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Dresdner Theater Junge Generation flankiert Lichtausstellung mit einem finsteren Spektakel

Dresdner Theater Junge Generation flankiert Lichtausstellung mit einem finsteren Spektakel

Durch Nacht zum Licht! Wenn es Mühe macht, ein Phänomen positiv zu erklären, kommt man ihm vielleicht durch sein Gegenteil näher. So verfährt das Theater Junge Generation mit seinem Beitrag zu der Sonderausstellung der Technischen Sammlungen zum Dresdner "Lichtjahr".

Wo Licht ist, ist auch Schatten. Aber können wir uns Nicht-Licht überhaupt vorstellen? Was wäre, wenn alles Licht aus Dresden verschwände? Die Familien, die zur Premiere erschienen, ahnten ja nicht, dass sie in Fänge von Gespenstern aus dem Schattenreich geraten würden. Im Foyer werden sie ganz harmlos in Empfang genommen von einer angeblichen Museumsführerin namens Katrin Meyer-Doberenz. Sie spricht zwar laut und vernehmlich, dennoch werden Kopfhörer zwangsverordnet, und zwar gegen Preisgabe seines Vornamens. Sehr verdächtig.

Noch mehr Verdacht erregt, dass es nicht in die öffentlichen Ausstellungsräume geht, sondern sonst der Belegschaft vorbehaltene Treppenhäuser entlang. Dort mischen sich unter die Stimme der Führerin plötzlich die von Geistern, von Gespenstern, die man nie zu sehen bekommt. Ihr Domizil ist ein finsterer Raum. Mit einer Logik, die sich erst später erschließt, wird das auf dem Boden oder auf Kabelrollen hockende Publikum gedanklich auf den großen Coup vorbereitet. Beispielsweise mit Fragen nach der vermeintlichen Unentbehrlichkeit von Licht.

Wichtiger als die Physik ist dabei die Phantasie, aber was dann folgt, bedient durchaus die quantenmechanische Perspektive im Welle-Teilchen-Dualismus des Lichts. (Knick-)Licht wird da nämlich von allen eingesammelt wie Erdbeeren auf dem Feld und der lichtverschlingenden Maschine Umbra 1 zugeführt. Der Clou aber ist Umbra 7 irgendwo auf dem Dach, und die kann das gesamte Dresdner Licht fressen. Bevor es zu diesem Experiment mit Dunkelkammerstimmung kommt, gibt es noch einen bildenden Exkurs über 14 Milliarden Jahre Universum mit seinen begleitenden Lichterscheinungen. Auch darüber, wie die Menschen mit ihrem Drang, die Nacht zum Tag zu machen, die armen Schatten immer mehr vertrieben haben. Wo es sich in Dunkelheit doch so friedlich lebt!

Eine originelle und streckenweise poetische Ergänzung, die sich Petra Linsel, Nils Zapfe und Kathi Loch zur Licht-Ausstellung einfallen ließen. Eine reichliche Stunde schlägt es die Kinder in den Bann des mysteriösen Abenteuers an ganz ungewohntem Ort. Von Museumsführerin Iris Pickhard hätte man sich höchstens etwas mehr Stringenz und Schlagfertigkeit bei den Improvisationen wünschen können. Dass die Sache gut, also hell ausgeht, versteht sich. Es tappen zwar viele im Dunkeln in dieser Stadt, aber Umbra 7 hat nicht alle Erleuchtung von Dresden abziehen können.

Aufführungen heute, 30.6., 1., 2., 3., 7. und 8.7., Technische Sammlungen

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 29.06.2015

Michael Bartsch

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