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Dresdner "art.room" geht in die dritte Runde

Dresdner "art.room" geht in die dritte Runde

Just vor einem Jahr standen die Kinderschuhe noch im Schrank. Jetzt sind sie langsam schon zu klein. Mit "art.room" hatte der Dresdner Pianist, Organist und Komponist Jochen Aldinger eine Idee.

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Kunst entsteht live: musikalisch und bildnerisch.

Quelle: Andreas Körner

Einigermaßen forsch benannte er sie schon damals als Reihe. Das war absolut richtig, denn "art.room" als offener Kunstraum wird in dieser Woche seine dritte Ausgabe erleben. Die Existenz als Plattform und Label ist losgelöst von der Veranstaltungstätigkeit zu betrachten und läuft mehr in den Köpfen der Köpfe. Dann aber, wenn es zu angestrebten freien Begegnungen zwischen Musikern und bildenden Künstlern kommt, wird der "art.room" lebendig. Und gleichsam eine lange Tradition gerade auch in Dresden - nach langer Durststrecke.

Aldinger hat die Stoßrichtung seiner Reihe kühn und frühzeitig benannt: "Es geht um tiefer liegende Gemeinsamkeiten, um Kontakt und Austausch, so wie es die Philosophie der Pariser Künstlercafés war." Freier Jazz sollte (zunächst) der Malerei nicht allein über das "Geräuschhafte" begegnen, nicht nur über "die Komponente Zufall". Konzepte sollten sich richtiggehend treffen und, wenn es besonders gut kommt, gegenseitig treiben. Am ersten Abend in einem Atelier der Dresdner Hochschule für Bildende Künste ging das Konzept in erster Linie für die beteiligten Malerinnen und Grafikerinnen Isolde Leonhardt und Susann Brenner auf. Im Februar arbeiteten die beiden auf einem Overheadprojektor mit Wasserfarben, Öl und Spülmittel. Zwei "unhaltbare" Bilder entstanden, zuvor hatten sich die Künstlerinnen schon vom Jazz von Hyperactive Kid inspirieren lassen. Dass das Berliner Trio dann in Sicht- und vor allem Hörweite zwei Sets spielte, aber so gar nicht auf den visuellen Prozess einging, sich reizen oder gar in eine neue Gemeinsamkeit drängen ließ, sorgte im "art.room"-Konzept nur für eine 50-prozentige Planerfüllung. Gutes Konzert, ja! Feine Bilder für einen Abend, ja! Was fehlte, war der Schulterschluss.

Im Mai dieses Jahres sah es dann schon sehr viel besser aus. Das Motto war "Zeit", der Ort das Labortheater der HfBK. Das Publikum - die Veranstaltungsform wurde sofort sehr gut an- und aufgenommen - saß auf Podesten und hatte satt zu hören und zu sehen. Jochen Aldinger spielte Keyboards und Orgel, Matthias Hüttich Drums, Rainer Beckmann manipulierte und modulierte live entstandene Klänge am Computer, der Künstler Tom Böhm arbeitete mit Kunststudenten an großen Leinwänden - pinselte, schrubbte, warf Farben und Wasser. Parallel wurde die Aktion zur Interaktion, von einer Kamera wiedergegeben und neu projiziert. Auch das Licht im Raum bediente eine eigene künstlerische Komponente.

Am kommenden Donnerstag und Freitag öffnet der "art.room" nun erstmals über zwei Tage, und das wirklich in einem öffentlich begehbaren "Raum für zeitgenössische Kunst". Das F 14 auf der Fritz-Reuter-Straße wird zur Herberge der Gemeinsamkeit. Diesmal ist das Motto "Zwölf". Dass es im zwölften Monat des Jahres genau zwölf Monate her sind, seit die Reihe erstmals Konturen angenommen hat, spielt wohl nur eine kleine Rolle. Nicht einmal Januar bis Dezember an sich oder zwölf Stunden als Zeitraum bekommen gesteigerte Bedeutung, denn weitere "Zwölfen" sind in den Visionen der Künstler längst am Entstehen. Sie zu verraten, würde Neugier bremsen. Nur so viel: Im F 14 werden sechs besondere Uhren an den Wänden angebracht. Mit der "Zwölf" und über sie entstehen neue Zeit-, Farb- und Klangräume, die Sternenkonstellationen genauso einschließen wie kulturelle oder mystische Eigenheiten. An beiden Tagen werden in jeweils sechs Arbeitsstunden kleinformatige Bilder entstehen, die zu Gruppen wachsen, Musikstücke werden improvisiert, die Phasen begleiten, befördern wie herausfordern.

Mit dabei ist wiederum der in Bautzen geborene Künstler Tom Böhm (Jahrgang 1969), der an der Dresdner HfBK Bühnen- und Kostümbild studierte und als freier Mitarbeiter im Bereich Gestaltung, Animation und Compositing tätig ist. Mit dabei ist auch, neben Johanna Prestel Esther Könitz, wieder Susanne Leonhardt, was dem "art.room" als Reihe auch für Stammbesucher nur gut bekommen kann, weil es verschiedene Sicht- und Ausdrucksweisen erlaubt. Die Betrachter und Zuhörer sind in diesen zwölf "Kunst-Stunden" Zeugen, können an beiden Tagen ab Nachmittag kommen und gehen, entdecken und wiederentdecken.

Auch musikalisch stellen sich die Beteiligten einer eigenen Herausforderung. Der Downbeatclub mit Jochen Aldinger, Hammond/Keyboards, Konni Behrendt, Gitarre, und Matthias Macht, Drums ist mit groovedominantem Jazz seit Jahren erfolgreich unterwegs. Jetzt werden sie sich, aus dem eingespielten Trio-Kosmos heraus, auf ein anderes Genre und temporäre Kollegen zubewegen müssen. Beide "Lager" hoffen auf Reibung, Befruchtung und einen kreativen Prozess, der nicht nur Einsichten bringt, sondern spannende Kunst unter dem Banner der Zwölf.

art.room III, Donnerstag/Freitag, jeweils 15 bis 22 Uhr im F 14, Fritz-Reuter-Str. 14, 01097 Dresden, Eintritt acht Euro (ermäßigt fünf) für nicht übertragbare Zweitageskarten

www.art-room-one.com

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 05.12.2013

Andreas Körner

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