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Ein Geburtstag und andere Bezüge - Weitere Vorspiele um das Amt des Dresdner Domorganisten

Ein Geburtstag und andere Bezüge - Weitere Vorspiele um das Amt des Dresdner Domorganisten

Januar in der Hofkirche! Ob den beiden Bewerbern diesem Tag bewusst war, dass sie ihr Vorspiel für die Bewerbung um den Platz auf der Orgelbank an Gottfried Silbermanns 332. Geburtstag absolvierten? Die Notenbände gründlich nach "regionaler" Orgelmusik durchforstet hatte zumindest Sebastian Freitag, der mit einem Programm antrat, dass neben Bach auch Werke von Weyrauch, Homilius und Merkel enthielt.

So etwas erlebt man tatsächlich selten, und speziell die Orgelkompositionen von Johannes Weyrauch machen sich mittlerweile (leider) rar. Am Beginn des in sich schlüssigen Programms, das der 1986 geborene und in Paderborn tätige Musiker spielte, stand Bachs Passacaglia c-Moll. Im vollen Werk und nachdrücklich gestaltend, spielte Freitag mit bemerkenswerter Energie und unvermittelt mitreißend. Dass nicht alles blitzsauber gelang, war dem Eilen in der Fuge geschuldet. Nicht nur Bach wusste der Organist musikantisch, geradezu freudig zu spielen. Weyrauchs lebhafter Partita "Singet frisch und wohlgemut" gab er mit reizvollen Registrierungen und atmendem Vortrag etwas, das mit Esprit am besten beschrieben ist.

Um diese Farben zu finden, muss sich Sebastian Freitag eingehend mit den Registern beschäftigt haben. Der Choral "Schmücke dich, du liebe Seele" von Homilius geriet eine Idee zu schnell, ganz anders dagegen am Schluss von Hoforganist Gustav Adolf Merkel die Ouvertüre c-Moll. Eine großartig abgedunkelte, voluminöse, aber mit Licht versehene Registrierung und prächtiges, würdevolles Spiel beendeten einen Vortrag, der sehr anregend wirkte.

Rolf Müller, Organist in Altenberg

Im vollen Werk eröffnete auch Rolf Müller, 1972 geboren und Organist am Altenberger Dom (Bergisches Land), sein Programm. Bachs Fantasie g-Moll erklang souverän gespielt, doch auch etwas abgeklärt und mit manchen Manierismen durchsetzt. Die Fuge dazu war so schnell begonnen, dass der Organist sich selbst jede Chance vergab, ohne größere Patzer hindurch zu gelangen. Die unabgedeckte Trompete für den cantus firmus in Bachs Choral "Christ, unser Herr, zum Jordan kam" war eine unschöne Nachlässigkeit der Registrierung. Auch Müller griff zu Musik von Merkel, nahm allerdings den Beginn des Allegro-Fuga aus der Sonate d-Moll so wuchtig, dass der Wind schluckte. Im Weiteren blieb sein Spiel auch hier nur mäßig spannend und kam erst am Ende der Fuge zu mehr Intensität. Musikalisch am interessantesten spielte der Organist schließlich Petr Ebens "Hochzeit von Kana" mit kräftiger Bewegung, gleichwohl etwas geglättet im Ausdruck.

Iris Rieg aus Köln

Eine interessante Verbindung Bachs mit dessen älteren Kollegen gelang Iris Rieg, die den dritten Vorspielabend am Donnerstag eröffnete. Die in Köln als Dozentin und als Musikerin freischaffend tätige, ebenfalls 1972 geborene Organistin zeigte ab dem ersten Takt, dass sie gewohnt ist, in großen Räumen zu spielen. Mit außerordentlich durchgebildetem, konturiertem Spiel bot sie eingangs Bachs Fantasie und Fuge g-Moll so dar, dass tatsächlich jede Note zu verfolgen war. Doch hierin lag durchaus das Problem, dass ihr großräumiges, kontrolliertes Spiel begleitete: Die Musik wie unter der Lupe betrachtend und im Gleichmaß doch schleppend verlor sich die Spannung in Iris Riegs Vortrag immer wieder, nachdem sie am Beginn jedes Stückes Interesse zu wecken wusste. Und trotz interessantester Registerwahl, die das Instrument außergewöhnlich erschloss, zwang sie so Sweelincks Partita "Mein junges Leben hat ein End" und Muffats Toccata nona einen Personalstil auf, der im durchgehaltenen non legato eine Überzeichnung hatte, in der die Akzentuierung von Details regelrecht verhindert wurde. Lediglich beim Impromptu von Louis Vierne, mit dem sie ihr Programm beschloss, ließ Iris Rieg in dieser Hinsicht Musik und Orgel entspannter wirken.

Christian Müller aus Passau

Den Schluss machte Christian Müller, der bereits bei den Vorspielen von 2008 vertreten war. Der 1976 geborene, mittlerweile in Passau tätige Kirchenmusiker verzichtete als einziger auf einen Helfer beim Registrieren und Wenden der Noten, was zwar dem Alltag des Organisten entsprach, aber merkbar einen Teil der Konzentration beanspruchte. Dass Müller den Urvater von Bachs Kontrapunktik zitierte, war der vielleicht stärkste Punkt seine Programms: Frescobaldis Toccata und Canzona zur Apostelmesse waren sehr klar gestaltet und gültig registriert. Der inhaltliche Bezug über den stilistischen Mittler Buxtehude stellte sich in Johann Sebastian Bachs Toccata und Fuge E-Dur her, bei der Christian Müller jedoch deutlich technische Mühen hatte. Der erste Satz aus Hindemiths Sonate Nr. 2 und der erste aus Rheinbergers Sonate Nr. 4 entschädigten danach musikalisch, wobei vor allem das letzte Werke den thematischen Bogen zum Beginn des Programms schloss und im Spiel in der gekonnt dargebotenen Steigerung überzeugend war.

Auch der letzte Abend des dreitägigen Vorspiels hatte damit deutliche Kontraste aufzuweisen. Noch bleibt das Spiel im Gottesdienst zu absolvieren, und darüber hinaus gehört zum Amt des Domorganisten mehr, als an den Orgeltasten zu gefallen. Die Wahl wird spannend.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 17.01.2015

Hartmut Schütz

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