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Dresdner Studentin sucht nach der natürlichen Ästhetik - "Face Feminism"

Dresdner Studentin sucht nach der natürlichen Ästhetik - "Face Feminism"

Juliana Socher ist mit ihrem kurzen roten Bob nicht nur äußerlich eine bemerkenswerte Frau. Mit 23 Jahren hat sie als freiberufliche Fotografin den Sprung in die Selbständigkeit gewagt und studiert nebenbei an der TU Dresden im Master Sprachwissenschaften.

Ihr Kapital ist eine Nikon D700, die sie auch für ihr neues Projekt nutzt:

"Face Feminism". Dafür porträtiert sie Frauen und auch Männer, die sich selber als Feministin und Feminist bezeichnen würden. Eine Idee, die sie schon lange mit sich herum trägt. Rollenklischees lagen ihr noch nie, und im heimischen Haushalt war es meist der Vater, der die Familie bekochte. Das Gefühl, dass irgendetwas schief läuft, manifestierte sich vor allem durch ihr Interesse an der Fotografie, die sie seit sechs Jahren professionell betreibt.

Als Hochzeitsfotografin hörte sie oft den Wunsch, doch bitte bestimmte Körperteile zu retuschieren, Poren zu glätten. "Männer fragen mich auch danach, aber nur, um noch vorteilhafter zu wirken. Viele Frauen dagegen wollen ihre angeblichen körperlichen Makel auf den Bildern versteckt wissen". Eine Reportagereise nach Taveta in Kenia, zu der sie der Dresdner Verein akifra einlud, gab den Ausschlag, konkret ein Projekt zum Thema Feminismus anzustoßen.

Ihr "Aha-Erlebnis" war das beeindruckende Engagement der örtlichen Frauengruppe, die unter anderem zur Gesundheitsaufklärung beiträgt. "Ich habe in Afrika gelernt, du musst Lärm machen", sagt Socher. Und damit meint sie nicht, sich selbst zu promoten ("Ich bin eine miserable Netzwerkerin"), sondern sich für Themen stark zu machen, die ihr am Herzen liegen. "Jede Frau, die heute arbeiten oder wählen geht, müsste eigentlich Feministin sein", sagt sie, doch nach der Veröffentlichung der Idee von "Face Feminism" im Internet wurde sie schnell angefeindet. Von den Kommentatoren, die Feministinnen als Mannsweiber darstellen oder heutigen Frauenrechtlern die Existenzberechtigung absprechen - Mann und Frau wären doch vollkommen gleichgestellt -, fühlt sie sich eher motiviert denn entmutigt.

In ihren Bildern suchte sie von Anfang an eine natürliche Ästhetik, die der Persönlichkeit. Gerne lernt sie vorher ihre "Modelle" im Gespräch kennen, um sie authentisch zeigen zu können. Bei "Face Feminism" kommt ihr dieser Fokus entgegen. Sie will ergründen, welche neuen Formen des Feminismus es heute gibt, und sie auf Bildern festhalten. Das Besondere: Jeder kann sich bewerben, denn Juliana möchte ihren derzeitigen "Grundstock" von zehn Fotoshootings im Laufe der Jahre immer mehr erweitern.

Vor dem Fototermin gibt der oder die Teilnehmer(in) zunächst ein kurzes Statement ab: Warum versteht er oder sie sich als Feminist(in)? Was war das Motiv, mitzumachen? Welche Missstände gibt es seiner oder ihrer Meinung heutzutage noch? Eine Teilnehmerin hat bereits Mobbing und sexuelle Belästigung am eigenen Leib erfahren, eine andere wiederum hat sich lediglich an Tendenzen in öffentlichen Diskussionen gestört, engagiert sich deshalb. Die Erfahrungshorizonte könnten unterschiedlicher nicht sein.

Fotografin und Teilnehmer(in) entscheiden dann gemeinsam über Fotoideen. Häufig werden die Teilnehmer bei ihren Hobbys aufgenommen, beim Kugelstoßen oder Computerspiel etwa, die die jeweilige Individualität deutlich machen sollen. Als letzter Schritt folgt die Veröffentlichung auf der Homepage "chrononauts photography".

Diese ist momentan Juliana Sochers bestes Medium, ihre Ideen zu transportieren. Sie hat allerdings bereits konkrete Pläne für eine Ausstellung der Bilder und Texte, die per Crowdfunding finanziert werden soll. Ziel des Projekts? Wenn nur eine der Personen, die dem Projekt skeptisch gegenüberstanden, "die Bilder sehen und sich denken, ich kann auch andere Wege gehen", dann hätte es sich für die Fotografin schon gelohnt.

www.facefeminism.net; www.facebook.com/Chrononauts.Photography; www.chrononauts.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 12.10.2012

Cornelia Posselt

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