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Dresdner Schauspieler Christian Erdmann über seine Hauptrolle im Familiendrama „Nur eine Handvoll Leben“

„Leicht ist diese Entscheidung niemals“ Dresdner Schauspieler Christian Erdmann über seine Hauptrolle im Familiendrama „Nur eine Handvoll Leben“

Der Schauspieler Christian Erdmann ist den meisten Dresdnern von der Bühne des Staatsschauspiels und aus Stücken wie „Der Kaufmann von Venedig“ und „Der Idiot“ bekannt. Nun stand er für den Spielfilm „Nur eine Handvoll Leben“ als Ehemann von Annette Frier vor der Kamera. Hauke Heuer hat mit ihm gesprochen.

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Machen sich die Entscheidung nicht leicht: Anette Frier und Christian Erdmann in „Nur eine Handvoll Leben“.

Quelle: Foto: PR/Wolfgang Ennenbach

Dresden. Der Schauspieler Christian Erdmann ist den meisten Dresdnern von der Bühne des Staatsschauspiels und aus Stücken wie „Der Kaufmann von Venedig“ und „Der Idiot“ bekannt. Nun stand er für den Spielfilm „Nur eine Handvoll Leben“ als Ehemann von Annette Frier vor der Kamera. Lange vor der Geburt erfährt das Paar nach einer Routineuntersuchung , dass ihr Kind mit der Erbkrankheit Trisomie 18 zur Welt kommen wird, und muss sich für oder gegen eine Abtreibung entscheiden. hat sich mit dem Schauspieler über seine Rolle in dem Familiendrama unterhalten.

DNN: Wie war die Zusammenarbeit mit Anette Frier?

Erdmann: Herrlich unkompliziert. Ich hatte an keinem einzigen Drehtag das Gefühl, mit Annette zu „spielen“, mit ihr zu „arbeiten“ – es fühlte sich vielmehr an, als würden sich unsere Figuren mit großem Vertrauen, in großer Nähe einfach begegnen und ihre Geschichte verhandeln, in ihrer Alltäglichkeit genauso wie in ihren emotionalen Amplituden. Und zufällig stand da eben eine Kamera. Sicher auch ein Verdienst der sehr fokussierten Regie von Franziska Meletzky.

Ihre Lebensgefährtin war während der Dreharbeiten schwanger. War es schwer zwischen dem richtigen Leben und der Rolle zu trennen?

Das wirkliche Leben und meine Rollen kann ich grundsätzlich gut voneinander trennen. Aber natürlich gibt es immer wieder Schnittpunkte zwischen den zu spielenden Figuren und meiner Person. Die Arbeit an „Nur eine Handvoll Leben“ führte tatsächlich zu einer verstärkten Auseinandersetzung mit meiner Lebensgefährtin über das Thema der Pränataldiagnostik und ihren Sinn und Nutzen. Wir haben uns gegen Untersuchungen entschieden, die über den Standard hinausgegangen wären – wir wollten unsere ungeborene Tochter nicht in Frage stellen, auch und erst recht nicht durch eine eventuelle Diagnose einer Trisomie. Jeder hat aber grundsätzlich das Recht, diese Frage zu stellen. Jede Allgemeingültigkeit wäre anmaßend.

In Ihrer Rolle als Familienvater, der auch Arzt ist, spielen Sie den Skeptiker, der dagegen ist, das Kind auszutragen. Wie leicht macht sich Thomas diese Entscheidung wirklich?

Thomas ringt sehr mit sich. Die Figur, die ich spiele, ist Arzt und geht mit der Diagnose Trisomie 18 nüchterner, weniger emotional um. Er weiß seines Berufes wegen, was diese Art von Behinderung für das Kind, aber auch für die Angehörigen bedeutet. Und stellt die aus seiner Sicht berechtigte Frage, ob man dem Kind durch eine Abtreibung Leiden erspart. Außerdem spielt der Verlust seiner ersten Frau und der damit verbundene Schmerz eine große Rolle – er hat weniger Skepsis, sondern vielmehr Angst vor der zu lösenden Aufgabe und vor dem erneuten Verlust eines geliebten Menschen.

Sie sind dem Dresdner Publikum vor allem aus dem Staatsschauspiel bekannt, doch gerade in den vergangenen Jahren auch immer wieder im Fernsehen präsent. Was liegt Ihnen mehr? Die Bühne oder das Spiel vor der Kamera?

Im Theater fühle ich mich nach wie vor Zuhause. Die in der Regel sechs Wochen dauernde Probenphase ist jedes Mal eine aufregende, erkenntnisreiche Zeit des, ja, Ausprobierens. Ein geschützter Raum in dem man experimentieren, denken, reden, machen kann – ohne den Zeitdruck, dem man beim Film ausgesetzt ist. Im besten Fall fängt die Reise mit der Premiere erst an und man macht während der Vorstellungen Entdeckungen, justiert nach, verändert, begegnet seiner Figur und den anderen neu oder anders. Das kann ein großes Vergnügen sein. Andererseits mag ich es beim Drehen sehr, noch mehr bei mir bleiben zu können ohne irgendetwas spielerisch vergrößern zu müssen. Die Kamera übernimmt beim Film das, worum sich der Schauspieler auf der Bühne auch noch kümmern muss – seine Wirkung. Ich rede nicht von Eitelkeiten, sondern vom Maß der Mittel – wie laut, wie deutlich, wie groß in der Wirkung muss der Gedanke, das Gefühl sein. Beim Drehen muss ich „nur“ denken und fühlen. Ich möchte auch in Zukunft beides erleben – die lange, laute, jedes Mal ahnungslos beginnende, an Grenzen gehende Reise durch ein Theaterstück. Und die hoch fokussierten, im richtigen Moment auf den Punkt zu spielenden, nicht wiederholbaren Begegnungen vor der Kamera.

Wann stehen Sie wieder auf eine Dresdner Theaterbühne?

Am Abend der Ausstrahlung von „Nur eine Handvoll Leben“ stehe ich mit zwei Handvoll Kollegen auf der großen Bühne des Staatsschauspiels - „Der Kaufmann von Venedig“, eine tolle und gerade zur Zeit sehr wichtige Arbeit, die sich mit dem Anderssein und der daraus resultierenden Ausgrenzung auseinandersetzt. Und bis zum Sommer laufen noch „Der Idiot“, „Unterwerfung“, „Schöne neue Welt“ und „Frau Müller muss weg“.

Nur eine Handvoll Leben, Mi., 20.15, ARD

Von Hauke Heuer

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