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Dresdner Schaubudensommer täuscht trotz Unwetter Normalität vor

Dresdner Schaubudensommer täuscht trotz Unwetter Normalität vor

Übers Wetter reden ist die letzte Ausfahrt vorm Gesprächsende. Leider geht's nicht anders, wenn der Schaubudensommer eröffnet und der Regen bis zum Startschuss über die Buden peitscht, die Planen mit sich reißt und so tut, als müsse er die offizielle Schiffstaufe vollziehen.

Sogar Blitz und Donner hat er eingeladen. "Eine Show der Extra-Klasse!" findet der Schaubudensommer, und wir finden das auch.

Doch der erste Schock beim Ensemble saß tief. "Nach dem Gewitter war wirklich nicht klar, was passieren wird", sagt Pressesprecherin Judith Hellmann. "Die Fluten wurden eigenhändig umgeleitet. Der Direktor ist nach einem kurzen Moment der Erschöpfung, in dem er traurig bei einem Tee vierzehn Tage Aufbauarbeit dahinschwimmen sah, in sein Direktorenkostüm geschlüpft und gab die Parole aus: Normalität vortäuschen! Auch ohne Tischdecken und mit gelegentlichem Stromausfall." Um Mitternacht war vom Unwetter schon nichts mehr zu sehen, nur der Rindenmulch quietschte noch vergnügt unter den Füßen. Die Luft war warm und roch nach Flammkuchen. Über den Köpfen die vielen Regenschirme − einige zu bunten Diskokugeln vereint − hingen wieder ganz friedlich und erinnerten daran, dass hier eigentlich gefeiert werden sollte.

Aber so richtig wild war es noch nicht. Knapp 600 Gäste streunten am ersten Abend übers Festivalgelände, ein beachtlicher Start für diese Umstände. Dennoch blieben in den sonst hoffnungslos überlaufenen Shows einige Plätze frei. Idealbedingungen für Leute mit Platzangst oder Abneigungen gegen langes Schlangestehen. 13 Künstler und Künstlergruppen öffneten tapfer ihre Herzen, Zelte und Buden, um zu ihren Shows und Konzerten einzuladen. Darunter waren der tragische Alleinunterhalter Peter Weyel, der noch 22 Jahre bis zur Rente durchhalten muss, Annamateur und Jari van Gohl mit ihrer Sample-Oper, Lebbsch & Debbsch auf ihrer Milchstraße der interplanetaren Gassenhauer oder Jule Oeft mit ihrer Weltpremiere, einem poetischen wie nachdenklichen Wassertanz. Einige Mitglieder der Tanzgruppe Derevo sitzen wegen Visaproblemen leider noch in Russland fest, die regulären Shows starten daher erst am Sonntag. Aber die Derevos, die schon vor Ort sind, schaulaufen bereits über den Platz. Genauere Eindrücke von den Veranstaltungen gibt's am Montag.

Bis dahin feiert der Schaubudensommer vermutlich weiter Sorbst, kombiniert also die Nachteile des Sommers (Hitze) mit denen des Herbstes (Dauerregen) und bleibt damit der meteorologischen Tradition treu. Im Regen tanzen macht eh viel mehr Spaß, und spätestens, wenn am Sonntag zum Familien-Schaubuden-Tag die Kinder vergnügt durch die Pfützen patschen, erkennen auch die Erwachsenen, dass die Welt davon nicht untergeht, auch wenn's so aussieht. Juliane Hanka

www.schaubudensommer.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 07.07.2012

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