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Dresdner Schütz-Konservatorium vor tiefgreifenden Veränderungen

Debatte Dresdner Schütz-Konservatorium vor tiefgreifenden Veränderungen

Die Rekommunalisierung des Dresdner Heinrich-Schütz-Konservatoriums nimmt Formen an. Die geplanten Schließungen mehrerer Außenstellen aber bleiben. Der städtische Petitionsausschuss hatte ein Aufbegehren betroffener Eltern zurückgewiesen.

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Das umgebaute Kraftwerk Mitte soll künftig zu einer Art zentraler Außenstelle des Schütz-Konservatoriums werden.

Quelle: Jan Gutzeit

Dresden. Eine gute und eine schon zuvor sehr umstrittene Nachricht hatte die Leitung des Heinrich-Schütz-Konservatoriums am Montag zu verkünden. Die im Vorjahr von der rot-grün-rot-orangenen Stadtratsmehrheit beschlossene Rekommunalisierung nimmt konkrete Formen an. Die Steuerungsgruppe hat ihre Arbeit beendet. Der Trend geht in Richtung eines Kommunalen Eigenbetriebes. Im Herbst könnte der Stadtrat abschließend über eine Vorlage entscheiden, die in den kommenden Wochen im Kulturrathaus erarbeitet werden soll. Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch (Linke) erinnerte noch einmal an den Dresdner Sonderweg, bei der Entlassung der ehemaligen Bezirksmusikschulen aus der Landesträgerschaft und der Fusion mit der Städtischen Musikschule vor 20 Jahren die Vereinsstruktur zu wählen. Bei einem Apparat von mittlerweile 6000 Schülern habe diese sich zunehmend als unhandlich erwiesen. Außerdem sei mit ihr das jährliche Risiko schwankender Zuschüsse verbunden.

Bei einem städtischen Eigenbetrieb biete die tarifgebundene Anstellung bei der Stadt mehr Sicherheit für das pädagogische Personal, sagte Klepsch. Der ehemalige grüne Umweltbürgermeister Klaus Gaber, jetzt Vorstandsvorsitzender des Trägervereins, sieht auch verbesserte Möglichkeiten, dem Schüleraufwuchs wegen der erfreulichen demografischen Entwicklung in Dresden besser Rechnung zu tragen. Hoffnungen machen sich auch die freien Honorarkräfte, inzwischen nach Zahl doppelt so viel wie die 90 fest angestellten Lehrer. Ihre Honorare liegen jedoch teilweise nur bei der Hälfte. Eine Intervention bei der Steuerungsgruppe brachte zunächst nur einen Stufenplan, der im kommenden Jahr einen Aufwuchs von 119 000 Euro an städtischem Zuschuss für das Konservatorium verspricht. Sozusagen ein Kommunalisierungsbonus.

Heftiger waren die Elternproteste, als die geplanten Schließungen mehrerer Außenstellen bekannt wurden. Das sanierungsbedürftige Haus in der nördlichen Dorothea-Erxleben-Straße wird aufgegeben, ebenso das in der Dornblüthstraße. Eine Petition, die dies verhindern sollte, hatte der städtische Petitionsausschuss zurückgewiesen. Besonders laut hatten sich Eltern der Kinder gemeldet, die in der Tenza-Schmiede Johannstadt tanzen lernen. Das ideal geeignete Gebäude war ebenfalls gekündigt worden. Das entstehende Kulturkraftwerk Mitte soll stattdessen zu einer Art zentraler Außenstelle werden. Ein Gebäudeteil mit 20 Räumen wird von der Drewag dafür zur Verfügung gestellt.

Wegen einer Mittelsäule ist aber nur einer der beiden für den Tanz vorgesehenen Säle geeignet. Insider aus der Musikschule halten auch die für das Ensemblemusizieren bestimmten Säle für suboptimal etwa im Vergleich zur derzeit genutzten ehemaligen Freimaurerloge nahe der Bautzener Straße. Die Loge ist ein weiterer Unsicherheitsfaktor, weil nicht klar ist, ob der 2017 auslaufende Mietvertrag verlängert werden kann. Annekatrin Klepsch widersprach aber dem Verdacht, die Drewag, die dem Konservatorium ein Angebot unterbreitet hatte, suche nur dringend Mieter für das teure Kraftwerk und sei für jeden Großkunden dieser Art dankbar. Die Kulturbürgermeisterin erinnerte an einen früheren Stadtratsbeschluss, dass dieses ehemalige Kraftwerk als Standort für Kunst und Kultur zu entwickeln sei.

Um die Folgen der Außenstellenschließungen zu mildern, bietet das Konservatorium nun Ausweichangebote an. Schulen oder das Kreuzgymnasium stellen Klassenräume zur Verfügung. Für zwei Wochentage ist die Tenza-Schmiede doch wieder angemietet worden, ein dritter wird vom Förderverein des Konservatoriums bezahlt. Elternvertreter wie Ronald Schwarz sehen damit das Problem noch nicht grundsätzlich gelöst. Zum einen vermindere sich unter dem Strich das Angebot. Wichtiger ist ihnen aber die Wegefrage. „Ein Teil der Kinder wird nicht mehr tanzen gehen und dort keine Freunde mehr treffen, weil die Wege länger werden“, moniert Schwarz.

Geschäftsführerin Kati Kasper widerspricht. Das gesamte Tanzangebot werde bleiben. Vorstandsvorsitzender Klaus Gaber versteht zwar die Argumente der Eltern und plädiert für kurze Wege. Er verweist aber auch darauf, dass es sich um lokale Interessenvertreter handelt und Stadt und Konservatorium die gesamte Stadtentwicklung im Blick haben müssten. Das Kraftwerk Mitte soll erklärtermaßen auch die Friedrichstadt und Dresden-West erschließen. Gaber findet die Wegelängen für größere Schüler zumutbar, während für Vorschulkinder und Grundschüler die Schulen als Ersatzorte gefunden wurden.

Zumindest in der Leitungsebene des Schütz-Konservatoriums herrscht Vorfreude, ja Begeisterung mit Blick auf den Teilumzug ins Kraftwerk. Etwa 200 Kinder werden dann täglich dort musikalisch unterwiesen. „Etwas Besseres kann dem Haus nicht passieren, als dass es ins Zentrum der Stadt gerückt wird“, schwärmt Lutz Jurisch, pädagogischer Leiter des Konservatoriums. Ob durch die Erschwernisse wirklich Schüler abspringen, bleibt abzuwarten.

Von Michael Bartsch

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