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Dresdner Semperoper feiert ein Wagner-Fest im Strauss-Jahr

Dresdner Semperoper feiert ein Wagner-Fest im Strauss-Jahr

Erst mal eine kleine Panne. Der Dirigent Cornelius Meister tritt ans Pult der Staatskapelle und nichts passiert. Man würde gern beginnen, wendet er sich freundlich ans Publikum, aber er habe kein Licht.

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Überzeugende Neubesetzung: Elisabet Strid (Elisabeth), Stephen Gould (Tannhäuser, l.) und Markus Butter (Wolfram von Eschenbach).

Quelle: Matthias Creutziger

Dann kommt das Licht, und mit den ersten Takten zum Vorspiel ist er zu vernehmen, dieser unvergleichliche Glanz wie von altem Golde, so beschrieb einmal Herbert von Karajan den Klang dieses Orchesters.

Man möchte den Atem anhalten, wenn die Bläser im hauchfeinen Piano musizieren, wenn die filigranen Passagen der Streicher dazu kommen, das Motiv des Pilgerchores klingt an, und dann, im Gegensatz dazu, die furiose Steigerung mit den Motiven der Klänge aus dem Venusberg.

Cornelius Meister wird im Verlauf dieses Abends höchst sensibel und ebenso energisch jedem der drei Aufzüge eigene, spezifische Formate geben.

Furios und bacchantisch geht es im Reich der Venus zu. Im Jubelton deutscher Opernromantik beginnt der zweite Aufzug mit den darauf folgenden dramatischen Turbulenzen des Sängerwettstreites. Von suggestiver Kraft ist das letzte Vorspiel mit seinen dunklen Motiven der folgenden Tragik, Elisabeths Gebet, Wolframs Lied an den Abendstern, Tannhäusers Rom-Erzählung und dem fulminanten Chorfinale.

Diese nuancenreiche und hoch konzentrierte Stimmung des Orchesters überträgt sich sofort auf die Szene, ein dynamischer Bogen mit den vielen Facetten der Dramatik des Gesanges spannt sich von den ersten zarten Passagen der Damen des Opernchores, dem später die Herren als Pilger folgen werden. Gemeinsam werden Damen und Herren mit grandiosem Pathos das Sängerkriegsspektakel begrüßen, um dann in Töne des militanten Tumults zu verfallen und am Ende in trügerischem Jubel eine Erlösung zu besingen, die bestenfalls Fiktion bleibt. Dazu ein Spitzenensemble, ein Fest der schönen Stimmen, mehr noch, das glückliche Zusammentreffen einer wissenden Sängerschar. So gehen Gesang und szenische Präsenz in der Dramatik des Geschehens untrennbar ineinander über.

Da sind zunächst zwei Dresdner Debüts. Alexandra Petersamer als Venus setzt für diese Partie wieder Maßstäbe. Glänzend in der Darstellung und von dunkel timbrierter Sinnlichkeit der Gesang mit der Kraft des fulminanten Ausbruchs der Verzweiflung. Elisabet Strid ist eine wahrhaft jugendliche Elisabeth, spielfreudig, dabei dynamisch abgestuft in der Entwicklung vom strahlenden Jubel in der Hallenarie mit dem dramatischen, existenziellen Eintreten für Tannhäuser und von berührender Tragik im einsamen Abschied mit dem innigen Gebet im dritten Aufzug.

Das Leiden an innerer Zerrissenheit gestaltet Markus Butter als Wolfram von Eschenbach mit seinen individuellen Qualitäten eines lyrischen Baritons. Lyrisch mit Zügen des Charaktertenors gibt Simeon Esper den Walther von der Vogelweide, kräftig, mit dunkler Aggression, gestaltet Tilmann Rönnebeck den Sänger Biterolf. Zu den Sangesstreitern gehören Aaron Pegram und Tomislav Lucic in den kleineren Partien, Heinrich der Schreiber und Reinmar von Zweter. Den jungen Hirten singt Emily Dorn mit hellem Sopran.

Stephen Gould in der Titelpartie ist ein Heldentenor. Er ist ein Held in der erschütternden Art und Weise, wie er dieser Wahnsinnspartie immer neue Akzente zu geben vermag. Furios bricht er auf, wenn er das Reich der Venus verlässt, strahlend und voller Hoffnung in der Begegnung mit Elisabeth, ungestüm bricht er im Sängerkrieg alle Konventionen und von abgrundtiefer Verzweiflung sind die zu Herzen gehenden Töne des Pilgers, der unerlöst aus Rom zurückkehrt.

Zuoberst im Besetzungsplan steht die Partie des Landgrafen Hermann von Thüringen. Und obenan steht bei dieser Dresdner Aufführung der Name Georg Zeppenfeld. Absolute Sicherheit, dabei schönstes Klangvolumen und Raffinesse des Ausdrucks zeichnen diesen Sänger aus. In älteren Opernführern ist die Rede vom seriösen Bass bei dieser Partie. Ja, es gibt ihn noch, diesen wahrhaft seriösen Gesang, ein Sänger wie Georg Zeppenfeld liefert den klingenden Beweis.

nächste Aufführungen: 3., 12., 31. 10.

www.semperoper.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 23.09.2014

Boris Gruhl

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