Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 6 ° Regenschauer

Navigation:
Google+
Dÿse unplugged in der Groove Station

Dÿse unplugged in der Groove Station

Dÿse unplugged. Halt. Dÿse unplugged? Geht das überhaupt? Kurz: Ja, das geht wunderbar. Das Duo, das sonst für seine lauten und lärmigen Shows bekannt ist, ließ am Freitag die Verzerrer zu Hause und bescherte der gut gefüllten Groove Station ein ganz exklusives Erlebnis.

Gitarrist und Sänger André Dietrich tauschte seine E-Gitarre gegen eine akustische, und Schlagzeuger Jari Rebelein spielte ungewohnt sanft. In der Mitte aufgebaut, scharten sich die Zuschauer in einem Kreis um die Band, die gut aufgelegt einen Querschnitt durch acht Jahre Bandgeschichte zum Besten gab.

Acht Jahre Dÿse bedeutet acht Jahre Wahnsinn. Komprimiert auf einen Konzertabend ergibt das schon eine ganze Menge Wahnsinn. Der beginnt gleich mit dem Stück zum aufwärmen, eine dÿsig-ironische Version von Uriah Heeps Lady in Black, gespielt, um "eine Lagerfeuerstimmung zu erzeugen", wie Schlagzeuger Jari Rebelein erläutert. Das gelingt tatsächlich; man fühlt sich, als ob die beiden Musiker lang bekannte Freunde sind, die sich mal eben ans Feuer setzen, um ihre Songs zu spielen. Dieses Bild ist solange stimmig, bis Dÿse mit ihrem eigenen Stück "Zebramann" loslegen. Das hat man bisher selten am Lagerfeuer gehört. Sich verschiebende Rhythmen, atonale Gitarrenlinien, viel zu lange Pausen, viel zu kurze Songteile und wahnsinniger Gesang - typisch Dÿse. Passend zum Song tritt das Duo mit Bekleidung auf, die zur einen Hälfte ein weißes Hemd und zur anderen ein schwarzes T-Shirt ist. Aus etwas Gewöhnlichem etwas Außergewöhnliches zu machen, das hat die Band sich zur Maxime gemacht. Was André Dietrich aus seiner Akustikgitarre rausholt, klingt, wenn nicht nach drei, so doch mindestens nach zwei Gitarren. Und wie keine Gitarre, die man sonst hört.

Zwischen der Musik lassen sich Dÿse viel Zeit, um mit dem Publikum über dies und jenes zu reden. Meistens artet das in herrlichem Nonsense aus. So unterbrechen die Musiker einen Song, um sich dann gegenseitig mit imaginären Telefonen anzurufen. In diesem "Telefongespräch" geht es dann darum, was man bei dem Unplugged-Konzert in der Groove Station machen könnte, um das zu kurz geratene Set zu verlängern. Die Lösung ist natürlich: ein imaginäres Telefongespräch vorspielen. An anderer Stelle flüstert Dietrich leise: "Kraftklub spielen gerade im Alten Schlachthof. Schön, dass ihr trotzdem hier seid." Und wenn Rebelein zum Song über sein "Kindheitstrauma" anstimmt, singt die ganze Groovestation lauthals und in schiefer Tonlage "Out of tune". Diese kurzen, improvisierten Show-Einlagen zeigen zwei Musiker, die gleich ticken und ihr Publikum zum Mitticken bringen. Dÿse ist nicht nur eine der verrücktesten und besten Bands, die man live erleben kann, sondern auch eine der sympathischsten.

Falk Ulshöfer

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 07.05.2012

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr