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Ein Dix-Gemälde, einst im Besitz des Dresdner Stadtmuseums, wird in Berlin versteigert

Ein Dix-Gemälde, einst im Besitz des Dresdner Stadtmuseums, wird in Berlin versteigert

Eine Schar von zehn schwarzen Krähen ist es, die, formal die wellenförmige Struktur der Ackerschollen aufnehmend, auf dem Gemälde "Sonnenaufgang" von Otto Dix auszumachen sind.

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Otto Dix: "Sonnenaufgang", 1913.Repro: Villa Grisebach

Zum Horizont hin setzen die spitzen Zacken kleiner Fichtenwaldstücke zusätzliche Akzente.

Der "Sonnenaufgang" aus dem Jahre 1913 ist Dix' erstes symbolistisches Landschaftsbild. Das Gemälde sei "nicht mehr wie bisher einfach nur Abbild des Gesehenen, sondern Landschaft als seelischer Innenraum, ursprünglich Widerspiegel seiner persönlichen Erwartungshaltung vor dem Ersten Weltkrieg". Und es sei von einer Kälte, die Dix in keiner seiner ausgezeichneten späten Winterlandschaften in Randegg oder am Untersee überboten hat". versichert sichert Rainer Beck aus Dresden in seinem Aufsatz "Symbolik als Widerspiegel der Zeit. Otto Dix' Gemälde "Sonnenaufgang" aus dem Jahre 1913 - Eine apokalyptische Vorahnung?", der im Katalog einer anstehenden Auktion bei Villa Grisebach in Berlin abgedruckt ist.

Am Donnerstag kommt es nämlich dort zur Versteigerung des Gemäldes, das einst in Besitz des Stadtmuseums Dresden war. Um es sich wenigstens mal anzusehen, ist Gisbert Porstmann, der Direktor der Städtischen Galerie Dresden, am vergangenen Freitag extra nach Berlin gefahren. Porstmann und seine Kustoden bekommen immer Kataloge von Auktionshäusern geschickt, wissen um die Termine von wichtigen Versteigerungen. "Grundsätzlich ist es ja unsere Aufgabe, zeitgenössisch zu sammeln, aber wir bemühen uns auch, retrospektiv Sammlungslücken zu schließen, aber wirklich nur in Ausnahmenfällen", stellt Porstmann klar. "Ich fahre zu vielen Ausstellungen und Auktionsterminen und stehe wie jetzt in Berlin ,weinend' vor den Bildern", sagte Porstmann gegenüber den DNN. Denn Porstmann kann nur gucken, nicht mitbieten, denn der "explizit angewiesene" Ankaufsetat der Städtischen Galerie "beläuft sich auf null Euro". Deshalb versucht Porstmann, "quasi aus meinen Sachkosten" die Komplementärmittel abzuzweigen, die es braucht, um möglichen Sponsoren entgegen zu kommen, die sagen: ,Ich geben ihnen 70 Prozent des Geldes, damit sie ein Bild ankaufen können. Aber die restlichen 30 Prozent müssen sie schon selbst aufbringen.'" Dann kommt es zu Ausnahmen von der Nicht-Kaufen-Können-Regel. Das einst in der NS-Zeit verloren gegangene Aquarell "Akt am Ofen" von Christoph Voll konnte so 2010 für eine Summe von 7310,94 Euro auf einer Auktion in München (wieder-)ersteigert werden.

Obwohl "Sonnenaufgang" die erste Landschaft im Œuvre von Dix sei, "die Natur zeichenhaft umformt und darüber hinaus den künstlerisch krönenden Abschluss seiner Landschaften vor dem Ersten Weltkrieg darstellt", habe sich die Forschung bisher kaum mit diesem Bild befasst, wie Beck verwundert meint. Er hält fest: "Wenn einige Worte darüber verloren werden, dann grundsätzlich mit dem Hinweis auf den Einfluss Vincent van Goghs, dessen Kunst für Dix 1912 anlässlich einer Ausstellung von 41 Gemälden in der Dresdner Galerie Arnold zum Erlebnis wird. Auf dieser Ausstellung war auch das heute im Van Gogh-Museum zu Amsterdam befindliche Gemälde "Weizenfeld mit Krähen", 1890, zu sehen, auf das Dix mit seiner Darstellung offensichtlich Bezug nimmt."

