singt „Von hier bis unendlich“, schwebend hoch über den Köpfen ihrer Zuhörer.

Spätestens am Ende des Liedes wird sie jedem Fan auch im entlegensten Winkel einmal tief in die Augen geblickt haben. Unten am Boden laufen indes T-Shirt-Verkäufer durch die Reihen – und die Fischer landet auf der B-Stage, wo die Musiker schon auf sie warten und mit einem kleinen Akustikset „Lagerfeuer-Romantik“ verbreiten.

Jede Sekunde der Show ist designed und durchgestylt, kein Raum für Patzer oder Halbherzigkeit in der Ausführung. Perfektion in jeder Hinsicht. Dazu immer wieder einLächeln auf der Großbildleinwand für die Fans und – aller Hitze und Anstrengungen zum Trotz – kein Schweißtröpfen im Gesicht der Sängerin. In einer rosaroten Blüte schmachtet sie mit geschlossenen Augen „Everything I do“, und rechtzeitig zu den Worten „I Do It For You“ gibt’s den sexy Augenaufschlag in Großaufnahme dazu. So wird Show heute gemacht! Natürlich ergreift diese romantische Ballade auch die Zuhörer, überall verträumte Blicke, Paare liegen sich in den Armen.

Irgendwann sagt Helene Fischer „Heute ist es wirklich ein perfekter Abend.“ Um das noch zu steigern, gibt es, ganz zeitgemäß, die Handy-App, die zu den Klängen des Cooley/Davenport-Klassikers „Fever“ gestartet wird und das Stadion rundum in flackernde bunte Lichter, ausgesendet von Handydisplays, taucht. Das beeindruckt auch die Künstlerin, obwohl sie letztendlich selbst dafür verantwortlich ist.

Warum aber wird das Lied, auf das auch in Dresden alle warten, in die Zugaben-Riege verbannt? Klar, dass niemand das Stadion verlässt, bevor die Sängerin nicht „Atemlos“ gesungen hat – das Lied, das ihre Karriere in neue Höhen trieb und wohl auch das alles hier erst möglich machte. Und während Helene Fischer a cappella die ersten Verszeilen singt, erschallt immer wieder ein 25 000-faches „Oh Oh“. Auch das funktioniert. Aber was kommt als nächstes?

Andreas Weihs

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