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"Dunkel und Licht": Die dritte Ausstellungsfolge des Künstlerbundes Dresden

"Dunkel und Licht": Die dritte Ausstellungsfolge des Künstlerbundes Dresden

Mit der Devise "Dunkel und Licht" nimmt der Künstlerbund Dresden für drei Ausstellungen 2014 bis 2015 in der Galerie 2. Stock ein großes Thema auf, das jetzt mit Malerei, danach in Druckgrafik/Fotografie und schließlich durch Zeichnungen paraphrasiert werden soll.

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Andreas Hinkel: "Disput", Öl auf Leinwand, 2014.

Quelle: Antje Schönfeld

Der Titel ist ja gewissermaßen die Kurzformel von "per aspera ad astra", was als geistiges Wetterleuchten eine kulturell-zivilisatorische Hochphase in Europa, namentlich auch im damals noch zersplitterten Deutschland, mit der Klassik als Tochter der Aufklärung, veranlasst und geprägt hat. Was konträr das heutige Dunkel, also die politische Gegenwart, betrifft, so starren wir fassungslos in diverse globale Bereiche, deren mittelalterliche Ideologien von keinerlei aufklärerischer Erhellung geläutert, also anachronistisch sind und im Perpetuoso aus blindem gegenseitigen Hass Mörder zu Helden verklären. Es ist kaum möglich, heutzutage noch minimalste Silberstreifen am Horizont zu erahnen.

Da Friedrich Schiller die Kunst eine Tochter der Freiheit nannte und Gerhard Richter sie gar als höchste Form der Hoffnung bezeichnet, so ist aber zumindest in ihr noch lichtvolle Antizipation im persönlichen wie globalen Raum legitim, wenn nicht sogar Pflicht. Den "Erfindern" des Ausstellungsmottos ist deshalb schon jetzt Dank geschuldet, dies am öffentlichsten Ort unserer Stadt auf die künstlerische Agenda gesetzt zu haben.

Schauen wir also, wie die 20 ausgewählten Künstler mit diesem - zugegebenermaßen gewaltigen - Anspruch umgegangen sind. Natürlich muss ja dieses Begriffspaar nicht zwangsläufig mit der von mir beschworenen existentiell-politischen Aufladung gesehen werden. Das ist letztlich eine Frage der persönlichen Weltsicht und der spezifischen Bildmittel jedes Beteiligten. Wer dabei lediglich das rein Optische im Blick hat, kann dies in ungegenständlicher Form tun wie Janina Kracht, Mechthild Mansel oder Dieter Weise, bei aller Unterschiedlichkeit und Unentschiedenheit in Bezug auf das Thema, und wenigstens Farb- und Augenfreude bereiten.

Eine größere Gruppe benutzt die Landschaft als Operationsfeld für problemnähere Aussagen. Die leidenschaftliche Tierfreundin Beate Domansky feiert in "Hochzeit" (Öl/2014) das friedliche Zusammensein von Menschen und Wölfen ums Feuer - warum nicht etwas feuriger? Bei Petra Schades forscher Malerei "fôret de Brocéliande " muss man wissen, dass es da um einen "Kraftort" geht, der in der keltisch-bretonischen Sagenwelt von uralt-mystischer Bedeutung ist.

Das Superbreitformat von Jörg Mai "Warmfront" (Mischtechnik, 2011/14) oszilliert zwischen sengender Hitze und Weltenbrand, tut sich allerdings mit der Überdimensionierung keinen Gefallen. Dass "Dunkel" nicht notwendig negativ besetzt sein muss, zeigen die Gemälde von Antje Krohn ("Mönche am Meer", 2013/14) und Maria Mednikova, die einen in resoluter Faktur mit "Schlaftrunkenes Land" (2014) die Erholsamkeit der Ruhe in der Morgendämmerung gleichsam mitatmen lässt. Beate Bilkenroths Ölbild "Mit ohne Fische", 2014, gibt eine malerisch so brillante wie inhaltlich beklemmende Ahnung vom Sterben eines Biotops. "Am Meer" (Mischtechnik, 2006) von Karlheinz Georgi besticht durch die Wucht einer zeichenhaften Bildfigur ohne gegenständliche Assonanzen und die Noblesse seiner von zarten Grautönen bis zu schneidendem Schwarz gesteigerten Peinture.

