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Eberhard Göschel zum 70. - Große Ausstellung des Dresdner Malers im Loschwitzer Leonhardi-Museum

Eberhard Göschel zum 70. - Große Ausstellung des Dresdner Malers im Loschwitzer Leonhardi-Museum

Pünktlich zu seinem heutigen 70. Geburtstag ist im Loschwitzer Leonhardi-Museum eine große Ausstellung von Eberhard Göschel mit dem Titel "Neue Bilder" zu sehen, das heißt an dem Ort, mit dem sein künstlerischer Lebensweg sehr eng verbunden war.

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Eberhard Göschel

Quelle: Lothar Sprenger/Leonhardi-Museum

1974 bis 1978 war er hier Leiter der Arbeitsgruppe von Künstlern, die im Auftrag des ostdeutschen Künstlerverbandes Ausstellungen organisierten. Und zwar mit freier und interessanter Kunst, was logischerweise in der gemaßregelten Kulturlandschaft zu ständigen Reibereien mit allen Institutionen führte, die glaubten, etwas dazu zu sagen zu haben - bis zur Staatssicherheit und natürlich auch dem eigenen Verband. Außerdem fanden hier 1975 und 1981 zwei seiner frühen Einzelausstellungen statt.

Malerei ist bei Göschel ein Prozess, ein Bild ist erst fertig, wenn es das Atelier endgültig verlassen hat

1943 im bayrischen Bubenreuth bei Nürnberg geboren, zog er noch im gleichen Jahr ins sächsische Königstein. Nach Abitur und Gebrauchswerberlehre in Pirna studierte er an der Dresdner Kunsthochschule, wo sein wichtigster Lehrer Herbert Kunze war. 1977 bis 1980 war er Meisterschüler der Berliner Akademie der Künste bei Theo Balden, seit 1992 ist er Mitglied des Deutschen Künstlerbundes und seit 1996 Mitglied der Sächsischen Akademie der Künste. Er lebt in Dresden und im sächsischen Fürstenau. Ausführliche Biografien sind im Katalog der Galerie Neue Meister der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden 1994 und dem der Ausstellung "Chemnitzer Konvolut" der Kunstsammlungen Chemnitz 2004 zu finden. Seine letzte große Ausstellung in Dresden war jene im Albertinum 1994.

Göschel war von Beginn an Vollblutmaler, der sich von nichts und niemandem von seinem Weg abbringen ließ. Frühe Werke erinnern in Kolorismus und Haltung etwas an Theodor Rosenhauer, den er sehr verehrte. Zu seinem großen Freundeskreis gehörten unter anderen die Maler Peter Graf, Peter Herrmann und Ralf Winkler (A.R. Penck). Im Laufe der siebziger Jahre bewegte sich seine Malerei mehr und mehr in einen konzeptuellen Trance-Zustand: Landschaften, Stilleben und Akte waren nur noch im Nebel ahnbar. Sie waren auch nicht mehr wichtig, Priorität gewann das Malerische an sich in zarten Gelb-, Grün- und Ockertönen. Zu Beginn der achtziger Jahre war der Gegenstand aus seinen Landschaften völlig verschwunden, sie wurden zu reiner Malerei, doch der Gedanke an haptische Begebenheiten blieb starting point der Arbeit.

Gleichzeitig begann er mit plastischen Arbeiten, zunächst figurativen Terrakotten, später großformatigen Ziegelplastiken, aus denen wiederum der Gegenstand verschwunden war und die er in einer alten Ziegelei in der Niederlausitz herstellte. Heute bezeichnet er "Plastiken vielleicht als Abstandhalter", was auch immer das bedeuten mag.

Eine erste größere Ausstellung mit diesen beeindruckenden rötlichen Ziegelton-Skulpturen und großformatigen Gemälden in dunklen Braun- und Blautönen fand 1988 in der Neuen Dresde-ner Galerie statt, wobei der Boden der Galerie mit Sand ausgeschüttet war. Bei der Eröffnung letzte Woche im Leonhardi-Museum überreichte der Dresd-ner Maler Detlef Schweiger Göschel eine Riesaer Streichholzschachtel mit der Aufschrift "Göschel-Sand".