1920 hat Dix hat das Gemälde dem Stadtmuseum Dresden geschenkt. Nicht zuletzt deshalb, weil er dessen damaligem Direktor Paul Ferdinand Schmidt, dem die "grandiose Sammlung zum deutschen Expressionismus" (Porstmann) zu verdanken war, freundschaftlich verbunden war. 1933 wurde das Werk von den Nationalsozialisten konfisziert und auf der Vorläuferschau "Entartete Kunst" ("Spiegelbilder des Verfalls") im Lichthof des Dresdner Rathauses sowie auf weiteren sieben Stationen in ganz Deutschland gezeigt, bevor es dann auf der berühmt-berüchtigten Ausstellung "Entartete Kunst" 1937 im Haus der Kunst München zu sehen war. Die Kunstsammlung des Stadtmuseums besaß dank Schmidt einen "hervorragenden Bestand an zeitgenössischer Kunst mit exemplarischen Werken der wichtigen künstlerischen Strömungen des frühen 20. Jahr­hunderts", erklärt Porstmann. Das war den Nationalsozialisten ein Dorn im Auge, und so waren von den Werken, die in München zur Schau gestellt wurden, auch viele aus Dresden - 48 Gemälde, 40 Grafiken und sechs Skulpturen stammten aus dem Stadtmuseum. Das berühmte Gemälde "Der Krieg (Der Schützengraben)" von Dix, entstanden 1920/23, war ebenso ein Verlust wie Volls Aquarell "Akt am Ofen".

Dix' "Sonnenaufgang" hat wohl die weiteren Stationen dieser Ausstellung nicht mehr mitgemacht, sondern wurde im Depot des Reichspropagandaministeriums in Schloss Schönhausen eingelagert. Um oder kurz nach 1943 wurde es kriegsbedingt zusammen mit anderen Werken von dem mit etlichen Größen des Dritten Reiches in Geschäftsverbindung stehenden und um die Rettung vieler Werke verfemter Künstler bemühten Kunsthändler und Barlach-Freund Bernhard A. Boehmer nach Güstrow ausgelagert. Nach dessen Freitod 1945 hat Wilma Zelck, Vormund des Boehmer-Sohnes Peter, das Gemälde zwischen 1945 und 1947 nach Westdeutschland überführt. Nach seiner Verlegung nach Westdeutschland wurde es von Wilma Zelck oder dem mit ihr damals zusammenlebenden Kunsthändler Albert Friedrich Daberkow an ein Stuttgarter Sammlerehepaar verkauft, welches das Gemälde 1951 zur Auktion in das Stuttgarter Kunstkabinett von Roman Norbert Ketterer einlieferte. Vermutlich bei dieser Lieferung nach Stuttgart wurde das Bild in der oberen linken Ecke beschädigt. Es entstand ein Verlust in der Größe von rund 20 mal 18 Zentimetern. Bereits in nach Röntgenbefund wohl durch Otto Dix selbst ergänztem Zustand (zweiter Originalzustand) tauchte das Werk im November 1951 auf der 14. Auktion des Stuttgarter Kunstkabinetts von Roman Norbert Ketterer auf und wurde für 360 DM an den Stuttgarter Sammler Dr. Hugo Borst versteigert.

Aus einer deutschen Privatsammlung eingeliefert, liegt die nur als Ausgangsbasis zu verstehende Taxe in der Villa Grisebach bei 300 000 Euro. Man sollte allerdings genug Kleingeld einstecken haben, um beim Bietergefecht um dieses Gemälde, das für Beck "im Stilpluralismus des heterogenen Frühwerks dessen expressionistischen Höhepunkt" markiert, mithalten zu können.

Christian Ruf

- George Grosz' Ölgemälde "Der Abenteurer", 1920 angekauft

- Erich Heckels Holzschnitt "Zwischen Dünen", Jahr 1911

- Carl Hofers Zeichnung "Halbakt", erworben 1926

- Wassily Kandinskys Aquarell "Drei freie Kreise"

- Ernst Ludwig Kirchners Lithographien "Kokotte" und "An der Alster", jeweils 1910 entstanden und 1921 angekauft

- Paula Modersohn-Beckers Ölgemälde "Kirche in Worpswede"

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 27.11.2012

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