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Ein Blick ins umfangreiche Depot der Dresdner Puppentheatersammlung

Ein Blick ins umfangreiche Depot der Dresdner Puppentheatersammlung

Etwas traurig hängen sie in Reih und Glied, die vielen hundert Marionetten. Die Zeiten, in denen sie an ihren Fäden hängend lustig über die Theaterbühne tanzten, sind längst vorbei.

Doch während nicht wenige andere Holzpuppen auf dem Müll landeten, als sie ausgedient hatten, gibt es diese wenigstens noch. Darüber freut sich besonders Lars Rebehn, Konservator der Dresdner Puppentheatersammlung, die zu den größten und bedeutendsten Sammlungen ihrer Art auf der Welt zählt.

Der größte Teil der Objekte stammt aus Sachsen. Doch auch Exoten wie beispielsweise Puppen aus Usbekistan oder Indonesien sind mit dabei. Wie viele Stücke es genau sind, vermag Rebehn nicht zu sagen. Aber er ist auf einem guten Weg dahin, es bald zu wissen. Seit 2008 sind mehrere Mitarbeiter mit der Inventur beschäftigt. Jedes Einzelteil muss katalogisiert werden. "Es gibt rund 40 000 Inventarnummern", berichtet Rebehn. "Mal ist es eine einzelne Puppe, mal ein ganzes Bühnenbild mit vielen Einzelteilen, mal nur ein Zeitungsartikel." Dies sei enorm schwierig zu zählen.

In den 1960ern habe man zwei Theater angekauft, deren Teile aber nicht katalogisiert worden sind. So etwas erschwert heute natürlich die Arbeit. Auch aus den Lebensläufen der Puppenspieler, über die das Theater verfügt, lassen sich nicht immer Rückschlüsse ziehen. "In unserem Bestand gibt es beispielsweise zweimal Bruno Wünsch, den Onkel und seinen Neffen". Und die muss man erst mal auseinanderhalten. Da sind Experten gefragt. "Wenn alles erfasst ist, rechne ich mit rund 80 000 bis 100 000 Datensätzen", schätzt Rebehn. "Doch wir finden 98 Prozent mit dem ersten Handgriff", berichtet er stolz.

Die vielen Teile verstecken sich an allen Ecken und Enden des Depots. Neben dem Raum voller Marionetten existieren ganze Schränke mit Holzköpfen, die man an die Puppen im Tausch gegen einen anderen Kopf anbringen kann und dadurch einen ganz neuen Charakter erhält. "Allein das Theater Ritscher mit seinen 100 Marionetten und den Tauschköpfen macht mit Bühnenbildern und sonstigem Zubehör insgesamt 4000 bis 5000 Teile aus", so Lars Rebehn. Auch Unmengen von Papiertheater- und Schattenspielfiguren zählen zur Sammlung.

Neben weiteren Lagerräumen und Werkstätten findet sich ein Raum, der dem Theater mundi gewidmet ist. Es war bis zu seiner Verdrängung durch das Kino um 1900 auf jedem Jahrmarkt vertreten, erzählt Rebehn. Dieses "mechanische Welttheater" bestand aus bunten Figuren, die auf Laufschienen über die Bühne gezogen wurden. Von den Schienen und der teils komplizierten Mechanik bemerkte der Zuschauer nichts, sie waren verdeckt.

In ihrem Archiv verfügt die Puppentheatersammlung zudem über 150 laufende Meter an Akten. "Letztendlich haben wir einen Buchhalterjob", bemerkt Lars Rebehn. "Wir verwalten das Objekt und seine Geschichte." Zwar gehört die Puppentheatersammlung zu den Staatlichen Kunstsammlungen, aber "wir sehen uns als ein kulturhistorisches Museum, nicht als Kunstmuseum", berichtet er über das Selbstverständnis der Einrichtung. Sie ist ein weitgehend eigenständiger Teil des Museums für Sächsische Volkskunst.

Die Puppentheatersammlung ging aus der Privatkollektion des Leipziger Puppentheater-Historiographen Otto Link hervor, die 1952 verstaatlicht wurde. Bis 1953 war sie im Gartenhaus am Hotel Bellevue untergebracht, anschließend bis 1959 im heutigen Kulturrathaus an der Königstraße. Bis 2003 diente das Radebeuler Hohenhaus als Domizil, dann folgte der Umzug in den evangelischen Teil der Garnisonkirche in der Albertstadt, wo sich das Depot über mehrere in den 1960er Jahren durch die Kulturverwaltung Dresden eingezogene Zwischenetagen ausdehnt. All dies sind und waren jedoch nur Provisorien. "Unser Traum ist eine eigene Ausstellung im Kulturkraftwerk Mitte", merkt Rebehn an. Es gebe "vielversprechende Zeichen".

Bis dahin könne er weiterhin nur rund ein Prozent aus dem riesigen Fundus im Jägerhof ausstellen. Das Depot ist bis auf ein, zwei Öffnungstage im Jahr, darunter beim Tag der offenen Albertstadt, für die Öffentlichkeit unzugänglich. Während übrigens die älteste Puppe wahrscheinlich schon über 200 Jahre auf dem Buckel hat, sind die jüngsten Teile von 2009. "Wir sammeln weiter", blickt Rebehn voraus.

Im Jägerhof zeigt die Puppentheatersammlung heute ab 18.30 Uhr das Schattenspiel "Die Geschichte von Poldi" mit Jana Schmidt und Detlef Kaminsky von der Polizeidirektion Dresden. Es ist ab einem Alter von vier Jahren geeignet. Der Eintritt ist frei. Um telefonische Vorbestellung wird gebeten unter Ruf 0351/8 38 75 71 oder per E-Mail an post@puppentheaterfreunde.de

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Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 06.12.2011

StS

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