Der größte Teil der ausgestellten Bilder klopft das Thema auf seine politisch-gesellschaftlichen Valenzen ab. Unübersehbar und wie in ein großes Wandfeld eingepasst, hat Steffen Fischer 2005 "Die Bergung" (Acryl/Lwd.) gemalt. Die Geborgene, eine hübsche Frau vom Pin-up-Typ in zarten Dessous schaut eher verwirrt als erfreut aus einem Ring ebenso riesiger wie dubioser Gestalten heraus, deren Umgang mit ihr auch eine Entführung assoziieren könnte. Weiß man aber, dass es hierbei um nichts Geringeres als die Katastrophe von Nine-Eleven geht, erklärt sich das bruchlos.

Armin Bock, der von der ersten Rathausausstellung 2009 durch das große Portrait eines kurz vor Kriegsende 1945 noch ermordeten jüdischen Mädchens in Erinnerung sein könnte, liefert mit "Das Kainsyndrom" von 1993 (Vorder- und Hinterglasmalerei, perforiert) ein gültiges Schlüsselbild für das, was uns weltweit entsetzt: den Terror. Der Verfasser dieses Textes bleibt in "Zeitgenössische Landschaft mit Attributen", Assemblage, 1997, etwas mehr in Ortsnähe, indem er auf Zeitgenossen hinweist, die mit ihren groben Stiefeln das Blut buchstäblich aus der vielbeschworenen Heimatscholle treten, zum Glück absehbar wenigstens nicht mehr im Sächsischen Landtag-

Katharina Probst spielt in ihrem vierteiligen virtuos gemalten Ölbild "Mein helles und mein dunkles Gesicht" aus diesem Jahre immerhin mit Licht, aber nicht ins Lichte, sondern eher ins fiktive Dunkel des Alters hinein - man sollte das wohl nicht als Omen sehen... Der weibliche "Großkopf" von Nadja Poppe (Gouache auf Leinwand), eine starke Talentprobe, ist dagegen deutlich ins "Dunkel des Augenblicks" (Ernst Bloch) verfangen, wie auch Wolfgang Smys "Schwebende" allein damit wohl nicht glücklich, eher wie "hineingehalten in das Nichts" im Heideggerschen Sinne anmutet. Sandra Collée steigert dies bei "Uniformed" (Acryl/2014) beklemmend bis in die Auslöschung der Persönlichkeit hinein. Gegenüber engagiert sich Constanze Hohaus in "Gib mir" (Öl auf Lwd., 2012) gegen die Kindernot der Dritten Welt; malerisch eher mit Reserven. Dagegen zeigt Manuela Neumanns "Blaue Schwangere" (Acryl, 2012) trotz robusten Bildbaues, intensiver Farbkraft und der natürlichen Not werdender Mütter viel Zartheit und Hoffnung.

Ein Werk hatten wir noch nicht - vielleicht das beste? "Disput" von Andreas Hinkel. Sein Ölgemälde (2014) von makelloser malerischer Faktur ist für mich die Überraschung und der originellste Beitrag: zwei deformierte Stühle, die in ihrer grotesken Verbogenheit im Lichte stehen, lassen ahnen, dass hier etwas ganz Finsteres geschehen sein muss - alle Befürchtungen sind erlaubt...

Summa summarum kann eine solche Schau wegen der Spannweite der Vorgabe und der Temperamente der Akteure zwar ein abwechslungsreiches, aber schwerlich homogenes Panorama bieten. Umso höher ist die Professionalität der Arbeitsgruppe Ausstellungen des Künstlerbundes, zwangsläufig Heterogenes durch eine optimale Hängung mit Opulenz zum Funkeln zu bringen. Neben den beteiligten Künstlern ist ganz besonders der Stadtverwaltung für Ausstellungsräumlichkeit und vielfältige Unterstützung zu danken.

bis 9.1.2015, Galerie 2. Stock im Rathaus, geöffnet Mo-Fr 10-18 Uhr

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 10.12.2014

Jürgen Schieferdecker

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