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Dresdner Verlag Voland & Quist führt Titel-Rechtsstreit gegen "Wanderhure"-Verlag

Dresdner Verlag Voland & Quist führt Titel-Rechtsstreit gegen "Wanderhure"-Verlag

März beginnt die Leipziger Buchmesse. Am selben Tag schauen zwei Verlage aber nicht nur gen Pleiße, sondern mit mindestens einem Auge auch nach Düsseldorf. Das dortige Landgericht will dann über den Antrag einer einstweiligen Verfügung beraten.

Der Streitgegenstand ist das Buch "Die schönsten Wanderwege der Wanderhure" des Dresdner Verlages Voland & Quist. Der Münchner Verlag Droemer Knaur verlange, das Buch von Julius Fischer wegen "angeblicher Verletzung der Titelrechte an der Wanderhuren-Reihe" des Autoren-Duos Iny Lorentz aus dem Verkehr zu ziehen, wie Voland & Quist gestern mitteilte.

Droemer Knaur fordert das Landgericht Düsseldorf demzufolge auf, den weiteren Vertrieb des satirischen Kurzgeschichtenbands "Die schönsten Wanderwege der Wanderhure" ab sofort zu untersagen. Im Fall einer Zuwiderhandlung soll ein Ordnungsgeld von bis zu 250 000 Euro festgesetzt werden, hieß es in der Mitteilung weiter. Voland & Quist beruft sich seinerseits auf "die offensichtliche ironische Verfremdung des Titels", der "durch die Kunstfreiheit gedeckt" sei. "Wir werden uns gegen diesen Antrag wehren, denn wir halten die offenkundig ironische Auswahl unseres Titels für zulässig. Der Buchtitel ist der titelgebenden Geschichte entliehen, die die aggressive Vermarktung von Bestsellern aller Genres, dabei unter anderem auch die der historischen Romane des Wanderhuren-Autorenduos Iny Lorentz, persifliert. Es ist für alle Interessierten erkennbar, dass es sich um eine Parodie handelt, die von der grundgesetzlich garantierten Kunstfreiheit erlaubt ist", ließ der Dresdner Verlag verlauten.

Die beiden Verlagsleiter Leif Greinus und Sebastian Wolter gingen in einem gemeinsamen Statement noch weiter, in dem sie betonten, sich auf das Verfahren zu freuen. Sie würden davon ausgehen, dass der Antrag von Droemer Knaur keinen Erfolg habe. "Natürlich war es weder unsere Intention noch die des Autors Julius Fischer, den Erfolg der Wanderhuren-Bücher auszunutzen", fügten beide an. Den offenbar ebenfalls von Droemer Knaur geäußerten Vorwurf, Fischer habe sich in seinem Buchtitel respektlos über das "traurige Schicksal der Wanderhuren im Mittelalter" lustig gemacht, wiesen Greinus und Wolter "in aller Schärfe" zurück. Petitesse am Rand: "Die schönsten Wanderwege der Wanderhure" (erschienen am 1. September 2013) ist für den "Ungewöhnlichsten Buchtitel des Jahres 2013" nominiert, der am Tag der Düsseldorfer Gerichtsverhandlung auf der Leipziger Buchmesse vergeben wird. Der Autor Julius Fischer bildet übrigens zusammen mit Christian Meyer The Fuck Hornisschen Orchestra und ist unter anderem Mitglied der Dresdner Lesebühne Sax Royal.

Iny Lorentz, hinter dem sich das Autorenduo Iny Klocke und Elmar Wohlrath verbirgt, hat mittlerweile fünf Bände der "Wanderhuren"-Reihe vorgelegt, drei davon wurden verfilmt. Die Gesamtauflage der von Iny Lorentz geschriebenen historischen Romane liegt laut Droemer Knaur bei mehr als sieben Millionen Büchern.

Eine Frage vor Gericht könnte auch sein, ob der sogenannte Titelschutz greift. Laut Börsenverein des deutschen Buchhandels entsteht dieser Schutz entweder automatisch, "wenn ein Titel genutzt wird als 'besondere', das heißt hinreichend unterscheidungskräftige namensmäßige Bezeichnung eines Werkes", oder wenn eine Titelschutzanzeige im Verbandsorgan des Börsenvereins, dem "Börsenblatt", geschaltet wurde. Dieser Titelschutz wiederum ist verankert im Markengesetz.

Der Berliner Anwalt Raphael Thomas, Prozessbevollmächtigter von Voland & Quist, sieht aber dahingehend keine Probleme. "Marken sind nicht sakrosankt", sagte er gestern. Außerdem mache Fischer sich in seiner Geschichte über die volle Vermarktungs- und Merchandising-Maschinerie eben jener Bücher wie "Die Wanderhure" sowie der dazugehörigen Verlage lustig. Diese ironische Auseinandersetzung sei durch die Kunstfreiheit im Grundgesetz gedeckt. Das Vorgehen von Droemer Knaur sei für ihn "wie David gegen Goliath", dennoch bezeichnete er das Ganze als "amüsant". Das angedrohte Ordnungsgeld relativierte Thomas. "Das mit den 250 000 Euro ist eine Standardformulierung."

Vom Verlag Droemer Knaur war gestern trotz mehrfacher Versuche keine Stellungnahme zu bekommen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 25.02.2014

Torsten Klaus

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