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Ein Außenseiter erfindet sich neu: "Prinz Bussel" als Uraufführung an der Semperoper Dresden

Ein Außenseiter erfindet sich neu: "Prinz Bussel" als Uraufführung an der Semperoper Dresden

Bemerkenswert ist, was man von der jüngsten Premiere der Semperoper - einer Uraufführung! - mit nach Hause nimmt. Neben den bunten Bildern und einer ebenso farbenprächtigen Musik im Kopf ist es diesmal kein Programmheft, sondern eine CD.

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Die sieben Schwestern machen es Prinz Bussel (Gala El Hadidi) schwer.

Quelle: Matthias Creutziger

Darauf ein kurzweiliger Querschnitt dieser Produktion von Manfred Weiß (Libretto) und Johannes Wulff-Woesten (Komposition), das Cover beinhaltet die üblichen Informationen, die sonst dem gedruckten Exemplar zu entnehmen wären. Eine hübsche Idee. Und lang nicht die einzige.

Denn dass sich Manfred Weiß vom Kinderbuch "Prinz Bussel" der niederländischen Autorin Joke van Leeuwen inspirieren ließ und daraus die ebenso witzig wie moralisch komprimierte Geschichte des Außenseiters Josofus strickte, der neben seinen sieben (!) Schwestern einfach nicht zum Zuge kommt, ist schon eine wunderbare Voraussetzung zum Erfolg dieses Stückes. Dass Johannes Wulff-Woesten auf dieser Grundlage eine so lustig wie luftig leichte, nie aber banale Partitur für Kleinstorchester, Kinderchor und mehr als einem Dutzend Solisten schuf, öffnet den Zugang zu derart modernem Musiktheater. Und wie die Ensembles der Sächsischen Staatsoper Dresden mit diesem Projekt umgehen, das beweist die Ernsthaftigkeit der Jungen Szene, das Publikum von morgen und übermorgen ins Theater zu holen.

Wer die Premiere dieser Uraufführung erlebt hat oder eine der Folgeaufführungen besucht, wird das Ergänzende solcher Unternehmungen nicht bestreiten können. Zumal die aufmerksame Anteilnahme von Kindern, Eltern und Großeltern sowie der begeisterte Jubel aller für sich sprechen. Hier wird so spielerisch wie seriös die Zukunft der Gattung ausprobiert.

Wie sollte auch anders auf dieses quicklebendige Musiktheater reagiert werden, in dem die farbenfrohe Klangpracht der Komposition Wulff-Woestens ebenso überzeugt wie dessen inspirierendes Dirigat seiner musicalhaften Szenenfolge? Das hierfür zusammengewürfelte Orchester mit wenigen Streichern, Harfe, Schlagwerk, Saxophon und E-Gitarre wirkte ebenso gut präpariert wie der Kinderchor der Staatsoper, der quirlig über die einstige Probebühne (jetzt Semper 2) huschte. Vor allem aber gefielen da die sieben namhaft besetzten Schwestern (Romy Petrick, Norma Nahoun, Valda Wilson, Christiane Hossfeld, Andrea Ihle, Angela Liebold und Julia Böhme) sowie deren Brüderchen Josofus (Gala El Hadidi). Eine Hosenrolle mit Anspruch. Der Knabe will mitsingen, wenn die Königin Geburtstag hat. Doch seine neonfarben kostümierten Schwestern weisen ihn ab. Er singt aber trotzdem und kommt daraufhin ins Auffanghaus für Kinder, das von der "Bärfrau" Christa Mayer geleitet wird.

Dort bekommt Bussel, der längst seine Ähnlichkeit mit der rosafarbenen Monarchin erkannt hat, einen Froschkopf aufgesetzt. Alle anderen Kinder tragen Kaninchen. Die Andersartigkeit und der Umgang damit sind die wesentlichen Faktoren in dieser gut einstündigen Oper. Bleibe authentisch und liebe, dies könnte als Motto darüberstehen.

Josofus versucht, genau diese Haltung zu leben. Da seine bunten Schwestern ihn, den unauffällig schwarz-weiß gekleideten Knaben, ins Abseits stellen, erfindet er sich rosarote Träume. Wie Gala El Hadidi mit ihren wunderschönen Augen rollt, springlebendig über die kleine Bühne quirlt und auch mal einen Handstand wagt, das unterstreicht exakt dieses Rollenspiel. Sie nimmt die königlichen Sicherheitsleute ebenso auf die Schippe wie die vorherrschende Ja-Sagerei dieser rosigen Nation. Das Glück ist, wie zu erwarten, auf Bussels Seite. Denn während er wegen falscher Beschuldigungen im Kerker sitzt, legt sich dichter Nebel aufs Königreich. Der Prinz, der ja eigentlich gar keiner ist, weiß die Schleier zu lüften. Und darf daraufhin endlich auch ins Schwesternseptett einstimmen. Alles wird gut.

Alles singt auch gut. El Hadidi mit ziemlich wandelbarem Mezzo, die Schwestern wunderbar keifend geziert, Sabine Brohm als Königin staatstragend freundlich und Christa Mayer so gestreng wie liebevoll.

Regisseurin Valentina Simeonova und Ausstatterin Lena Lukjanova haben die Essenzen von "Prinz Bussel" mit frischem Spiel in feschen Farben bestens bedient. Glänzende Kinderaugen und tosenden Beifall konnten sie ernten dafür. Natürlich nicht nur wegen der mitgegebenen Programmheft-CD.

Aufführungen: heute, 30. April, 2., 3., 5., 24., 26. und 28. Mai, 8. und 9. Juni

www.semperoper.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 29.04.2013

Michael Ernst

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