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Dresdner Stadtbilder von Katrin Feist

Dresdner Stadtbilder von Katrin Feist

Mit ihrer jüngsten Ausstellung ist Katrin Feist (geb. 1966) "Unterwegs in DD". Die im Zahnärztehaus gezeigten Werke unterstreichen eine etwa 2011 sichtbar gewordene Wandlung im Malerischen.

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Katrin Feist: Schlesischer Platz, Öl auf Leinwand, 2012, 80x100 cm.

Quelle: Ralf Woehling

Schuf die Künstlerin bis dahin im wesentlichen eine Stimmung, eine Grundsituation vermittelnde, ortsneutrale Landschaftsanmutungen, in die hin und wieder Anklänge an Gegenständlichkeit einflossen, so sind die aktuellen Bilder sichtbar mit konkreten Dresdner Orten verbunden. Seit etwa drei, vier Jahren durchstreift die Dresdnerin ihre Stadt auf Motivsuche. Zunächst wurde die Äußere Neustadt für sie zum besonders fruchtbaren Pflaster. Zunehmend entwickelt sie aber auch Interesse für die Altstadt. Insgesamt wirkt der derzeitige Duktus - mehr oder weniger - bewusst "ruppig". Katrin Feist leistet sich gewissermaßen den "anderen" Blick auf ihre Heimatstadt. Dabei bewegt sie sich - die großen Vertreter der Neuen Sachlichkeit seien hier ausgelassen - auch in den Traditionen eines Wigand, Körnig oder des jungen Giebe und natürlich irgendwie auch Andrea Türkes, entwickelt aber etwas sehr Eigenes.

Ihr Hauptinteresse gilt den meist verkehrsreichen Knotenpunkten Dresdens und deren Umfeld. Besonders zieht sie offensichtlich wohl die technische Infrastruktur an, die jedes "schöne" Bild eigentlich zerschneidet. Gemeint sind die zahlreichen Oberleitungen, die Masten, die sie halten, die Verteilerkästen, die Unmassen von Verkehrsschildern, die Straßenbahnschienen, die Bauzäune, dunklen Unterführungen und dergleichen mehr. Zu nennen sind Bilder wie "Dammweg", "Stellwerk am Bischofsweg", "Baustelle Lößnitzstraße" oder "Unterführung Schlesischer Platz" (alle 2011) - alle ihrem Wesen nach mehr als eine reine Schilderung. Es handelt sich um bewusst gewählte Ausschnitte, zuvor bei Stadtgängen fest gehalten in Fotografien, später in Skizzen umgewandelt und im Bild noch zusätzlich verfremdet, etwa durch Veränderung der Proportionen, die Übertreibung der Perspektiven oder eben auch die Betonung der infrastrukturellen Elemente. Die so gewonnenen Bilder erscheinen wie ein Gegenentwurf zur Vorstellung vom lieblichen Elbflorenz. Sie zeigen die rauen Seiten der Stadt, die nicht gerade zu den touristischen Highlights zählen. Es ist das Verdienst der Malerin, dem "Unschönen" einiges abzugewinnen, ohne es zu "überzuckern". Gerade auf Bildern, die etwa die Unterführung am Neustädter Bahnhof aufnehmen, spürt man das Pulsierende, Lebendige, hört förmlich den Lärm der Straße und der Züge. Besonders wichtig für diesen Gesamteindruck ist zweifellos das Gewirr der Oberleitungen und Masten. Man glaubt fast, den Strom "fließen" zu sehen. Am meisten beeindruckt das dort, wo Katrin Feist die Leitungen eher in zittrigen, denn geraden Linien ins Bild gebracht hat.

Dies findet man - wohl gewollt - nicht überall. Vielleicht sollte ja beispielsweise der Postplatz eher nicht flirrend wirken, sondern in aller Schwere die dortige Stahl- und Leitungskonstruktion aufnehmen, von der das Schauspielhaus fast erdrückt wird. In dieser Ansicht wird man auch durch andere Altstadtbilder, etwa vom Pirnaischen oder Straßburger Platz (beide 2013) bestärkt. Sie alle scheinen das sichtbar Kompakte, Funktionale, Großflächige betonen zu sollen. Dieser etwas "andere" malerische Ausdruck der Altstadt-Bilder geht mit dem Charakter der betroffenen Stadtsituationen konform. In anderen Bildern wiederum entdeckt man sogar einen Hauch Romantik. Die entsteht vor allem durch Farben, die bestimmte Lichtstimmungen am Himmel und in den Straßen herbeizaubern. Wer die früheren Werke der Künstlerin - ihre letzte größere Ausstellung fand 2012 in der Villa Eschebach statt - kennt, weiß um das benutzte Spektrum zwischen warm und kalt aus Gelb-/Braun- und Blautönen, modifiziert mit Schwarz und Weiß. Bei den aktuellen Bildern ist es vorsichtig ausgeweitet in Richtung Rot- sowie Grüntöne. Schwarz respektive Grau wiederum spielen teils sogar eine größere Rolle, dem Technischen, Industriellen und eben Dreckigen oder Trostlosen Rechnung tragend. Und manchmal verbindet sich dieses Technische - die die "Romantik" so störenden Leitungen etwa - mit einem historischen Bau, einer Kirche. Und wenn diese gewissermaßen im erinnerten abendlichen Gegenlicht steht, dann hat man seine "Dresdner Romantik" der Neuzeit ("Martin-Luther-Kirche", 2013).

Gleichwohl ist das "Raue" in der Malerei der eigentliche Schritt im Schaffen der Künstlerin, impliziert es doch ein gelungenes, weil nicht gewollt wirkendes "Gegen-den-Strich-Bürsten" von Dresden-Klischees. Katrin Feist gelingt es, Vorhandenes in malerisch konzentrierter, vielleicht ja überhöhter Form auszudrücken. Das Ergebnis sind Bilder fernab jeder Postkarten-Heimeligkeit. Mitunter aber bringt das Motiv selbst etwas mehr Weichheit in die Arbeiten, beispielhaft sichtbar an den 2013 entstandenen Werken "Erster Steinweg" oder "Elbwiesen/Loschwitz". Solche Motive vom Elbhang kann man vielleicht gar nicht zu "ruppig" malen. Dann entstünde wohl etwas Falsches. Vielleicht muss man aber auch die Lebenssituation der Künstlerin hinzuziehen, die sich zum Positiven gewandelt hat. Der Auslöser, der sie veranlasste, durch die Neustadt zu streifen, die erwähnten Orte aufzusuchen, die dazumal auch ihrer Stimmungslage entsprachen, war die Ankündigung einer happigen Mieterhöhung, die sie sich damals fragen ließ: "In was für einer Stadt lebe ich eigentlich mittlerweile?" Seit einiger Zeit wohnt sie nun schon im Künstlerhaus und ist irgendwie "angekommen". Gleichwohl: Der kritische "andere" Blick auf ihr städtisches Umfeld wird ihr wohl erhalten bleiben, wo er angebracht ist - unterbrochen eben auch von einer entspannten Sicht.

bis 5. März, geöffnet Mo-Do 8-17, Fr 8-16 Uhr

www.zahnaerzte-in-sachsen.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 22.02.2014

Lisa Werner-Art

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