Die Ausstellung in Losch-witz trägt den Titel "Neue Bilder", vereinzelte reichen zurück bis 2005, die meisten sind aber nach 2010 entstanden. In der ständigen Abteilung der Städtischen Galerie Dresden hängt sein Bild "Drift" von 1990. Es ist vom gleichen Format wie einige in der Ausstellung und exemplarisch für seine Bilder Ende der achtziger Jahre. Das dunkle Göschel-Blau ist inzwischen zum Schwarz mutiert, mit vielen (farbigen!) Grau-Abstufungen, andere Farben bilden gelegentlich einen hintergründigen Hauch, der kaum zu registrieren ist. Die Bilder sind serieller und minimalistischer geworden, sie haben sich gewissermaßen von Wagner zu Steve Reich bewegt.

War es in den frühesten gegenstandsfreien Landschaften von 1980/81 noch ein zufälliger Effekt, so setzt er heute serielle, minimalistische Reihungen gezielt ein, die aber in informeller Freiheit vorgetragen werden. Malerei ist bei Göschel ein Prozess, ein Bild ist erst fertig, wenn es das Atelier endgültig verlassen hat. In seinem Statement im Katalog "Neue Bilder" schreibt er abschließend: "Die Bilder werden schwerer, aber das Gewicht wird durch die Leichtigkeit des gelungenen Bildes vollkommen vergessen gemacht. Bis es zwangsläufig wieder übermalt wird."

Wenn man den Rundgang im unteren Raum beginnt, gerät man in eine geballte Ladung von 31 querformatigen Gouachen gleicher Größe, ausgeführt in vielfältigen Technologien. Der Raum wird plötzlich zum Meditationsraum unbestimmter Mythologien, besonders wenn die Spiegelungen durch das Tageslicht ausgeschaltet sind. Nach dem Gang ins Obergeschoss über die Innentreppe betritt man zunächst das Aquarellzimmer mit zehn kleineren Bildern gleichen Formats und Orientierung. Im anschließenden Leonhardi-Saal hängen sechs große Querformate. In den großen Saal sind neun große Hoch- und Querformate nach klassischem Maß und Gesetz eingepasst.

Seine Bilder sind in Öl auf Leinwand ausgeführt und fast alle betitelt wie "Im Sperrgebiet", "Überläufer", "Buckelpiste" oder "Tagtraum", "Binsenweisheit", "Flugobjekt" und "Waldeinsamkeit". In diesen Bildern fließen Lavaströme und brüllen Tsunamis, Zeichenströme verdichten sich zum Informationskollaps, der in sich wieder ästhetischen Reiz gewinnt durch Überwindung aller bisherigen Zahlen, Daten und Sachzwänge. Bilder wie "Spitzenbild (Grasmücke)" oder "Dunkelziffer" sind in "farbigem" Schwarz reliefartig aufgebaut, womit wie auch in den meisten anderen Bildern das Plastische Einzug hält und schwarze Spiegelungen je nach Standort und Beleuchtung die Materie verändern. Es sind gleichsam kosmologische Theoreme in relativistischen Universen, die elementar in Fotografie oder Film nicht mehr abbildbar sind.

Sein Statement beginnt: "Die Abfolge der Bilder gleicht einer Weltreise.". Eberhard Göschels "Malerglück" hat seine Bilder spätestens seit den achtziger Jahren mit großem Erfolg in die Welt geführt... Herzlichen Glückwunsch zum Siebzigsten!

Ausstellung bis 23. Juni, Leonhardi-Museum, Grundstr. 26. Di-Fr 14-18, Sa/So 10-18 Uhr

www.leonhardi-museum.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 28.03.2013

Gunter Ziller

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