Volltextsuche über das Angebot:

6 ° / -2 ° Regenschauer

Navigation:
Google+
"Dunkle Wege": Die Städtische Galerie zeigt Werke der Dresdnerin Silke Höppner

"Dunkle Wege": Die Städtische Galerie zeigt Werke der Dresdnerin Silke Höppner

Sie nimmt sich die Zeit, die sie braucht, bevor sie eines ihrer Bilder in die Öffentlichkeit entlässt. Und auch dann scheint Silke Höppner oft noch voller Zweifel.

Voriger Artikel
Die Band Kraftklub gibt Zusatzkonzert in Dresden
Nächster Artikel
Sächsische Staatstheater in Gründung - Verbindung von Semperoper und Schaupiel in Dresden

Silke Höppner: Nächtliche Straße, 2010, Besitz der Künstlerin.

Quelle: Franz Zadniek

Die 1966 in Dresden geborene Malerin studierte von 1991 bis 1997 an der Hochschule für Bildende Künste Dresden (HfBK), absolvierte wenig später ein Meisterschülerstudium bei Ralf Kerbach. Wer ihre stillen Landschaftsräume, Architekturen und Interieurs einmal zur Kenntnis genommen hat, wird sie in ihrer Eigenheit nicht so schnell vergessen. Eindrucksvoll sind auch Bilder jüngeren Datums, die sich mit individuellen und gesellschaftlichen Konflikten auseinandersetzen und von denen man im Frühjahr 2010 eine größere Zahl in einer Ausstellung in der Sächsischen Landesärztekammer sehen konnte. Derzeit präsentiert nun die Städtische Galerie Dresden in der jüngeren Künstlern vorbehaltenen Reihe "Neue Galerie" eine kleine Auswahl der Bilder Silke Höppners unter dem Motto "Dunkle Wege" (Dass sie "nebenher" auch ein umfangreiches zeichnerisches und grafisches Schaffen vorzuweisen hat, sei hier der Vollständigkeit halber erwähnt).

Einen Schwerpunkt der Ausstellung bilden klar aufgebaute, in gedämpfter Farbigkeit gehaltene Landschaften sowie sparsame Interieurs, die in ihrer meditativen Stimmung an die "schwarzen" Werke Berliner Malerei der 1950er Jahre erinnern. Grundlage dieses Bildausdrucks ist eine fein abgestimmte Farbgebung zwischen Braun, Grau, Schwarz, Weiß und Graugrün. Vielleicht ist diesen Farbklängen denn auch der Ausstellungstitel zu verdanken.

Für eine weitere Charakterisierung der Bilder könnte man als Beispiel "Das Zimmer" (2001) nennen. Nur wenige Möbelstücke, darunter ein Tisch, markieren den in Grau bis Schwarz gehaltenen Raum. Licht bringt hier eine gemalte kleine weiße Kanne. Wunderbar auch, um ein weiteres Beispiel zu nennen, das Bild "Der Letzte Abend" (2001). Es vermittelt jene Melancholie, die wohl schon jeder empfunden hat, wenn eine schöne Zeit zu Ende geht. Geschaffen wird diese Stimmung mittels der "Bild-Konstruktion": Man blickt in ein fast leeres Zimmer mit Schaukelstuhl und Panoramafenster, vor dem sich eine weite Landschaft mit Meer und Himmel am Horizont hinbreitet. Dass man angesichts dieses Werkes an Bildkonstruktionen der Romantik erinnert wird, die häufig auf diese Art die Verbindung zur "Welt" herstellen, ist sicher kein Zufall.

Zu nennen ist in diesem Zusammenhang auch Silke Höppners malerisch und stimmungsmäßig beeindruckendes Bild "Bögen" (womöglich eines Doms) von 2009, unter denen man im dämmrigen Licht eine angedeutete kleine, einsame Gestalt entdeckt. Das Werk steht an der Schwelle zu einem sichtbar veränderten malerischen Duktus in jüngster Zeit. Das ausgeprägt Flächige erhält - beispielhaft nachvollziehbar etwa an einer "Nächtliche(n) Straße" (2010) - ein eher durchscheinendes, räumliches Erscheinungsbild, das erleuchtete Schaufenster, Straßenlicht und glänzenden Asphalt suggeriert. Das Bild reflektiert eine der tausendfach erlebten und auch fotografierten Innenstadtszenen nach Geschäftsschluss mit hell strahlenden Schaufenstern und fehlenden Flaneuren. Ein wenig wärmer als in den Jahren zuvor wirken übrigens die Farben - dank rötlicher Töne im Braun. Abgeschlossen wird die Schau mit dem Bild "Der beschwingte Poet" (2010), dessen Titel im Widerspruch zum Gesehenen zu stehen scheint: läuft hier doch ein Mann mit offener Jacke und Gewehr durch einen Wald - wie auf einer Treibjagd oder Schlimmerem.

Bei diesen und anderen Bildern - in der Sächsischen Landesärztekammer zeigte die Malerin auch Motive mit Polizei- und Militäreinsätzen, Volksaufläufen, Kardinälen und dem Papst - wird deutlich, dass Silke Höppner dabei ist, ihren Spielraum zu erweitern. In den Medien Gesehenes und Gehörtes, das das Konfliktpotenzial unserer Zeit betrifft und im Gedächtnis haften bleibt, formt sie zu Szenerien, die zwar keine konkreten Sachverhalte spiegeln, solche aber zum Hintergrund haben und deshalb sehr gegenwärtig-real wirken. Gleichwohl fühlte sie sich in Vorbereitung dieser Ausstellung malerisch damit offensichtlich noch nicht ganz "fertig", weshalb sie dieses sehenswerte, etwa über ein Jahrzehnt reichende Spektrum von ihren ruhigen, reduzierten Landschaften bis zum "beschwingten Poeten" spannte. Es lohnt sich, diese interessante, manchmal vielleicht zu zurückhaltende Künstlerin im Blick zu behalten.

Bis 4. März, Städtische Galerie Dresden, Di bis Do, Sa und So 10 bis 18 Uhr, Fr 10 bis 19 Uhr.

www.galerie-dresden.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 21.02.2012

Lisa Werner-Art

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr