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Ein Fest für den Tanz in Dresden - Das Semperoper Ballett in Hochform

Ein Fest für den Tanz in Dresden - Das Semperoper Ballett in Hochform

Mitunter muss man einfach den Atem anhalten, man traut seinen Augen nicht, eine Choreografie wie "Enemy in the Figure" soll schon 25 Jahre alt sein? Unmöglich! William Forsythes Spiel mit Licht und Schatten auf der Bühne, die nur von einem Scheinwerfer erhellt wird, der von den Protagonisten immer wieder anders positioniert wird, wirkt an diesem Abend frischer denn je.

Total abgedreht die clownesken Momente in schwarz-weiß, die alle Fantasie für das Spektrum der Farben dazwischen in den Kopf der Zuschauer projizieren. So wie Licht und Schatten wechseln, so wechselt das Tempo für die elf exzellenten Tänzerinnen und Tänzer zu den Klangcollagen von Tom Willems. So endet dieser triumphale Premierenabend für das Semperoper Ballett, an dessen Anfang ebenfalls eine Produktion von Forsythe aus dem Repertoire der Kompanie steht. Auch in der "Artifact Suite" von 2004 spielt der Choreograf mit unserer Fantasie und Vorstellungskraft. Immer wieder lässt er den Vorhang herunterfahren und den Tanz in unseren Köpfen weitergehen. Unterbrochen, oder auch nicht, werden so die Szenen der großen Gruppe von 43 Tänzerinnen und Tänzern, die Vanja Vitman mit ihren exakten Anweisungen per Handzeichen in immer neue Formationen führt. Das kann recht heiter wirken, wenn die Gruppe immer wieder mit sportlich gymnastischem Anspruch sich neu ordnet zu Anweisungen, die etwas von der poetischen Faszination der Zeichensprache auf Kommandobrücken großer Schiffe haben.

Von Forsythe als Meister vieler Formen des Pas de deux gibt es noch mehr zu bestaunen an diesem Abend. Jetzt zwei Paare, die durch Eleganz und Exaktheit der Gegensätzlichkeit ihrer Vorgaben zu Bachs Chaconne aus der Partita No. 2, BWV 1004 d-Moll und zur Klaviermusik von Eva Crossmann Hecht allen Raffinessen dieser Varianten vor allem persönliche Ausstrahlung geben. Natalia Sologub und Oleg Klymyuk, Yumiko Takeshima und Raphaël Coumes-Marquet werden dafür gefeiert.

Erstmals in Dresden an diesem Abend William Forsythes "Neue Suite". Eine so unterhaltsame wie faszinierende Lektion in Sachen Pas de deux, gekonntem Umgang mit klassischen Formen, deren Ursprünge und Traditionen es zu achten und zu kennen gilt, bevor man sie verändert, ohne Geist und Sinn zu zerstören. Wie das geschieht, wie Können die Kunst befördert, wie der abstrakte Tanz in unseren Köpfen eine Flut von Bildern und Assoziationen entstehen lässt, erlebt man in diesen Kostbarkeiten mit den Paaren der Solisten und ersten Solisten. Keine Miniatur gleicht der anderen. Chantelle Kerr und Claudio Cangialosi zur Musik von Händel mit den aberwitzigen Führungen der Arme bis in höchste Konzentration der Hände. Exaktheit und Eleganz müssen sich nicht widersprechen, man sieht es bei Elena Vostrotina und Oleg Klymyk zu Musik von Bach. Eine funkensprühende Abfolge, bei der Temperament und Klarheit der Linien zusammengehen, bieten zu Luciano Berios Duetti für 2 Violinen Julia Weiss und István Simon oder Anna Merkulova und Jirí Bubenícek, letzterer auch im Schlussstück des Abends in Höchstform. "Slingerland Pas de deux" von 1990 strahlt in neuem Licht mit Yumiko Takeshima und Raphaël Coumes-Marquet. Als Uraufführung die Neufassung "New Sleep" von 1987 aus San Francisco, gänzlich staubfrei, jugendlich, voller Temperament, mit dem nötigen Maß an Sensibilität, bei verblüffender Exaktheit höchst individuell, mit Anna Merkulova und Jón Vallejo.

Ein großer Abend für den Tanz, auch als Beitrag im Rahmenprogramm der 10. Tanzplattform Deutschland. Es ist nicht mehr zu übersehen ist, die Spezialisten für den Klassiker Forsythe tanzen in Dresden.

Aufführungen: 2., 10. und 16. März; 12. und 18. Mai, Semperoper

www.semperoper.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 27.02.2012

Boris Michael Gruhl

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