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Eckart von Hirschhausen als „Wunderheiler“ in der Dresdner Messe

Lieber Täuschung als Enttäuschung Eckart von Hirschhausen als „Wunderheiler“ in der Dresdner Messe

Lang währt der Streit zwischen Schul- und Alternativ-Medizin. Und da betätigt sich Eckart von Hirschhausen, der nun in der Messe sein Programm „Wunderheiler“ vorstellte, gern als Vermittler. Gibt es Wunder in der Medizin? Hirschhausens Antwort: Ja, als wunden Punkt der Medizin.


Quelle: dpa

Dresden. „Back to the Roots“, zurück zu den Wurzeln, so halten es mitunter jene, die zu der Ansicht gelangt sind, dass es so wie bisher einfach nicht weitergehen kann. Die einen wählen dann einen Mann, der versprochen hat, das Land wieder groß zu machen, andere tauschen Job, Partner(in) und Auto, wieder andere entdecken je nachdem Gott, den Sozialismus oder den Sport für sich. Und oft führen sie, sich und ihr Verhalten allein selig machend wähnend, auch Glaubenskriege. Ein solcher ist hierzulande nicht zuletzt der zwischen Schul- und Alternativ-Medizin. Und da betätigt sich Eckart von Hirschhausen, der nun in der Messe sein Programm „Wunderheiler“ vorstellte, gern als Vermittler. Gibt es Wunder in der Medizin? Hirschhausens Antwort: Ja, als wunden Punkt der Medizin.

Hirschhausen spielt nun aber nicht einfach quasireligiöse Alternativ- gegen sich für sakrosankt haltende Schulmedizin aus. Dr. Spaß setzt eher auf ein Sowohl-als-auch. „Der Wert einer Alternativ-Medizin hängt nicht zuletzt davon ab, was die Alternative ist.“ Bei dem Streifzug auf der Suche nach Wundern, ob nun mit oder ohne Globoli, Schüßler-Salzen oder Bach-Blütentherapie erzielt, therapiert Hirschhausen die Zuschauer zudem – zurück zu seinen Anfängen als Magier gehend – mit in Jugendjahren antrainierten Zaubertricks, die der Entertainer mit Erkenntnissen wie „Die Leute lieben die Täuschung mehr als die Enttäuschung“ garniert. Trotzdem ist er so frei, darauf hinzuweisen, dass auch jedes Schmerzmittel der Pharmaindustrie einen hohen Anteil an Psychologie enthält.

Neugierig fragt Hirschhausen, der wieder allerlei Interaktion mit dem Publikum einbaute, wer denn im Saal im Gesundheitswesen arbeitet – und sorgt auch dafür, dass die Menschen im Saal, die in der Pflege tätig sind, einen großen Applaus bekommen. Es ärgert ihn zutiefst, dass an diesen Leuten gespart wird bis zum Umfallen, dass zunehmend keiner mehr Pfleger mehr werden will – und das in einer völlig überalterten Gesellschaft, in der es immer mehr Pflegefälle geben wird. Auch diese ständige Kosten-Nutzen-Rechnerei stößt ihm sauer auf, dass in den Kliniken die BWLer und nicht die Ärzte das Sagen haben. Es wird für Hirschhausen in Deutschland eindeutig zu viel operiert und zu wenig nach Antworten auf die Frage gesucht, welchen Wert Glaube, Liebe Hoffnung haben.

Das geradezu philosophisch anmutende und eher an ein Seminar erinnernde Programm beruht nicht zuletzt auf eigenen Erlebnissen. „Das Tollste an dem Beruf, ich muss mir nichts ausdenken“, versichert der zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit vermittelnde Entertainer, der beileibe nicht immer auf einen Lacher abzielt: „Es gibt auch Anliegen ohne Pointe!“ Auf Lacher verzichtet definitiv auch sein Plädoyer pro Einwanderung. Seine Familie ist baltendeutscher Herkunft, stammt aus Estland, die sich nach 1945 eine neue Existenz aufbauen musste. Aber natürlich fehlte es nicht an viel bekicherten Sätzen wie „Ist die Frau glücklich, ist der Mann glücklich – weil er denkt, er hätte was damit zu tun.“ Hirschhausens Sache ist nicht das Politiker-Bashing der Kabarettisten oder das Frau-Mann-„Ding“ der Comedians, sondern der besorgte wie humorvolle Blick auf Leib und Seele. Dieses Thema hat er, das ist sein Verdienst, für die Komik salonfähig gemacht und en passant das medizinische Kabarett begründet.

Hirschhausens Komik hat mit der ärztlichen Kunst zumindest schon mal eines gemeinsam: Das genaue Hinschauen, ergänzt um etwas Diagnostisches und Therapeutisches. Er weiß aber auch: Zwischen dem Bewusstsein, dass einem die Gesundheit was wert sein sollte, und dem eigenen Verhalten besteht eine Diskrepanz, die Leute gehen – durchaus zu seinem Kummer – mit ihrem Auto liebevoller um als mit ihrem eigenen Körper. An sich wissen die Leute ja, was ihnen guttut – die Frage, warum sie es dann nicht tun, kann auch er nicht ganz einfach beantworten. Eigene Bequemlichkeit? Er räumt ein, dass er bei der ärztlichen Empfehlung „Abnehmen! Mehr Bewegung!“ auch schon mal lieber eine zweite Meinung eingeholt hat.

Von Christian Ruf

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