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Dresdner Satire-Preis an Cornelia Fritzsche und ihre „Ursula von Rätin“

Heitere Ernsthaftigkeit Dresdner Satire-Preis an Cornelia Fritzsche und ihre „Ursula von Rätin“

Zum mittlerweile dritten Mal wurde bei Breschke & Schuch der Dresdner Satire-Preis vergeben. Zur Auswahl standen mehrere Kabarettisten und ihre Programm, das Rennen machte schließlich eine Frau!

Cornelia Fritzsche alias Ursula von Rätin

Quelle: Elisabeth Schuch-Wiens

Dresden. Im Rückblick auf ein abwechslungsreiches und runde drei Stunden währendes Programm brachte der Kabarettist Manfred Breschke den Begriff „heitere Ernsthaftigkeit“ ins Spiel und hatte damit wohl auch den berühmten Nagel auf den Kopf getroffen. Denn das Programm dieses Abends im Kabarett Breschke & Schuch am Wettiner Platz erwies sich nicht nur als wahrhaft gut gemixt, es verwies zugleich auch auf die enorme Vielfalt der so genannten „Kleinkunst“ im deutschen Lande. Schon deshalb aber gehört dieser Begriff längst auf den Prüfstand. Denn die „Kleinkunst“ füllt mittlerweile auch größere bzw. große Räume. Sie ist ergo längst in Theatersälen und sogar schon in riesigen Messehallen angekommen. Was aber nicht unbedingt im Sinne der Väter und Mütter des Kabaretts und der Comedy liegen dürfte. Den jeweiligen Kabarettisten bzw. Comedian nämlich fast hautnah erleben zu dürfen, das kann keine Messehalle und schon gar kein Stadion bewerkstelligen.

Die Abschlussveranstaltung zum mittlerweile dritten Jahrgang des Dresdner Satire-Preises bestätigte diese These rundherum. Allein schon dadurch, dass mit Joachim Zawischa der Preisträger des Jahres 2015 die Moderation des aktuellen Endausscheids übernommen hatte. Zawischa stellte eingangs klar, dass der türkische Präsident Erdogan auch eingeladen war, aber aus bekannten Gründen leider abgesagt hätte. Für den ersten Bewerber um den aktuellen Dresdner Satirepreis mag das möglicherweise eine Starthilfe gewesen sein. Er nennt sich Lorman, kommt aus Aachen, heißt mit bürgerlichem Namen Lorenz Böhme, spielt Klavier und ist ein Verfechter des Musikkabaretts. Er prägte den trefflichen Begriff „Artenvielfalt ist Lebensqualität“, imitierte u.a. auch sehr gekonnt Herbert Grönemeyers Gesangsstil und befragte die Zuschauer am Ende schlitzohrig zu Pegida. „Wie kommt man zu solchen Partnern?“ wollte er von den Dresdnern wissen.

Björn Pfeffermann

Björn Pfeffermann

Quelle: Elisabeth Schuch-Wiens

Björn Pfeffermanns aktuelles Programm trägt den Titel „Meine Kresse! – Ein Mann sieht grün“. Er ist schon seit 1995 als Autor von Sketchen aktiv, hat für die „Wochenshow“, „Sketchup“ u.a. satirische TV-Formate getextet. Auf der Bühne ist er seit 2001 aktiv, machte sich u.a. Gedanken zu den Themen „Sex im Alter“ oder erfand ein „Kreißsaal-Sightseeing“.

Josefine Gartner kommt aus Bayern und betrat erstmals vor drei Jahren das „Brettl“. „Keine Ahnung, aber es reicht!“ hat sie ihr aktuelles Programm genannt. Da die Satire in Bayern bisher eher von Männern dominiert wurde (von Ausnahmen wie Martina Schwarzmann und Lisa Fitz abgesehen) tut eine Verstärkung dieser Front durchaus gut. Zumal die Gartner auch die eigenen Landsleute und deren Marotten gekonnt auf die Schippe nimmt.

Tom Ehrlich war über 20 Jahre als IT-Spezialist tätig. 2011 beschloss er, auf die Bühne zu gehen. Es ist daher kein Wunder, dass seine vorherige Tätigkeit sich in seinem Programm wiederfindet. Der fragende Programmtitel „Ist uns alles schon egal?“ und der Programminhalt verweisen sehr direkt auf Versäumnisse deutscher Politik in den verflossenen Jahrzehnten. In Ehrlichs Texten stand u.a. auch ein Otto Reutter Pate.

Die Lokalpatriotin unter den Bewerbern für den Satire-Preis 2016 heißt Cornelia Fritzsche, hat in Stuttgart an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst ein Studium im Fachbereich Figurentheater absolviert und ist seither auf vielen Bühnen (auch außerhalb Sachsens) unterwegs. Ihre bekannteste Bühnenfigur heißt „Ursula von Rätin“ und ist eine Ratte, die man einfach gern haben muss. Weil sie frech und frei sagt, was sie denkt. Und weil sie mit einer großartigen Schlagfertigkeit ausgestattet ist.

Den Schlusspunkt zum 2016er Wettbewerb um den Dresdner Satire-Preis setzte der gebürtige Münchener Claudius Bruns. Der heute 41-jährige studierte Jura, Philosophie und Politikwissenschaften und spielte nebenher noch Klavier. Sein erstes Soloprogramm hatte 2014 Premiere. Heute spielt Bruns u.a. bei den Leipziger „Academixern“ und ist auch als Pianist und Songwriter tätig.

Die Jury machte es sich nicht leicht; attestierte dem Veranstalter auch eine gute Auswahl für den Endausscheid. Letztendlich aber überzeugte „Ursula von Rätin“ nebst ihrer Erfinderin Cornelia Fritzsche. Sie erhält den mit 1000 Euro dotierten Preis der Jury, der von der Landesbrauerei Görlitz gesponsert wurde. Den Publikumspreis in Höhe von 500 Euro (gesponsert von der Lausitzer Früchteverarbeitung und den Lichtenauer Mineralquellen) eroberte der Pianist und Kabarettist Björn Pfeffermann mit seinen frechen und zugleich nachdenklichen Liedern und Texten.

Wie immer hängt auch diesmal an der Preisvergabe je ein Auftritt der Preisträger im Kabarett Breschke & Schuch. Die Termine dafür sind der 7. bzw. 14. Oktober 2017.

Von Wolfgang Zimmermann

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