Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 12 ° Regenschauer

Navigation:
Google+
Duo Boy begeisterte im ausverkauften Dresdner Beatpol

Duo Boy begeisterte im ausverkauften Dresdner Beatpol

Hier darf man dieses Wort schreiben. Weil Entzückung sagt, was die beiden Musikerinnen hervorgerufen haben beim Publikum im ausverkauften Beatpol.

Voriger Artikel
Das Musikhaus "Opus 61" an der Dresdner Wallstraße ist insolvent, bleibt aber geöffnet
Nächster Artikel
Das Societaetstheater widmet sich Berg, Mankell und Wilde und blickt beim Festival "Off Europa" nach Kroatien

Mit viel Energie und vor allem mit altem Material überzeugten Boy das Publikum im Beatpol.

Quelle: Dietrich Flechtner

Ganz entzückend. Das Deutsch-Schweizer Indiepop-Duo Boy spielte in Dresden. Und man dürfte hier sogar ohne Kitschgefahr schreiben: Verzauberten das Publikum. Wobei dieses schon von Beginn an beseelt war und Valeska Steiner und Sonja Glass zu Füßen lag.

Steiner und Glass machten es sich auch nicht schwer. Sie mieden geradezu ihr neues, kürzlich veröffentlichtes Album "We were here" und spielten von ihrer 2011er Durchbruchplatte "Mutual Friends", was sich spielen ließ. Und natürlich: Die Lieder waren Selbstläufer. "This ist the Beginning" etwa, und "Drive Darling" oder "Boris". Und sie können es sein, weil: "Mutual Friends" ist ein sehr gutes Album.

Die große Frage nach dieser Platte war ja: Konnten sie das mit der zweiten noch mal machen? Die nüchterne Antwort: Nein. Konnten sie nicht. Es hätte was anderes kommen müssen. Vielleicht wissen sie das und drücken sich zur Zeit live vor diesem Nachfolger.

Was halb so schlimm ist, denn die alten Lieder flutschen ja geradezu, und die Dresdner wollten genau das, und auch die beiden vorn auf der Bühne hatten Freude. Man sah es. Freude am Spielen selber - Valeska erzählte, sie seien nach langer Pause wieder live unterwegs. Aber Freude auch, dass die Dresdner sich die Liedzeilen schnappten und mitsangen. Es waren dieses freudige Lachen der beiden, dem man immer noch ein Stück Unfassbarkeit anmerkt, dass die da unten die eigenen Lieder mitsingen, und Valeskas Spontanreaktion "Das ist so schön", die dieses Entzücken hervorriefen. Und man ist fast froh, dass solch eine Empfindung mal wieder sein darf und dazu noch zu guter Musik.

Die Karriere von Boy ist bisher kurz und steil. Valeska Steiner (Gesang, Gitarre) kommt aus der Schweiz. Sonja Glass (Bass, Gesang) aus Hamburg. Beide lernten sich in einem Popkurs der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg kennen und gründeten Boy. Es waren zuerst die Deutschen, Österreicher und Schweizer, die den beiden verfielen. Dann dehnte sich die Tour über zwei Jahre und führte Boy nach Kanada, in die USA und nach Japan. Jetzt, vier Jahre später, dann die zwei Platte.

Überzeugte "Mutual Friends" durch einen erfrischenden Liebreiz und vielleicht noch durch den Überraschungseffekt, dass so guter Indie-Pop aus deutschsprachigen Landen kommen kann, reicht beides für das zweite Album nicht. Hier hätte jetzt irgendwas kommen müssen. Was staunen lässt, was Prägnanz hat, was eigen ist. Denn "Mutual Friends" hatte was Intimes und höchst Ausgereiftes. Als hätten Steiner und Glass jahrelang nur diese Songs gespielt, live und immer, immer wieder.

Und dabei hat sich von selbst herausgeschält, was die Lieder wirklich sind und wie sie tetrisgenau dorthin kommen bei uns Hörern, wo sie hingehören. Was auch passierte im Beatpol, wenn sich alle vor der Bühne verloren in den Melodien von "Amy" oder "Little Numbers" oder "Skin". Songs, die durchaus an die kanadischen Feist erinnern, vor allem Vanessas süßfrische Stimme.

Ihr neues Album "We were here" hingegen verliert sich oft im allgemeinen Verkaufspop, im Seichten bis Belanglosen, steckt fest im Akademischen. Die Songs sind stringent aufgebaut, gut strukturiert, perfekt austariert. "We were here" tut einfach niemandem weh. Nur muss eine Platte wahrscheinlich einigen wehtun, damit es andere jedes Mal umwirft, wenn sie sie hören.

Eine Handvoll Songs wie "Hit my Heart", "Hotel" oder den Opener "We were here" der Platte, mit dem durchaus Boy-typischen Refrain, spielten Steiner und Glass dann auch in Dresden. Zeit hätte es für mehr gehabt, denn nach einer Stunde plus Zugabe war schon Schluss. Das war kurz und prägnant. Es fehlte nichts. Nur dürften die Konzerte zur ersten Platte fast identisch gewesen sein.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 10.09.2015

Robert Kaak

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr