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Dresdner Veranstaltungsreihe "Feature-Ring" feierte 50. Konzert

Dresdner Veranstaltungsreihe "Feature-Ring" feierte 50. Konzert

Wer vor sieben Jahren daran gedacht hätte, dass in der so frisch wie mutig gestarteten Veranstaltungsreihe Feature-Ring einmal das 50. Konzert ausgerichtet werden würde, wäre vermutlich ungläubig belächelt worden.

Damals wirkte das im Dresdner Studentenklub Aquarium begonnene Unterfangen zu zeitlich begrenzt, allen Anfangserfolgen zum Trotz. Das diese Reihe ausrichtende Ring-Trio um Simon Slowik an den Tasten-, Felix Otto Jacobi an den Bass- und Demian Kappenstein an den Schlaginstrumenten wäre vermutlich selbst nicht auf die Idee gekommen, auch nach dem Studienabschluss dieses Engagement fortzuführen, das darauf zielt, gemeinsam mit jazzenden Gastkoryphäen bewegt-bewegende Konzerte zu gestalten und sich mit überraschenden Präsentationen ein neues Publikum zu erschließen. Der Tenor dabei: In gleicher Besetzung mit stets wechselnden Gästen musikalische Originale in originellen Arrangements zu präsentieren.

Der Auftakt 2006 war fulminant, die Konsequenz ist enorm, das bisherige Durchhaltevermögen bleibt erstaunlich. Seit geraumer Zeit sind die Feature-Ring-Konzerte - nach Abstechern in die Scheune und anderswo - im Festspielhaus Hellerau zu erleben, einem probaten Ort für Experiment und Wagnis. Das Jubiläumskonzert Montag Abend wurde ins Street Culture Festival integriert und passte da auch bestens hinein. Zur Feier des halben Hunderts und ganz im Sinne von Straßenkultur hatte man einen Hiphoper geladen, doch der Berliner Rapper Taktlo$$ war wegen einer Marginalie vergrätzt und sagte ab, in kürzester Zeit musste Ersatz für dieses Kon- zert gesucht werden. Dank inzwischen bester Vernetzung in der Szene wurde MC René gefunden, der erste quasi obdachlose Künstler in dieser Reihe. Zumindest hat er kein festes Domizil, sondern ist als Bahnkunde dauer- haft unterwegs, der am 11. September 1976 als Sohn deutsch-marokkanischer Eltern in Braunschweig geborene Microphone Checker, dessen MC freilich auch Master of Ceremonies bedeuten kann.

Beide Titel kämen dem wortreich umtriebigen Bühnenbeherrscher zupass. Den sprichwörtlichen Rhythmus hat er offenbar im Blut, die Lust am Klamauk hätte ihn beinahe zum Comedian werden lassen. Als Rapper hält er irgendwie die Balance zwischen beiden und zehrt nach wie vor von seinen Erfahrungen im Callcenter eines ruchlosen Versicherungsunternehmens ("Wir möchten viel Geld verdienen und Sie sollen am Ende nichts davon haben.").

Doch zum rappenden Günter Wallraff macht ihn das noch nicht, MC René bevorzugt lieber den Free Style, er rappt also frisch von der Leber weg. Dazu borgt er sich auch schon mal eine Bierflasche aus dem Publikum (für die Leber?), lässt sich Stichworte zurufen (fürs Freie im Stil) und animiert es überhaupt gern zu lautstarkem Mittun.

Ehe der Funke wirklich gezündet hat, brauchte es einige Anläufe, dann aber ging es im Feature-Ring ziemlich heftig zu. Eine Herausforderung vor allem für die drei Musiker, die sichtlich Freude daran hatten, spontan zu reagieren und das jeweilige Feeling der "textuellen Belästigung" zu treffen.

Genau für solch ein Improvisieren, bei dem alle Beteiligten etwas von haben, ist die Reihe vor sieben Jahren gegründet worden. Möge ihr weiter- hin viel Energie und ein langer Atem beschieden sein, um in absehbarer Zeit das 100. Konzert zu begehen. Bei so viel Abwechslung und Qualität macht das Publikum ganz sicherlich mit.

Jetzt macht Feature-Ring erst einmal Sommerpause. Am 9. September geht's weiter mit Norbert Leisegang, Gründungsmitglied der Gruppe Keimzeit.

@www.feature-ring.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 27.06.2013

Aldo Lindhorst

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