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Ein Brunnen für das Lingnerschloss

Ein Brunnen für das Lingnerschloss

Seit vergangener Woche thront er auf einem Sandsteinsockel im Zentrum des Westpavillons. Er ist 300 Kilogramm schwer, 1,65 Meter groß und etwa 1,30 Meter breit.

Von anne ortlepp

Seine bronzene Oberfläche schimmert schwarz-grün. In seinem klaren Wasser spiegeln sich die Lichter der Deckenbeleuchtung: der neue Brunnen für das Lingnerschloss.

Er entstand während aufwendiger Restaurationsarbeiten in den zurückliegenden zwei Jahren. Seit 2010 wurde hier die Grundsubstanz des Westflügels von Grund auf erneuert, die stark beeinträchtigten Stellen in Untergeschoss, Terrasse und Dachlandschaft wurden aufgehübscht. So erstrahlen nun die reich bemalte Kassettendecke aus der Entstehungszeit, die klassizistischen Wand- und Deckenmalereien im Bereich der Kolonnaden und des westlichen Pavillons sowie die bildhauerisch bearbeiteten Dachbekrönungen und Zierelemente der Sandsteinfassaden in neuem Glanz. Am Mittwoch soll der gesamte Flügel offiziell eingeweiht werden.

Der kleine Brunnen entstand völlig derweil neu. Als grober Gipsklotz hatte er seine Karriere in der staubigen Werkstatt der Dresdner Kunstgießerei Ihle begonnen. Dorthin kam die Bildhauerin Eva Backofen Anfang September. Im Gepäck hatte sie lediglich zwei Fotografien des ursprünglichen Brunnens und einige Zeichnungen. Nach diesen Vorbildern und mit Hilfe von vier starken Männern wurden zunächst die Grundkörper des Brunnens - also Fuß, Becken und Spitze - aus großen Gipswürfeln gedreht und anschließend im Atelier der Künstlerin bildhauerisch veredelt. Unter anderem erhielt der Rand des Beckens eine Rankenverzierung. Henry Schiezelt, Mitarbeiter der Kunstgießerei, verrät Details der mühsamen Arbeit: "Weil die Zeit so knapp war, fertigte die Künstlerin ein gesondertes Stück verzierten Randes, das wir dann einfach vervielfachten und aneinanderfügten".

In Form gebracht, kamen die Gipskörper wieder zurück in die Gießerei und wurden in ofengerechte Stücke geteilt. Erst dann aber begann der wirklich komplizierte Teil: Die Gipskörper wurden in Silikon abgeformt und nachdem dieses getrocknet war, wieder entfernt. Übrig blieb also sozusagen ein Negativbild der ursprünglichen Form aus Silikon, ein Hohlraum, dessen Innenwände nun mit Wachs bestrichen wurden.

Nachdem auch das Wachs getrocknet war, nahmen die Dresdner Kunstgießer die feste Wachsform vorsichtig heraus und bestrichen sie von innen und außen mit einem Gemisch aus Ton, Ziegelmehl und anderen erdigen Substanzen. Diese sogenannte Schamotte landete anschließend bei etwa 600 Grad im Ofen. Dabei verdampfte das Wachs und der entstehende Hohlraum konnte schließlich mit 1200 Grad heißer Bronze befüllt werden. Nach sechs Stunden war das Metall abgekühlt, der Brunnen quasi fertig.

Dann konnten auch die Feinarbeiten am Brunnen beginnen: Die einzelnen Teile wurden wieder zusammengeschweißt, Nähte und überstehende Reste abgeschliffen. Zum Schluss erhielt der Brunnen seinen eigentlichen Charakter. Henry Schiezelt und seine Kollegen schweißten die Verzierungen, die Eva Backofen unterdessen auf die gleiche Weise wie die Grundkörper hergestellt hatte, an: Akanthusblätter und anderes Rankwerk, vier kleine Löwenhäupter und vier Mädchenköpfe. Und hier bietet sich noch eine kleine Besonderheit: Während die Löwenköpfe größtenteils ihrer Fantasie entsprangen, gehören zu den Mädchenköpfen vier junge Frauen aus Dresden, die für die Bildhauerin Modell saßen.

Zuletzt wurde der Brunnen natürlich noch auf seine Funktionalität geprüft und zum Lingnerschloss transportiert. Dort kann sich nun ab Mittwoch jeder selbst davon überzeugen, ob das Wasser auch ordnungsgemäß aus den Löwenmündern und aus den kleinen Karaffen der Mädchen fließt.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 11.12.2012

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